Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1844)
- Date
- 1844-10-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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340 sich zu entschließen, wirb an tausend Aeußerlichkeiten gezerrt und gezupft, daß die Blößen sich noch krasser offenbaren. Ein einfacher in Inhalt und Form Vernunft- und zeitgemäßer, würdiger Gottesdienst mit Choralgesang thut Roth; und dem glaubt man genug gethan zu haben, wenn man unter Lärm und Unordnung die alten Blasphemieen von einem tüchtigen Solosänger, den ein kleiner Chor unterstützt, nach willkürlichen Melodiken absivgen läßt —; um des Sängers Willen, der einen seltnen Ohrenschmaus bereitet, nimmt man, wie in der Oper, ein schlechtes Libretto, so in der Synagoge die ungeläuterten Gebete in den Kauf; und bei alledem glaubt man reformirt zu haben und auf der Höhe der Zeit zu stehen. Wie flach und seicht muß hier der Strom der Zeit fließen, wenn solches Spielzeug auch nur einen Augenblick lang obenaufschwimmen und die Aufmerksamkeit der Müßigen am User fesseln kann. — Nichten Sie, Herr Redacteur, sich nur ein musikalisches Feuilleton ein, ich werde Ihnen einen Referenten engagiren, der Ihnen allsabbatlich über die Höhen und die Tiefen, über die Triller und Falsets des neuen Bader berichten soll; ich verstehe das nicht! OO Aus dem Regierungsbezirk Trier. (Corresp.) Auch bei uns sehen viele mit großem Vergnügen die Realisirung der ersten Rabbinenversammlung, und war es denselben gewiß auch sehr erwünscht, daß unser Oberrabbine, Hr. Kahn, der, wie bekannt, sich an allen das Judenthum betreffenden Bestrebungen ohne Scheu und Furcht betheiligt, dieser Versammlung zu Braunschweig beiwohnte. Hingegen fürchtete auch eine nicht geringe Anzahl, besonders der Landbewohner, eine ganze Umgestaltung der Religion von dieser Versammlung, welche Furcht noch bedeutend zunahm, als die Zeitungen die Abschaffungen des S3 von Seiten dieser Versammlung mittheilten. Viele glaubten auch, daß hierunter der ganze v-pj ^33 Abend verstanden wäre. In dem ersten Vortrag nach seiner Zurückkunft hat daher auch unser Oberrabbine mit großer Klarheit und Unbefangenheit die Wichtigkeit und Nothwendigkeit dieser Versammlung und das heilige und ernste Streben der Rabbinen, welche dieser ersten beiwohnten, seiner Gemeinde zu Trier in der Kürze geschildert und so, daß man hierdurch einen ganz andern Begriff von dieser Versammlung gelaßt hat. Ich erlaube mir Ihnen die betreffende Stelle aus diesem Vortrag hier mitzutheilen. Dieser ward nämlich an DM 522' gehaltm, über JesaiaS Kapitel 40, 1 — 8. Nachdem im ersten Theil sehr tteffend nachgewieseu wird, daß Israel auch in jetziger Zeit »och des Trostes and der Hoffnung in politischer Beziehung sehr bedürfe und diese allein nur in den Verheißungen Gotte-, die gewiß in Erfüllung gehen, 0^ Dip’ m, auch wirklich hat, fahrt der Redner also fort: „Aber auch über unsre inneren, d. h. religiösen Verhältnisse, bedürfen wir, «w L., gerade in unserer Zeit, des Trostes und der Hoffnung. Ihr Wißt ja, m. Fr., ich habe dieses schon öfters von dieser Stätte herab euch geschildert, welche Verwirrung, welche Unbestimmtheit und Uneinigkeit jetzt im Gebiete des Judenthums und unter den yerschiedenen Israeliten herrscht: wie so viele nicht wissen, welchen Weg sie wandeln sollen und wo das wahre Licht und die rechte Lehre zu finden sei? wie so Viele dieses auch nicht wissen wollen und es daher auch nicht sehen und auch nicht finden; wie Andere kaltblütig auch alles Heilige und Göttliche verspotten und die Lehrer in Israel schmähen, weil diese ihnen nicht beistimmen, vielmehr die reine Lehre Gottes bewahren und bewachen wie ihren Augapfel; — wie diese, besonders die aufrichtigen und ehrlichen, die da nicht nach Ehre und irdischem Vortheil buhlen und frei und offen den wahren Fortschritt — nicht den halben predigen und verkünden — doch auch selbst oft verlegen werden den rechten Weg aufzufinden und einzuschlagen und den wahren Glauben in alle Herzen zu pflanzen und den Un- und Aberglauben aus ihnen zu bannen: da meine lieben Brüder und Schwestern! tröstet uns wieder der Zuruf des Propheten: "D^IJJ^ Dip’ 'UTil" das Wort und die Lehre Gottes bestehet ewiglich"! Möge auch das Fleisch an ihr rütteln und sie zu zerstören streben, es vermag nichts gegen sic, die göttlich und daher ewig dauernd und bestehend; ,/denn das Fleisch ist Gras, das dorret!" Und in dieser trostreichen, unerschütterlichen Hoffnung erging auch neulich die Stimme an alle Lehrer Israels: In dieser Wüste bahnet den Weg Gottes; in dieser Steppe ebenet eine Straße unserem Gotte. Jedes Thal erhebe sich und jeder Berg und Hügel senke sich, und es werde die Krümmung zur Ebene und die Höcker zum Thale. Und es wird offenbar die Herrlichkeit Gottes und scheuen wird sie alles Fleisch zumal, denn der Mund Gottes hat geredet. Und dieser Stimme gehorchten auch viele Lehrer in Israel, sie kamen aus den entferntesten Gegenden, keine Opfer und Mühen scheuend, um in dieser Absicht, in diesem heiligen Streben, in der Wüste den Weg Gottes zu bahnen, daß da wieder offenbar werde die Herrlichkeit Gottes und seiner heiligen Lehre. Ihr, m. L.! rathet gewiß von selbst, was ich hiermit meine, daß ich nemlich von der neulichst in Braunschweig stattgefundenen Rabbiueuversammlung, der auch ich beiwohnte, sprach. Ja! m. L.! ich wohnte dieser bei, ich fand mich im heiligsten Interesse unserer Religion hierzu innigst verpflichtet, und danke Gott, daß ich derselben beiwohnte und mich durch Nichts hiervon abhalten ließ. — Ihr habt schon öfters Gelegenheit gehabt, zu bemerken, daß ich von dieser Stätte herab, alles Wichtige, das Judenthum im