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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-10-13 · Heft 41 (13.10.1844) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 41 (13.10.1844)
Date
1844-10-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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334 trefflich seinen Schülern das einpauken, was er im Examen behandeln will, wird aber doch eine Krone des Verdienstes sich hierbei erwerben. 9» der Gemeinde selbst hat der Lehrer wenig oder gar keine Geltung; eine Einrichtung von ihm getroffen, wird selten berücksichtigt, und hat nur dann erst bindende Kraft, wenn ein beschränkter Vorstand seinen Cvnsenz dazu verleiht. Mit dieser subordinirenden Stellung tritt nun noch der sogenannte Bacherbegriff in Verbindung. Der Lehrer ist nach ihm nicht mehr als ein von der Gemeinde besoldeter Dienstbote, als ein von den Geschenken der Einzelnen abhängiger Miethling; ein kriechend und schmeichelndes Subject; ein Wanderer an den Tischen Anderer, überhaupt eine Zielscheibe des Volkes. An vielen Orten ist der Lehrer sogar ein dienstbarer Geist, der in das benachbarte Städtchen geschickt wird, um hie und da Bestellungen zu machen, Termine zu halten rc. An andern sucht man auch den Führer der Jugend zum verderblichen Kartenspiel herbeizulocken, und läßt ihn dann das Stichblatt der Gesellschaft sein. Hat derselbe demnach ei« Leben, welches er oft mit jedem Tagelöhner vertauschen möchte, so wird das Maaß der Leiden voll, wenn seine religiösen Ansichten nicht mit denen der Gemeinde harmoniren. Fast überall sollen die Lehrer die Repräsentanten des Ceremoniendicnstes sein, und scheint es fast als läge der Gedanke im Hintergründe: „Wir (daS Volk) dürfen schon manchen Zaun einreißen, wenn nur Ihr die Lehrer fromm seid.« Schon bei der Uebernahme eines Amtes wird daher als Grundbedingung gefragt, ob der Lehrer auch dem streng ceremoniellen Leben in jeder Beziehung huldige. In der Schule nun hat die Kinder seiner orthodoxen Gemeindeglicder religiös nach ihrem Sinne zu bilden uud sie, trotz seiner besseren Ueberzeugung, nur mit dem Wüste der rabbinischen Lehren und ihren Sophismen bekannt zu machen. In der Synagoge ferner muß der besser» gesinnte Lehrer, wenn er zugleich Borbeter ist, trotz seiner musikalischen Bildung und seines vernünftigeren Geschmackes den hergebrachten Jargon beibehalten, und alle widersinnigen Observanzen mit Würde und dem Scheine der Heiligkeit begehen. Im äußeren Leben endlich muß der Lehrer, wenn er daS Vertrauen seiner Gemeinde nicht verlieren will, ganz nach dem Sinne derselben sich richten, und namentlich bei Ausübung der Eeremonialsatzungen stets als Muster in den Augen des Volkes dastehen, und so, gleich dem Schauspieler auf der Bühne, stets eine MaSke vorthun, um nicht in seiner wahren Gestalt gesehen zu werden. Endlich ist es auch der große Abstand zwischen der geistigen Bildung des Volkes und des Lehrers, welches dem Letzteren seine Stellung ungemein verleidet. Der Alten, welche kaum ihren Namen schreiben könnnen, nicht zu gedenken, so sind auch die, nur im mittelmäßigen Schulen gebildeten jüngeren Leute noch so von sich eingenommen, daß wir keinem rathen möchten, ihren verkehrten Behauptungen zu widersprechen. Wahrhaft zu bejammern ist aber die schiefe Richtung, welche die sogenannten Fräulein auf dem Lande ihrem Geiste geben. Ein Romänchen zu lesen, ist das Höchste, was sie zu erstreben sich bemühen, zuweilen blättern sie auch einmal in einem guten Schriftsteller, den sie aber nicht verstehen. Sollten auch einmal „Schillers dramatische Werke« von einer so hochgebildeten Dame gelesen werden, so hat sie in ihrer Meinung den Culminationspunkt aller'Bildung erreicht. Und nun höre man die seichten Urtheile solcher Achtelöwisserin, wenn sie sich in Gespräche über Literatur verwickeln, ihre Ansichten über die Tagesbegebenheitcn aussprechen, oder gar über schwierigere Werke, z. B. über Mendelsohn'S Phädon, ihr Urtheil abgeben. Wahrlich es gehört eine himmlische Geduld dazu, nicht auf und davon zu laufen. Ueberall also, wohin der Lehrer in seiner Gemeinde sich wendet, sieht er Flachheit oder vielmehr eine Glanzwichse, die sich sehr leicht verwischt. Und nun betrachte man die sonstige Stellung des Bildners der Jugend; nicht allein, daß ihm der Umgang mit Gebildeten abgeht, man höre auch und erstaune, wie das Volk den Lehrer beurtheilt. Hier mischen sie sich in Angelegenheiten der Erziehung, wovon sic wenig oder gar nichts verstehen, allenfalls die Oertlichkeiten zu erlauern, an welchen die Kinder die meisten Stockprügcl ertragen können; dort sprechen sie über Unterricht, und geben sich den Anschein von Sachverständigen. (Schluß folgt.) Bekanntmachung. Im Verlage der Unterzeichneten ist so eben erschienen und durch F. Schuster in Hersfeld und Homberg zu beziehen: Die BeschrreiLrrrrg. Historisch und medizinisch beleuchtet Dr. M. G. Salomo n. 8. geh. fein Velinpap. Preis: 20 Sgr. Protocolle der ersten Rabvin eir-Versammlung, abgehalten zu Braunschweig vom 12. bis 19. Juni 1844. 8. geh. fein Velinpap. Preis: 20 Sgr. Friedrich Vieweg und Sohn. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.

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