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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-10-20 · Heft 42 (20.10.1844) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 42 (20.10.1844)
Date
1844-10-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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der Wurzel ausgerottet, danach die Gebete eingerichtet, alle Fasttage mit Ausnahme des 2"', auch die überzähligen Feiertage, die Speise- und ähnlichen Verbote, die Trauer- und noch viele andre Gebräuche abgeschafft, dann waren seine Ausstellungen an den gegen Talmud und Messias gerichteten Thesen zum wenigsten in Luxemburg begründet, bis dahin aber möge er darüber schweigen. Unbegreiflich ist es auch, wie er erst die für die mosaische Religion behauptete Möglichkeit einer unbeschränkten Fortbildung bestreitet, und dann selbst, S. 62, den Satz aufstcllt: „Das Judenthum ist principialiter entschieden gegen jede menschliche Autorität, oder die irgend eines todten Buches. Das schriftliche Gesetz sollte nie ohne das mündliche, d. h. das in jeder Zeit fortgebildete und im Licht derselben aufgefaßte, gelten." Und woher weiß dieser dünkelhafte Rabbi, daß „nie Jemand von ihnen (Reformfreunden) den Talmud gelesen"? Wir z. B. haben in unserer Jugend stark Talmud getrieben. und so viel ist uns davon zum wenigsten in Erinnerung geblieben, daß wir dessen innere Einrichtung recht gut kennen- Wenn Hr. Hirsch den hiesigen Correspondenz-Artikeln in der Judenzeitung, im Orient rc., welche sammtlich aus einer und derselben Pfütze geflossen, Glauben beimißt, ihnen zum wenigsten nachspricht, der Reformverein habe sich „von vorn herein um alle Achtung gebracht", so dürfen wir anführen, wie in neuester Zeit ein unbetheiligter und unbefangener Mann, der nicht Philosoph, nicht Rabbine, ja, nicht einmal Jude ist, Hr. I. B. Friedreich*) sich über denselben ausspricht: „Es ist bekannt, daß die Formen des Judenthums von jener Zeit an, wo sich in ihnen die ersten höhern Religionsanschauungen eines neu entstehenden, sich selbst schaffenden Volkes kund geben, bis auf die jetzige Zeit unverändert geblieben sind. Es lag in der Natur der Sache, daß der Gründer des Judenthums zur Erreichung seiner Tendenz, der in Knechtschaft versunkenen Horde eine auf Monotheismus gegründete politische Selbstständigkeit zu verschaffen, seine Lehren in einer dem Standpunkte der damaligen geistigen Bildung angemessenen Sprache geben, und seine Vorschriften und Satzungen nach der politischen Tendenz, dem Klima, der Umgebung u. s. f. einrichten mußte; aber dennoch hat das heutige Judenthum, welchem von allen den damaligen Verhältnissen nichts weiter, als die religiöse Richtung *) Ueber die jüdische Beschneidung, AnSbach 1844, in der Einleitung. feines Stifters übrig geblieben ist, an seinen alten Formen festgehalten, bis erst in neuester Zeit der jüdische Reformverein die erste» Schritte zu einem großartigen Unternehmen gethan hat, welches in feinem Entwürfe so leicht begreiflich, in feiner Ausführung aber so äußerst schwierig erscheint. Das Unternehmen aber ist, wie gesagt, immer ein großartiges, denn es handelt sich hier einzig und allein darum, ein altes, durch Zweck seiner Entstehung und erhärtetes Herkommen sanctionirtes Gebäude deswegen zu stürzen, weil das jetzige Durchschauen und Erfassen des Planes des Gründers die Nothwendigkeit einer bessern Ausführung gegeben hat, und somit nur die reinen Resultate einer religiösen Aufklärung als Grundprinzipien geltend gemacht werden sollen. Welche andere Motive könnte man aber auch sonst diesem Unternehmen zu Grunde legen? Hoffen vielleicht die Juden, welche dem Reformverein huldigen, durch eine reinere Darstellung der Reformationsidee Bürger jener Staaten zu werden, in denen sie bis jetzt vergebens nach einer! Gleichheit der Rechte seufzen? Ich glaube kaum. Es ist die Emanzipationsfrage der Juden in unsrer Zeit, mit Ausnahme jener Staaten, wo man ohne weitere Diskussionen allen Unterthanen gleiche Rechte einraumte, bis zur Trivialität herabgesunken: Alles was man gegen die j Emancipation sagen konnte, wurde vielfältig widerlegt;! von Seite des Rechts, der Billigkeit und der Moral j wurden die Ansprüche durch wichtige Stimmen vergebens j unterstützt, und alle die bandereichen Abhandlungen für! die Emanzipation haben so viel als Nichts gefruchtet. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. (Personalzeichnungen aus der Braunschweiger Nabbinea- Versammlung.) (Schluß von Nr. 40.) Ich komme nun an die orthodoxe Parthei in der Versammlung; sie zählte nur drei Glieder; denn die schweigsamen welche ich Ihnen schon genannt, nemlich die Herren Sobernheim und Ben Israel kann ich doch eigentlich, da sie eben schwiegen und nicht sprachen, auch nicht mitzählen. Gern verweile ich aber noch in der Erinnerung bei dem Tüchtigsten jener Parthei, dem Land - Rabbine» Bodenheimer. Sein blasses Gesicht mit den tief liegenden Augen gab chm einen schwärmerischen ätherischen Ausdruck und machte ihn auch mir höchst interessant. Dieses Zntereffe wurde aber noch erhöht, als ich Bodenheimer reden hörte.

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