Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1844)
- Date
- 1844-11-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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353 nes, diese, einst die ganze Menschheit, befeeligende, an, und in einen Zweig derselben bindenden, Instituts, wieder, auf nationalhistorischem Wege, herankommen; wahrend Bileam, dasselbe, einst auf dem Welthistorischen, universalirt, schaute, und eben darum auch national bedeutungslos werden. Doch blieb diese einstige Vergeistigung der Menschheit auch dem Moses nicht ungeahnet, er war der Erwartung voll, daß eben die Herrschaft jenes Princkps, dem er, durch seine Satzung zeitliche Wohnung in Israel (Schechina) bewirkte, einst, durch die Verwesung des Nationalgefäßes der Idee, universell werden soll; wo dann grade, mit dem Hervorbrechen dieses gebannten Lichtes, als wiederbelebende Sonne der Menschheit, eben jener lebendig reger Kampf genährt werden muß, der die Geschichte füllt, in deren periodischem Laufe, die, auf früheres organische Leben hindeutenden Glieder, individuell als Juden sich fortschleppen mußten, bis daß die Idee einst allgemein geistig erkannt, die Geschichte vergeistige, und die ganze Menschheit zu ihrem göttlichen Ziel hinleitend, auch jenen Trümmern neues Leben einhauche. Welchen universellen mosaischen Blick die Propheten aber, an den Namen Sohn Davids bindend, national individualisirten — in der Person eines Messias. Die Propheten, deren Seherblick die schon zer- und verfallene Nation am Rande des Landes gewahrten, dehnten ihren Gesichtskreis auf jene in mosaische Perspective gestellte Periode hinaus, und jeder derselben schilderte die tröstende Restauration nach seinem individuellen Gemüthe und Sehkraft, bald blos, als strengnationale Restauration, bald aber, als jene Verschmelzung alles Individuellen in dem göttlichen Feuer der Uridee, die dann selbst die Erde statt Sonne und Mond (Natur, Schicksal) beleuchten, und befruchten wird, (Jefaias 60, 19) nemlich, als Weltherrschaft der Providenz. Unter dem Anblick der vernichtenden Gegenwart, und dem Hinblicke auf zukünftige Verklärung, verbrannte der Tempel; Urim und Thumim waren verstummt, das Land vom abgöttischen Volke verlassen, und das Gesetz sank, da die lebende Fortleiter derselben, in der Zeit, (5. Moses 18, 15 — 20) die Propheten, mit ihren Gesichten, verschwanden, zum tobten Buchstaben herab, und verlor sich eine mythische Zeit (70 Jahre) aus dem Leben der Nation; so wie die Sprache, mit dem Chaldäischen vermengt, zum Geistlosen Aggregat ward; die Volszunge im zweiten Tempel. Trotz anscheinender Vernichtung des geistig ethischen Atlas der Weltgeschichte, retteten sich dennoch, einzelne Glieder dieses Körpers, die noch Lebensgeister, hinreichend in sich bewahrten, um neue Centralpunkte zu erzeugen, die das verlöschende Licht anziehend und neu belebt ausstrahlend, Stoff genug um sich her legten, den Faden der Geschichte, bis auf jene zweite Periode der Auferstehung der Menschheit hinzuspinnen." „Diese Centralpunkte waren", beginnt das zweite Heft, „Babylon und Egypten. Dorthin, nach Bockylon ward nämlich, der edelste Theil der Nation — Priester und Gelehrte — gefangen verführt, die noch des alten Gesetzes Buchstaben, so wie die religiöse Erinnerung an feinen Formen, bewahrend, wie sie noch im Leben bestanden, wohl kein sehnlicheres Streben haben mochten, als diese erstorbenen Formen zu restauriren, d. h. den Tempel aufzubauen. Eine Colonie, unter den Auspizien der Perser-Könige, und Lenkung des, nicht mehr Propheten, das heißt, im Geiste des Gesetzes lebenden, sondern (Sophers), Gelehrten, das heißt, seine Resultate besizzenden, Esdras, begann die Wiedererbauung des Tempels. Hier sollte die 8dreo1nna wieder gefesselt werden; Aber, durch welches Band? das lebendige zeitgemäße Organ des Propherenthums war gewichen; keine Bundeslade; keine Urim und Thumim; nichts, als diesen nakten Buchstaben der Thora, welche für das chaldaifirte Volk, in seinem hebräischen Worte, selbst todt da lag. In dieser Geistesnoth, erschien jenem Sopher kein Bmdungsmittel wirksamer und dauernder, als das, nemlich: diesen Buchstaben zeitgemäß zu vergeistigen, und diesem neu eingehauchten Geiste, als Seele, das ganze öffentliche und Privatleben der Nation unterzuordnen, und von ihm aus zu beherrschen. Und so arbeitete nun die evclesia magna das Seil der Liebe, woran der Herr fein Volk, aus Aegypten nach Canaan, hinleitere, zu einem knotigen Strick umzuflechten, der es an den canaanitische« Boden isolirt, fest und unablösbar knüpfen sollte; Ja! wessen Geist war der neu eingehauchte, war er deß, der über den Cherubim thronte? Nein! Menschengeist war er, die Reflexion. Durch die neu geschaffene Bedeutung von göttlicher Thora (Scriptura, Schrift) wurde der Gegensatz hervorgerufen, einer lesbaren heiligen Schrift und einer nicht lesbaren, sondern mündlich sich fortpflanzenden Tradition, welche conziliarische Dyas den Pharisäismus in die Bundeslade gebracht, später gar dem Egoismus die Apotheose errungen. Die Existenz einer mündlichen Tradition, in des Canon's heiligem Worte so begründet, hörte das Gesetz auf in dem Volke als Konstitution zu leben, fortgeführt in der Zeit, von seinem Repräsentanten (Propheten), bei dem Souveraine (Jehova), und ward