Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1844)
- Date
- 1844-11-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2566751-2566911-2566959--1222-2568977- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
doch das Kürzere zu ziehen, sich ausgesetzt sehen: so wird er eS vor Gott uud seinem Gewissen verantworten können, wenn et — nichts thut. Wer hat nun die Nachtheile? Die Israeliten unseres Kreises sehen nicht ein, wie Niemand anders als sie die bittren Folgen werden zu beklagen haben. Unser hochherziger König und unsere weisen Regierungen meinen rS unbezweiftlt gut mit uns, und wir können und dürfen uns gar nicht beklagen, wenn mau das für heilsam beftmdene System auch auf uns anwendet; wir sind vielmehr Dank schuldig, wenn, wie bei jeder Coufession, auch im Judenthum verderblicher Neologie Einhatt gethan werden soll, aber leider kann die Regierung selbst Ui«ht entscheiden, was der Neologie im Judenthume angehört und leider fehlt es Manchem unserer orthodoxen Frommen gar nicht '<tri dem Muthe gegen die Ueberzeugung ein quid pro quo vor die Behörden zu bringen. So entsteht ein Wirrwarr, der jeden Funken religiöser Begeisterung erstickt und JndifferentisMuS gewinnt immer mehr Terrain; so entstehen Reibungen und Spaltungen innerhalb der Gemeinden, die auf Gesittung und Bildung so nachtheilig wirken, den Gegnern des Judenthums und her Juden so viele feindliche Waffen in die Hände geben, daß njan ohne da Hellseher oder gar Prophet zu sein, Voraussagen kastn, die baierischen Israeliten werden ihre jetzigen Verirrungen ejnst bitter bereuen und manchen, der jetzt als „der gute Jyd« gepriesen wird, in seinem Grabe mit Flüchen verfolgen. Eine offene, freie Darstellung der ganzen Sachlage würde ^ei unserem weisen und gerechten Könige heilsame Früchte bringch! aber wer soll es thun? ein Rabbine? der würde sich zu großer Gefahr aussetzen, von Seiten der Gegner auf's Heftigste verfolgt Md seiner Gemeinde auf's Lästerlichste verdächtigt werben. Es möchten dieses lediglich Laien thun, aber — wenn der Jndiffcrentismus nicht wäre. — Ich will jedoch meine allgemeinen Bemerkungen abbrechen und zu unserem Gegenstand zurückkehren. Lassen wir nemlich den speciellen Fall ganz dahingestellt, so drängt sich gewiß jedem Denkenden die Frage auf, woher es komme, daß man in Baierv so vielfältig Streitigkeiten zwischen Nabbineu und Gemeinden antrifft? Man hört wohl auch von solchen Differenzen in andern Ländern, aber nicht leicht irgendwo z. B. Würtemberg oder Baden solche Geschichtchrn, die zur Chronik scandaleuse gehören, wie bei uns. Liegt eS darin, daß die baierischen Rabbinen ncologischer gesinnt sind, als dort, so muß jeder Unbefangene das in Abrede stellen, und möchten denn doch die orthodox gesinnten stabilen Rabbinen weniger zu kämpfen «nd zu ertragen haben, was aber nicht der Fall ist. Liegt eS darin, daß die Gemeinden orthodoxer, religiöser sind, so ist das wiederum nicht wahr, es ist vielleicht der JndifferentismuS nirgend größer. Der Grund liegt tiefer, und er wird um so leichter aufgefunden, und seine Richtigkeit um so mehr bestätigt, wenn wir einen Rück- und Seitenblick auf das Verhältnis zwischen Gemeinden und Lehrern werfen. Sie können sich keinen Begriff von den vielen Processen machen, die da anhängig waren und zum Theil noch anhängig sind. Es waren das nun allerdings zum großen Theile Geldprocesse, aber es waren auch andere, die lediglich den religiösen Lebenswandel der Lehrer betrafen, und und selbst jene verdanken ihre Entstehung meistens ganz anderen Umständen. Warum trifft man das weniger in andern Ländern? Dirß zu beantworten, sei der Inhalt eines zweiten Brieses. Bekanntmachungen. Es sucht jemand eine Stelle als Vorsänger und Lehrer in einer israelitischen Gemeinde. Der Suchende ist verheirathet, aber kinderlos; er ist der deutschen und hebräischen Sprache mächtig und kann die besten Zeugnisse für seine innere und äußere Befähigung zu diesem Amte beibringen. Näheres erfährt man auf frankirte Briefe im der Buchhandlung von F. Schuster iy^ersfeld. _ Bei F.D chuster in Hersfeld ist erschienen und durch alle Bachhandlungen zu beziehen: Haufe, B., Ärei Predigten, vorgetragen in den Synagogen zu Sterbfritz und Oberaula. gr. 8. broch. 7\ Sgr. ■-Predigt bei der Einweihung der neuen Syna« goge in Oberaula. gr. 8. broch. 3J Sgr. Immer mehr kommt die deutsche Predigt in den Synagogen in Aufnahme und wird gewiß dazu beitragen, mehr Licht in dieselben zu bringen. Darum ist's verdienstlich, wenn gute deutsche Predigten von jüdischen Religionslehrern gedruckt werden, damit dieselben auch die häusliche Erbauung befördern und beleben. Obige Predigten sind in vielen Rrcensionen sehr gerühmt worden; in denselben herrscht dir reine Moral, die über allen Sekten erhaben steht.?-' Im Verlage von Im. Tr. Wöller in Leipzig erschien so eben und kann durch jede Buchhandlung des In- und Auslandes, in Hersfeld und Homberg durch F. Schuster bezogen werden: Die Psalmen. Lieder der Andacht, des Trostes und der Erhedung. Nach dem Urtexte der heil. Schrift, meist nach kirchlichen Singweisen, metrisch übersetzt von Br. phil. M. A. Zille. Mit 1 Stahlstich und Prachttitel in Bronze- und Farbendruck, broch. Preis: (25 Ngr. oder Sgr.) 1 Fl. 30 Xr. rhein. Scho» der Stossdic,es Werkes selbst, (Die lämmtli chen P salm cn der heilige» Schrift) ,owic sein als geistlicher Dichter bestens bekannter Verfasser, sprechen hinlänglich für den Werth desselben. Tüchliac Männer bezeichneten es schon im Voraus nach den gegebenen Proben in Zeitschriften als eine sowohl als Andachts- und rbanu n gsschri ft, als auch in dichterischer Bcziehnng sehr erfreuliche Erscheinung von ganz bedeute «dem Wert he, und Heven besonders hervor, daß die schon im hebräischen Originaltexte enthaltene ausgezeichnete poetische Schönheit, vereinigt mit einer tiefen Fülle der Gedanken, in diesen deutschen Liedern ganz vorzüglich poetisch-schön und treu wiedergegeden sei. Druck und Verlag von F. Schyster m Hersfeld,