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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-11-24 · Heft 47 (24.11.1844) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 47 (24.11.1844)
Date
1844-11-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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381 gend, und darum werden Sie mich auch nicht fihr einen leichtfertigen Menschen ansehen, wenn ich Ihnen sage, daß ich bei den Frauen Trost suchte. Ich hörte nämlich, daß einige junge Frauen aus dem Auslande in Fulda verheiralhet wären, die eine Leßere Bildung, eine aufgeklärtere Gesinnung zeigten. Zu ihnen ging ich, um mich von der Gedankrnschwüle, die ich in der Regio» der Männer empfand, zu erholen, und ich täuschte mich nicht. Besonders war es eine Frau 3—n, die durch ihre Anmuth und Geistesfrische, durch ihr tiefes Gemüth und ihre acht religiöse Gesinnung einen sehr wohlthuenden Eindruck auf mich machte. Aber ach! Die Arme! sie steht fast ganz isolirt da in dieser trüb-finsteren Gemeinde, sie muß verschmachten mit ihrem beßercn Sinn, mit ihrem helleren Geiste. Doch was soll ich sie und die Wenigen, die ihr ähnlich sind, beklagen. Lassen Sie mich über meine Brüder seufzen, die ich noch so arm und noch so verblendet gefunden, lassen Sie mich über das Schicksal einer ganzen Provinz klagen, die unter solcher geistlicher Obhut noch in mehreren Jahrzehnten nicht zum Lichte und zur Freiheit erwachen wird. Gott beßere es! Aus Unterfranken. (Erster Brief.) Unsere jüdische Bevölkerung richtet gegenwärtig die gespannteste Aufmerksamkeit nach Aschafsenburg, wo demnächst die Wahl eines Rabbinen stattfinden soll, nicht als ob die Wahl eines Rabbinen dem baierischen Israeliten eine so große Wichtigkeit wäre, leider ist dem Letztem (mit rühmlichen Ausnahmen) meistens sehr gleichgültig, w aS für ein Nabbine der Anzustellende ist; nur wer angestellt werden soll, das wird mit Interesse (im buchstäblichen Sinne) behandelt. Ich will die schmutzigen und gemeinen Rücksichten gar nicht auftischen, aber das ist Thatsache, daß nur die Person des zu Wählenden, fast niemals seine Befähigung von den meisten Wählem in Anschlag gebracht wird. Daher muß eS allerdings aufsallen, wie es kommt, daß auch außerhalb des Rabbinatsdistriktes Aschaffenburg Biele ein Interesse an der Wahl nehmen. Der Grund liegt in dem besonderen merkwürdigen Falle, der hier vvrliegt. Die Stelle ist nemlich seit 12 Jahren besetzt, mit einem Manne, dessen Wissenschaftlichkeit, guter Wille, und energisches Auftreten ihn in die Reihe der vorzüglichsten Rabbinen stellt. Sein Rednertalent ist rühmlichst im ganzen Kreise bekannt, seine gewandte Geschäftsführung wird von allen Behörden gerühmt, und seine eifrige Thätigkeit für die Gesittung und Bildung der Israeliten seines Sprengels soll durch mehrere Belobungsschreiben der königlichen KreiSregierung anerkannt worden sein; sowie hochdieselbe in einer andem mir zu Gesicht gekommmen Entschließung über den Districts-Rabbinen sich folgendermaßen äußert: «Nachdem aber gegenwärtig der Nabbine Gabriel Leo Neuburger in die Stelle de» verstorbenen Oberrabbine» gekommen, derselbe die im tz. 27 des Ediktes festgesetzten Eigenschaften besitzt und dessen bisheriges Wirken das in ihn gesetzte Vertrauen der Kreisregierung in vollem Maaße gerechtfertigt hat, so re. rc. *) Dieser Rabbine nun, der jetzt über zwölf Jahre im Amte ist, und höheren Ortes als Rabbine anerkannt wurde, ist — nicht etwa feiner Stelle entsetzt — sondern als nicht angestellt betrachtet worden und seine Stelle wurde zur Besetzung öffentlich ausgeschrieben. Als Grund wird zur Erklärung angegeben, daß damals keine förmliche Wahl stattgefunden, die Gemeinde Aschaffenburg ihr Wahlrecht in Anspruch genommen und das hohe Ministerium ihr dasselbe zugestanden habe. Es soll dem Rabbinen ein jährlicher Sustentationsgehalt von 200 Fl. — wie man sagt — zwar verbleiben, aber wenn auch der volle Gehalt bliebe, die Entfernung vom Amte wird jedem Angestellten won Ehre durch Geld nicht ersetzt werden können. Man glaubt zwar, Herr Neuburger werde wieder gewählt werden —denn da er nicht wegen Dienstverletzung entfernt wurde, so ist er wieder wählbar — allein wie dem auch geschehen wird, und ganz abgesehen von der Frage, ob hier Recht oder Unrecht geschehen, ist der Fall sehr beklagenSwerth und ein neuer Stoß, der — rückwärts führt. — Fragen Sie, wie so? so wollen Sie nur die gegenwärtigen Verhältnisse der Israeliten in Baiern, die Ihnen als Grenznachbar nicht so fremd sind, in Erwägung ziehen. Die Fürther Excesse haben schon dem Volke die Meinung bcigebracht, ein augestellter und bestätigter Rabbine sitze noch nicht einmal so fest, daß nicht ein Häuflein Unzufriedener, von welchem Charakter auch nur immer, seinen Stuhl wankend machen können; dieser Fall bestätigt diesen Wahn noch mehr. Ich sage Wahn, denn in Wahrheit ist e» keineswegs der Fall. Den wirklich Aogestellen zu entfernen, fodert große Opfer, wie der Vorgang in Fürth hinreichend beweist, der solche enorme Summen verschlungen, daß man ein schönes fc'TiEri rV2 dafür hätte gründen können; aber das Volk meint es und in seinem thörichten Wahne tritt es dem Nabbine hindernd und ungehorsam in den Weg, bildet eine Opposition und willLetzterer nicht sein Leben in Streitigkeiten zubringen, bei dm Behörden nicht als ein verdächtigt, als Neolog angeklagt und der Gefahr, durch falsche Beschuldigungen zuletzt *) Wir wollen gern dem guten Zeugniß, welches dem Hrn. Neuburger gegeben wird, Glauben schenken; aber die bekannte Geschichte von der Bannstrase, welche derselbe über einen seiner Pflegbesohlenen verhängte, muß doch einige Zweifel gegen die Erleuchtung und Humanität des Hrn. Neuburger Hervorrufen. Redaction.

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