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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-11-10 · Heft 45 (10.11.1844) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 45 (10.11.1844)
Date
1844-11-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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300 ist das stolze, naiv-eitle Wort des Rabbinismus. — Vom Rationalismus erhalten wir aber auch keine genügende Antwort auf jene Frage. Denn erstens steht er nicht in, sondern über, und resp. außerhalb beider Religionen, weil er die absolute Wahrheit, die Göttlichkeit beider leugnet; und dann ist er zwar gegen beide gleich gerecht, sieht in Iudenthum und Cbristeuthum nur das rein Menschliche als ihren wesentlichen Gehalt, und ehret und achtet in den Bekennern von beiden den Menschen; allein indem er beide Religionen im Verhältniß zu dem rationellen religiösen Bewußtsein doch als beschränkt und unvollkommen ansi'eht, ist er auch wieder gegen die Bekenner von beiden eingenommen, sieht in keinem von beiden den vollen Inhaber der Wahrheit, des reinen menschlichen Bewußtseins, und vermag daher auch mit keinem von beiden sich vollkommen eins zu fühlen, ihn als seinen Bruder, als übereinstimmend und übereinstrebend in der ganzen Fülle der Wahrheit und Tugend anzuerkennen. Es muß also uns hier darum zu thun sein, auf dem Standpunkte unserer Religion, in und vom Judenthum aus den Weg der Vermittelung, das Wort der Versöhnung aufzufinden, und da dürfen wir freilich mit freudiger Erhebung uns rühmen, daß seitdem die Aufklärung ihre Blüthen unter uns ausgeftreut, seitdem das hohe reine Menschenthum das israel. Religionsbewußtsein durchdrungen, die Klippe schon verbannt, die Scheidewand schon getilgt worden ist; der Israelit schon sich zu der Ueberzeugung erhoben hat, daß der Stifter der christlichen Religion indem er die göttliche Sendung Moses und der Propheten anerkannte, und Menschenliebe als das höchste aller Gebote lehrte, auf den Standpunkt der jüdischen sich stellte, und demnach Christenthum und Judenthum im Höchsten und Heiligsten einig, friedlich, miteinander seien. Allein dieses, was sich schon dem populären Bewußtsein aufdrang, hat doch bis jetzt noch nicht die rechte wissenschaftliche Nachweisung erhalten; namentlich ist man noch nicht über den Unterschied beider Religionen sich klar geworden und insonders, worauf es hauptsächlich ankommt, nicht über das Wesen und Eigenthümliche dieses Unterschiedes, wornach er nicht in sittlicher Gesinnung und Vernunft-Erkenntniß, bei welcher der eine dem andern Theil einen Mangel an moralischem Gefühl oder vernünftiger Bildung vorwerfen könnte, bestehe, sondern rein dogmatischen Gehaltes sei, dem Gebiete des Gemüthes, dem Glaubenj anheimfalle, über welchen sich nicht rechten lasse, sondern wo einem jeden seine volle Freiheit und Berechtigung gelassen werden müsse. Hierüber nun Licht zu verbreiten, ist die Aufgabe, welche der würdige Verfasser der obengenannten Schrift sich gestellt hat. Wahrlich eine sehr bedeutende und lohnende! Doch verhindert uns der Raum unseres Blattes, mehr als die Ergebnisse mitzutheilen und müssen wir hinsichtlich der Begründung derselben auf die Schrift selbst verweisen. Dieselbe ist in folgende Kapitel getheilt: I. Die Gotteslehre des Judenthums u. Christenthums. II. Die Lehre vom Messias. Hl. Das Zeremonialgesetz. IV. Die israelitische und christliche Moral. Zu unserem Zwecke heben wir aus derselben Folgendes hervor: In Beziehung auf den so oft gehörten Vorwurf, daß Moses einen Nationalgott lehre, theilt der Verfasser eine Stelle von dem katholisch - christlichen Schriftsteller Jahn mit, in welcher derselbe durch Anführung mehrerer Stellen aus den mosaischen Schriften jenen Vorwurf zu entkräften sucht. Hierauf fährt er fort: „Bei der Lehre von dem göttlichen Wesen kommen wir jedoch auf einen Punkt, in welchem die Ansicht des Christenthums von der des Judenthums sich wesentlich unterscheidet, dies ist nemlich die dogmatische Lehre von dem einigen Wesen Gottes." „Der Satz: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist der Einig - ewige" (5. B. M. 5, 4) ist gewissermaßen die Fundamentallehre des Judcnthums, Gott ist einzig und in sich selbst ungetheilten und einigen Wesens, daher auch unveränderlich. Auch das Christenthum läßt jenen Satz vollkommen gelten, aber es nimmt eine dreitheilige Einheit des Vaters, des Sohnes und heiligen Geistes an, die aber zugleich eine ungetheilte Dreiheil sei." Es wird dann die Lehre vom Messias einer besonderen Betrachtung unterworfen und aus derselben folgender Schluß gezogen: „Da Israel die Lehre, welche Christus nicht andern, sondern nur erfüllen wollte, und deren Verbreitung unter Anderm maßgebend für die Beurtheilung der messianischen Zeit ist, schon hatte, Christus ihm also, in dieser Beziehung, nichts Neues bot, eben so wenig aber die andern messianischen Zeichen zu seiner Zeit und durch ihn erfüllt waren, so kann Israel in diesem Jesus seinen Messias noch nicht erkennen, sondern muß, ehe es dieses zugiebt, nach dem Wortlaute seiner Verheißungen, abwarten „bis die Fülle der Heiden eingegangen sein wird", ob dann,

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