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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-10-20 · Heft 42 (20.10.1844) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 42 (20.10.1844)
Date
1844-10-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Gesinnungslosigkeit, keichtsmn, Taschenspielevei, Pnchlerei, Großsprecherei, Feigheit, vorlautes, renommirendes, unhaltbares, eitles Treiben," was er unter der Ueberschrist „die lügenhafte Reform" zusammenfaßt. Vom Verfasser des Aufsatzes über den hiesigen Reformverein in Nr. 5 u. 6 d. Bl. und Jahrgangs sagt er, daß derselbe „eben so feig, als der Redacteur der drei Artikel und von Verstand gekommen sei." Werden Sie es aber glauben, wenn ich versichre, daß alle diese Schimpfworte nicht dem Vereine an sich, sondern nur der Bezeichnung: Reform-Verein gelten, deren sich die Theilnehmer selbst nicht einmal bedient haben? Wir lesen auf S. 48, 49, „man hätte aber auch nur einen V ere i n gründen, man hatte sich darauf beschränken sollen. Alle die aufzufordern, welche sich dem bisherigen Codex, nicht aus Leichtsinn und Bequemlichkeit, sondern aus Gewissenhaftigkeit nicht unterwerfen, zu einem Verein zusammenzutreten, um die Männer kräftig zu unterstützen und die Bestrebungen, welche die neue Auffassung des Judenthums zu einem herrlichen Tempel aufzubauen bemüht und geeignet sind. Das wäre verständlich und deutlich gewesen; in allen Gemeinden und bei vielen Rabbinen hätte man auf große Unterstützung rechnen können und es wäre der Reformverein eine wirkliche Epoche machende That im Judenthum geworden." Sie begreifen es nicht, und meinen, das sei ja ungefähr, was der Reformverein beabsichtige, und dieser stimme in seinem Endzwecke mit dem Verfasser überein. Dabei übersehn Sie aber, daß ein Kerl, der speculirt, Ist wie ein Thier, auf dürrer Heide Von einem bösen Geist im Kreis herumgeführt, Und rings umher liegt schöne grüne Weide. Unser Verfasser ist wie Rüge, Bruno Bauer, Feuerbach u. a. ein Hegelscher Ableger, nur ein jüdischer, und possierlich genug, zugleich Rabbine, der, seine Sprache zu reden, das Judenin Hegel-, und sich in Zlegeltbum schlechterdings aufgehn läßt. Er kann es den hiesigen Reformfteunden nicht verzeihen, daß sie bei ihrem Unternehmen nicht Philosophen und nicht Rabbinen, eigentlich nicht Philosophorabbinen zugezogen haben. Wenn er, S. 56, sagt: „Es giebt keine angeborne Tugend; was angeboren ist, sind nur hie Anlagen, die Fähigkeiten; sie zu entwickeln und zu gebrauchen ist des Menschen Beruf. Die Tugenden der Geduld, der Sanftmuth, Bescheidenheit, bedürfen eben so sehr der stetigen Uebung, d. h. Arbeit, als jede andere Lugend," so muß er entweder bei sich nicht die geringste Anlage und Fähigkeit zu diesen Tugenden verspüren, oder von deren Uebungsweise eigenthümliche Begriffe haben. Er hat freilich auch sonst über eins und andres absonderliche Ansichten, die wir, und wohl die meisten mit uns, nicht theilen können, und wonach sich die prinzipielle Verschiedenheit zwischen ihm und uns als die zwischen Dichtung und Wahrheit, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Theorie und Praxis heraussteüt. Ihm ist der heutige „Staat nicht mehr und soll nicht mehr sein das Monopol der Beamten, sondern die bürgerliche Gesellschaft ist der wesentliche Inhalt des Staates." S. 66. „Diese Gesellschaft ist nun einmal die Macht der Zeit und alles strebt ihr zu. Wir sind und die Welt ist mit uns an die Schwelle der Zukunft angelangt, die die Propheten voraussahen," an die Messiaszelt nemlich, wo „jede staatliche Unterdrückung aufhören würde. Es giebt kein talmudisches Judenthum mehr, das nur der größte Unverstand das ttaditionelle nennen konnte. Kein gebildeter Rabbine betrachtet den Talmud als Autorität; was er über den Messias sagt, ist agadisch; nie und nimmer ward von den Juden ein leiblicher Messias erwartet. Die meisten der Rabbinen, welche Gutachten (an Trier- Adler Fuld) abgegeben, haben es der Welt längst bewiesen, daß sie eine gründliche Reform des Judenthums wünschen und herbeizuführen bestrebt sind; daß sie also den graß talmudischen Standpunkt hinter sich haben." Wer Zeit und Menschen, Staat und Religion, wie sie sind, so auffaßt, und dies nicht für ein Traumgesicht, sondern für eine Weltanschauung hält und ausgibt, dem kann man nur wünschen, daß er immer fortlebe in dieser Seeligkeit, welche er allein statuirt, („den Philosophen machen feine Erkenntniß und den Theologen seine Vorstellungen seelig", S. 25, wie wir andern armen Sünder uns der Seeligkeit theilhaftig machen können, scheint ihn nicht zu kümmern,) mit ihm streiten mögen Philosophen, wie Stein he im z. B. gethan, nicht wir. Er glaubt als Hellseher auf der Warte der Zeit zu stehn, mich feiner eigenen Worte bei einer andern Gelegenheit zu bedienen, er glaubt, „dem Schemuel war die Gabe der Prophezeiung, die Einsicht in das, was sich mit feinem Volke zutragen würde, beschieden," S. 34; uns gemahnt er wie ein Nachtwandler auf einer Dachrinne, wir werden uns hüten ihm zuzurufen. Wollte er uns jedoch recht bald anzeigen, daß er in feinem Sprengel alle Spuren des talmudisch - rabbinischen Judenthums verwischt, jede Erwartung eines leiblichen Messias mit

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