Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1844)
- Date
- 1844-10-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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möge und die religiöse Gleichgültigkeit unter den Studierenden und deren öfterer Abfall von der angestammten Religion wird nicht so oft an der Tagesordnung sein. Allerdings muß aber auch der in Rede stehende Unterricht den Bedürfnissen und der Fassungskraft der Studenten angemessen sein und in derBehandlungSweise desselben auf gleicher Höhe wie die übrigen Gegenstände der Gelehrtenschulen gehalten werden. Manchem Leser Ihres geschätzten Blattes dürfte die Mittheilung folgende in „Reventlow's Lehrbuche der Mnemotechnik", (Stuttgart und Tübingen, Cotta, 1843) enthaltene Anekdote nicht unangenehm sein: „Zln französischen Revolutionskriege ertheilte der Minister Schulenburg einem tauben schlesischen Juden den Auftrag, eine Lieferung von Hülsensrüchtrn für die damals am Rhein stehende preußische Armee herbeizuschaffen. Der durch seine Subtilitäten sowohl, als durch seinen Verstand bekannte Lazarus Neugaß aus Berlin befand sich eben auf Spekulation in Frankfurt a. M.; und kaum hatte er erfahren, daß sein Glaubensgenosse eine ziemlich vortheilhaste Lieferung erhalten habe, als er gleichfalls um eine ähnliche dem Minister anlag. „Ich habe jetzt nichts zu vergeben", antwortete dieser. „Euer Excrllenz, die gewaltiger und mächtiger als Gott selbst sind, können doch Alles, wenn Sie nur wollen." Im Laufe des Gesprächs wiederholte LazaruS die Phrase so oft, daß sie endlich dem Minister ausfiel, und er den Juden fragte, was er mit diesem dummen Geschwätze sagen wolle? „Was ich sagen will? daß Ew. Excrllenz dem tauben Juden Gehör gegeben haben, was ihm Gott versagt hat." Böhmen. Prag, im Oktober. (Corresp.) Es hält schwer etwas über die hiesigen Zustände zu berichten. Das Partkculaire hat zu wenig allgemeines Interesse, und das Allgemeine widersteht mir wie — »ch weiß wenig Lobenswerthes, und Tadelndes artet in Persönlichkeit aus. Bisher hat sich noch kein ordentlicher Mann um die Stelle des Vr. Sachs beworben. Sie möchten gern den Emdener Hirsch, oder zur Noth auch den vr. Frankfurter sich gefallen lassen, vielleicht kömmt zuletzt einer aus Lithauen. — Die offenen Briese des vr. Stern sind küssenöwerth, ich liebe diesen Mann von ganzem Herzen. Die Beurtheilung über das Gutachten des vr. Zunz siehet ganz so aus, als ob sie aus seiner Feder geflossen. Von ungefähr kam mir dieser Tage ein Merkchen zur Hand, das 1843 in Wien erschien, unter dem Titel pri/ von einem gewissen nV^Tlö mit mCDDH von mehreren Rabbineu versehen, 1 wissenschaftlichen Inhaltes, nemlich den Kalender, besonders 2112 OV betreffend, ein Muster von talmudischem Unsiu» in Rücksicht auf Exegese und Logik, seit langer Zeit hat mir nichts so viel zu lachen gemacht» wie dies köstliche Werk. Wenn ich einmal Zeit finde, gebe ich Ihne» einige Auszüge davon. Nur eines will ich Ihnen hier mittheilen, der gute Mann findet es in der Ordnung, daß, nachdem die ’EDTI so viel Zeit und Anstrengung den Wissenschaften widmete» unsere DODTI aber gar keine darauf verwende», sie dennoch in alle» Wissenschaften so sehr alles übertreffen, denn der das Alte kennt braucht das Neue kaum zu lernen. Ueberhaupt findet er alles menschliche Wissen, das nur auf Wahrnehmung unserer Sinne sich gründet, trügerisch. So die Astronomie der Alten (er nennt hauptsächlich Ptolomäus und Copernicus), die sich nur auf Wahrnehmungen durch Fernröhre, mithin auf das trügerischste unserer Sinne gründe; nur die Ueberlieferung der Geschichte von Erschaffung der Welt und die Kalenderrechnung die uns Gott durch Moses und von diesem durch pf {-|-n zu jn fT2 bis auf unsere Zeit offenbarte, ist einzig wahr u. s. w. Der jüdische Lehrer aus dem Laude. (Bon einem Lehrer im Großherzogthum Hessen). Gestatten sie mir, mein verehrter Herr Redakteur, daß ich mein Herz vor Ihnen ausschütte, und Ihnen schildere, wie eS uns armen Lehrern auf dem Lande geht, aber auch zugleich die Mittel andeute, und Ihrer Prüfung unterstelle, durch welche vielleicht unsere Lage verbessert werden kann. Zuvörderst ist eS die fast überall noch untergeordnete Stellung des Lehrers, die so viel Nebel erzeugt» und ihn in seinem bessern. Streben hemmet. Es ist wahrhaft traurig, wie der Lehrer besonders bei uns im Darmstädtischen, auf der einen Seite ganz von der Gemeinde abhängt, auf der ander» wieder zu selbstständig dasteht. Elfteres, indem es lediglich auf die Gemeinde ankömmt, ob sie ein sich bei ihr präsentirendes Subject miethen wolle» und indem sie auch befugt ist, den Lehren zu entlassen, wenn er sich das Geringste zu Schulden kommen läßt. Viele Stufen hoher als ein Johann ist demnach ein Lehrer bei uns nicht gestellt» wozu noch der Uebelstand kömmt, daß der Lehrer oft selbst nicht geistige Thätigkeit genug besitzt um der Gemeinde impoui ren zu können. Zu selbstständig steht der Lehrer wieder in seiner Schule dadurch, daß der auch die jüdische Schule beaufsichtigende Inspektor (der Oberschulrath, der Deka», der Pfarrer) ihn nur als ein Aebending betrachtet, und daher höchsteus alle 3 oder 4 Jahre einmal Examen bei ihm hält. — Derjenige Lehrer nur, der recht mit Paradepferden umzugehen weiß, kam»