Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1844)
- Date
- 1844-11-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2566751-2566911-2566957--1199-2568952- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
361 nach den Verkündigungen der Apostel dieser Christus wiederkehre, um sich vollkommen als Messias zu bewahren. Doch gestehet das Judenthum dem Christenthume die Berechtigung zu, in diesem Christus die Person des Messias gläubig zu erkennen, und seine Identität mit dem dereinst erscheinenden, auch von Juden anzuerkennenden Messias als Dogma festzustcllen. Das Judenthum stellt also hier den Glauben des Christenthums nicht geradezu in Abrede, sondern laßt ihn aus sich beruhen, so lange bis auch ihm (dem Elfteren) die nöthigen Bürgschaften werden gegeben sein. „Was aber den moralischen Gehalt dieser Lehre betrifft, so ist dieser in beiden Conscssionen ganz gleich, da nach der Lehre beider nur durch die Vortretflicbkeit der Gesinnung, durch Liebe und Gerechtigkeit, die jeder Einzige in sich selber fördert, die Zeiten der Verheißung vorbereitet und herbeigesührt werden, indem das edle Beispiel dasjenige Predigtamt ist, das am sichersten Erkenntniß und Tugend verbreitet. (Röm. 10, 12. Micha, 5, 6)." In Beziehung auf das Ceremonialgesetz tritt der Verfasser der Ansicht, daß Jesus dasselbe nur um des Volkes willen beobachtet mit der Frage entgegen: „Christus sprach zu den Aposteln oft im engsten, vertraulichen Kreise und kurz vor seiner Todesstunde. Was konnte ihn da zurückhalten, sich über seine wahre Meinung gegen sie offen und unzweideutig auszusprechen? Und was hinderte sie wiederum, dies viele Jahre nach seinem Tode, wo erst die Evangelien ausgeschrieben wurden und schon viele christliche Gemeinden gegründet waren, mit aufzuschreiben? Und wäre es nicht Jesu Pflicht gewesen, zur künftigen Nachachrung für die Juden, an die er eben seine Sendung gerichtet angibt, es irgendwo deutlich herauszusagen, daß er das Ceremonialgesetz auszuheben von Gott gesendet sei, seine Berechtigung hierzu, gegenüber dem von ihm als göttlich anerkannten Gesetze Moses bestimmt anzugeben. Aber weit entfernt, das Gesetz Moses in den doch sehr wesentlichen Bestimmungen des Sabbats, der Beschneidung, der verbotenen Speisen aufzuheben, sagt Christus bekanntlich (Matth. 5, 17 — 19) ausdrücklich: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz und die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen auszulösen, sondern zu erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: bis daß der Himmel und die Erde vergehe, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Titel vom Gesetz, bis daß cs alles geschehe. Wer nur eins von diesen kleinsten Geboten auflöset und lehret die Leute also, der wird der kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich." „Fragt man nun" — bemerkt der Verfasser am Ende dieser Untersuchung — „wie es komme, daß die Anhänger des Christenthums sich bis auf Weniges, von dem jüdischen Ceremonialgesetze ganz frei gemacht haben, so kann dies (auf dem Standpunkt der Evangelien) nur unter der Voraussetzung erklärt werden, daß dieselben im allgenieinen von nicht israelitischer Abkunft seien, da sie in diesem Falle nach dem Beschlüsse der Apostel (A. G. 15, 28 ff.) und auch nach den im Judenthum früher herrschenden Principien an dies Gesetz nicht gebunden sind. Jedenfalls aber kann das Chri» stenthum es als keinen Widerspruch mit seinen Principien ansehen, wenn Juden das Ceremonialgesetz eifrig halten, nachdem Christus , den kleinsten Buchstaben" des Gesetzes bestätiget und gesprochen: „was die Pharisäer sagen, das haltet." In Beziehung auf die Sittenlehre weist nun der Verfasser durch Anführung sehr schlagender Stellen nach, daß hierin beide Religionen völlig übereinstimmen und bemerkt dann am Schlüsse: „Also die Moral des Judenthums ist mit der des Cdristenthums durchaus identisch, das Christenthum erkennt die moralischen Gesetze des alten Testaments als göttlich an, und das Judenthum nimmt längst als das Seinige in Anspruch, was in dieser Beziehung im neuen Testamente vorgetragen wird; es sind, behauptet es, eben nur wieder die Gebote unserer heiligen Schrift und unserer ältesten Weisen. Kann dies etwa Christen mißfällig sein, wenn im neuen Testamente in solcher Hinsicht nichts Neuerfundcnes vorkömmt? Gewiß nicht! Bei Dingen irdischer Eitelkeit mag es angenehm fern, sie zuerst, sie allein zu besitzen; bei der Wahrheit, bei j der Liebe sind wir reicher, wenn Andere sie mit uns j theilen, ist es unser höchster Stolz, in ihrem Besitze! nicht allein zu sein." (Schluß folgt.)! Geschichte des Tages.! Eisenach. Es freut uns, die Tagesgeschichte heute mit j einem Ehrenmanne eröffnen zu können, dem die LSahrheir ein Heiliges ist, und der auch den Muth har, sie offen und frei feinen Gemeinden zu verkünden, es ist der Bezirksrabbine Grünebaum in Landau, der in neun, bei Bielefeld in Carlsruhe erschienenen Vorträgen, den schönsten und heiligsten Beruf, welchen