Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1844)
- Date
- 1844-10-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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349 so verbreitete, so begriff man Gesetze, so entstand geschichlicheS Recht. Quelle des §. 38 der W. O., in so weit er von der Acceptation handelt, ist der 13. Artikel der Hamburger W. O. vom I. 1711, wohingegen das Zahlen am Freitage eben so wie die Vorschrift im tz. 16 eigene Invention unsrer W. O. zu sein scheint, welche letzte in den Platzgebrauch eine bedeutende Verwirrung gebracht hat, die nun durch den Gesetzentwurf gründlich beseitigt wird. Dagegen haben einige jüdische Handelsleute, wie oben ad §. 8 schon erwähnt, rcclamirt, und verlangt, die Gesetzgebung möge die jüdischen Feiertage berücksichtigen. Allein mit Unrecht; die Religion hat einzelne Tage zu Feiertagen bestimmt, die Politik andre, z. B., ConstitutionSseste, frohe wie traurige Ereignisse noch andre, z. B., wegen Siege und Feuersbrünste. Das Landesgesetz aber kann nur an die Feiertage Folgen knüpfen, mit andern Worten, nur diejenigen Tage können zugleich als gesetzliche Feiertage anerkannt werden, welche von der bedeutenden Mehrzahl der Landesbewohner als solche wirklich beobachtet werden. Dahier sind dies die im Gesetz-Entwürfe aufgrzähiten, und die sich nicht zum evangelischen Glauben bekennen, haben keinen Grund sich darüber zu beschweren, weil sie eben in einer Stadt wohnen, deren Bürger in überwiegender Mehrzahl diesem Glaubensbekenntnisse angehören. Ucberdies werden die Sabbatgesetze nur noch von den wenigsten Juden mehr so beobachtet wie vor hundert Jahren; dahier wie in allen größern Städten findet man vielmehr die Comptoirs und Gewölbe derselben grvßenthrils an dm Samstagen gerade so wie an den übrigen Werktagen geöffnet. Die oben ad §.8 vorgeschlagene, auch sonst empfehlenswerthe Abänderung würde aber um so mehr zu empfehlen sein, wenn sie überdies dazu diente, eine für Einzelne unleugbar vorhandne Jnconvenienz, bei den Neclamanten namentlich für die Samstage, aus dem Wege zu räumen. Die Unbequemlichkeiten hingegen, welche diesen Neclamanten ihre periodisch wiederkehrenden mehrtägigen Feste bereiten, mögen sie, wie sie wolle» und können, selbst zu beseitigen suchen.« Breslau, im Oktober. (Corresp.) Zu den vielen Sonderbarkeiten und Verkehrtheiten, die wir, bei dem Mangel einer geistlichen Behörde, oft genug im Schooße des Judenthums wahrnehmen, gehört zweifelsohne auch die, daß unsere sogenannten Nabbinatseandidatrn, starkbebrillte und langbehaarte Jünglinge, dem Herzogthum Posen angehörend, sich eine Art von Autorität anmaßen und auf alle mögliche Weise sie geltend zu machen, suchen. Wer nur immer Gelegenheit gehabt derartige Subjekte kennen zu lernen, der wird bis zum Ekel die Erfahrung gemacht haben, daß sie, ohne auch nur in einem einzigen Gebiete des Wissens etwas Tüchtiges gelernt zu haben, ohne daß sie auch nur die Kenntnisse eines Tertianers besäßen, dennoch über alle Erscheinungen in allen Gebieten der Literatur und Wissenschaft zu nrtheilcn sich erfrechen, ja sich sogar nicht scheuen öffentlich mit ihrem Urtheil hervorzutreten. Doch im Allgemeinen schaden diese Leutchen nicht viel, man weiß sie zu würdigen; — und wenn sie nur sonst mit ihren Studentenkarten keinen Mißbrauch treiben, läßt auch wohl der legitime Student sichs gefallen, daß diese armen Auswürflinge polnischer Klausen frei neben ihm athmen. Aber eine jüdische Gemeinde in einer Universitätsstadt, wo solche Beflissene der Theologie in Massen sich anhäufen, ist wirklich geplagt, gequält als wäre die dritte Plage Egyptens über sie gekommen: sie darf sich nicht rühren, wo sie die Hand hinftreckt, greift sie diese scheuslichen kriechenden Vielfüßler, wo sie athmet, berührt ihr Odem sie. — Wer dergleichen zu beobachten noch keine Gelegenheit gehabt, der kann bei uns sich diese Erfahrung holen. Hier leben über 15 Jünglinge, die jüdische Theologie zu studiren vorgeben, und durch ihre ungeschliffene bacherische Manieren, durch ihr heimtückisches Wesen der Gemeinde unerträglich werden. Sie haben sich, ich weiß nicht durch welche Zauberei, das Vertrauen der Redacteure jüdischer Blätter zu erringen gesucht, und überfluthen die halbe Welt mit ihren wäßrigen Berichten und erbärmlichen Skribeleien. Eine fleißige Stylübung ist ihnen nun nicht zu verargen, ja sogar dringend anzuewpfehlen,. aber mögen die Herrn Schulaufsätze arbeiten, das wird ihnen nützlicher sein, als auf gut Glück hin, ohne Idee, ohne Bewußtsein Berichte zu schreiben. Man liest oft in den jüdischen Blättern Artikel von Breslau, über die man staunen muß. Da werden Dinge als geschehen reserirt, die man hier gar nicht kennt, von denen man keine Ahnung hat, und da wird mit einer Arroganz und Frechheit über Rabbinat und Vorstand abgeurtheilt, daß man nicht weiß, soll man mehr daS kindische ungeschickte Gebehrden belächeln, oder der darin versteckten Böswilligkeit mit Ernst begegnen. So lesen wir schon zum dritten Male im Orient von einem namenlosen Referenten Berichte, die mit sichtbarer Böswilligkeit hiesige Gemeinde-Zustände besprechen; schon zum dritten Male wirst uns Rrferrnt den Fehdehandschuh hin, ohne daß er den. Muth hätte sich uns zu zeigen und zum offenen Kampfe herauszufordern; nun, damit der Herr nicht glaube, es sei uns viel an ihm gelegen, wollen wir bloß seinen lügenhaften Berichten begegnen und unS um ihn weiter nicht kümmern. Vor ungefähr 8 Wochen lagen dem Referenten die Wollfäcka iw Fränkelfchen Hospitale wie ein Alp auf dem Herzen uni»