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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-10-13 · Heft 41 (13.10.1844) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 41 (13.10.1844)
Date
1844-10-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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332 Interesse selbst bei fernstehenden Lesern zu erhalten. Vor allem aber besitzt er den sittlichen Ernst und die Heiligkeit der Gesinuuvg, die sich selbst durch Zugeständnisse und Vortheile für die eigne Sache nicht bestimmen läßt, dem Principe für das man eiusteht, zu nahe zu treten, und die ihm zum unbestechlichsten und geachtetsteu Anwalt unserer Angelegenheit macht. D. Hn. B a i e r n. Aus Rheinbaiern. (Corresp.) Die neue Schrift von Ghilljany hat auch bei uns gerechte Entrüstung hervorgerufen. Es ist unerhört, wir ein Mann, der die Ansichten der heutigen Juden auch nicht im mindesten zu kennen scheint, sich doch nicht eutblödet, auf einige Aeußerungen in ihren alten Schriften hin, sie dergestalt sittlich und religiös zu verdächtigen. Aber mit einer gewissen Beschämung habe ich doch folgende Stelle gelesen: *Wie kann eine Religion, welche seit zwei Jahrtausenden keine Fortbildung und Verbesserung zugelassen hat, welche noch Gebräuche in sich trägt, die sich aus der tiefsten Barbarei des orientalischen Alterthums herauf geerbt haben, wie kann sie hintreten vor den humanen und gebildeten Geist dieses Jahrhunderts und die Erklärung der Ebenbürtigkeit verlangen? Würden Sie es glauben, meine Herren, daß der Jude noch heutzutage, mitten in den civilisirtesten Ländern Europas für die Wiedereinführung der blutigen Opfer betet?*) Würden Sie es glauben, daß er nach seiner altorientalischen Geringschätzung des Weibes, noch heutzutage in seinem Gebete Gott dankt, daß er ihn zum Manne und «icht zum Weibe geschaffen habe?**) Kann es einen unnützer» und barbarischeren Gebrauch geben, als die Beschneidung? Sieht man sich nicht in die alten Zeiten der Menschenopfer zurückversetzt, wenn bei dieser Ceremonie der Rabbiner (soll heißen: Beschneider) den Mund voll Wein nimmt, und das warme Menscheublut aus der Wunde saugt?" Können wir leugnen, daß solche Stellen noch in unseren Gebeten Vorkommen? Sie werden aber von Niemandem mehr geglaubt! Wahr! Aber um so ta- *) "Zeige Wohlgefallen, o Gott unser Herr, an deinem Volke Israel und dessen Gebet, führe den Opferdienst wieder ein in den Chor deines Tempels." (Israelitisches Gebetbuch, geordnet von Heidenheim. Fürth, 1840. S. 71.) — „Einen neuen Altar wirst du einst in Zion aufrichteu, worauf wir die Ganzopfer für jeden ersten Tag des Monats werden aufsteigen lassen, die Ziegenböcke wohlgefällig zuzubereiten." (Ebendas. S. 281.) In allen Gebeten werden heutzutage noch die Opferthiere aufgezählt, welche das mosaische Gesetz für diesen Tag des Gebetes vorschreibt. **) „Gebeuedeit seist du Gott, unser Herr, Weltregeut, der mich nicht zum Weibe geschaffen.« (Morgengebet, S. 9.) (Anmerk. des Verf.) delnswerther, um so frivoler, möchte ich sagen, daß wir uns nicht schämen, vor Gott Dinge auszusprechen, an welche wir selbst auch nicht im Entferntesten mehr glauben. Aus Baiern, im September. (Corresp.) Bisher mußten die israelitischen Schullehrlinge (Schulpräparanden) in Baiern, wenn sie die nach 3 jähriger Vorbereitungszeit stattfindende Aufnahmsprüfung in's Seminar mit Erfolg bestanden, das Schullehrerseminar ihres Kreises besuchen und konnten demnach zu Altorf, Dillingen, Bamberg, Freising, Eichstädt, Kaiserslautern, Landshut und Würzburg ausgenommen werden. Da aber in mehreren dieser Städte keine Juden wohnen, und so den Seminaristen daselbst der Besuch eines ihren religiösen Bedürfnisse» angemessenen Gottesdienstes, das Leben nach jüdischen Satzungen überhaupt, und besonders die Vorbereitung in den hebräischen Gegenständen erschwert, wenn nicht unmöglich wurde, so bestimmte kürzlich eine allerhöchste Verordnung, daß die Präparanden fortan nur ihre Bildungsanstalten zu Bamberg, Kaiserslautern, Schwabach und Würzburg besuchen dürfen. Auch sind sie dann angehalten, während die christlichen Seminaristen Religionsunterricht erhalten, denselben in der Behausung des Stadtrabbinen nach ihrem Bekenntnisse zu nehmen; eine Bestimmung, die sehr fegenreich ist und einem tief empfundenen Bedürfnisse abhilft. — Ueberhaupt thut die baierische Regierung sehr viel für die Bildung der jüdischen Lehrer, und diese schreiten auch wacker fort. Seit einigen Jahren schon äußerte sich der Regierungsrath und Schulreferent Schürer bei den Anstellungsprüfungen, die nach dem dritten Jahre des Austrittes aus dem Seminare abgehalten werden, sehr lobend über die Leistungen der jüdischen Schuldienstexspektanten, — wie die Lehrer in Baiern vor ihrer definitiven Anstellung genannt werden, — und vor einem Jahre erhielt Lehrer Hecht wegen seiner Arbeit über die Landwirthschast vom Universitätsprofessor vr. Geier ein seidenes Band als ehrendes Geschenk, was außer ihm keinem der anwesenden 51 christlichen Prüflinge gegeben wurde, ein Beweis, daß auch in Baiern einzelne Blüthen der Humanität sich zeigen. — Auch die Studenten der lateinischen Schulen und des Gymnasiums im baierischen Kreise Unterfranken erhalten von dem betreffenden Stadtrabbinen Unterricht in der israelitischen Religion. Die Gymnasiasten in Schweinfurt, wo kein Rabbine ist, erhalten solchen vom Herrn Districtsrabbinen Lebrecht in Niederwerrn. Daß auch diese Verordnung von dem edlen Streben unserer Regierung für die religiöse Erziehung der jüdischen Jugend zeugt, wird eben so wenig in Abrede gestellt werdm können, als sie höchst nothwendig war, und sehr zu wünschen ist, daß ein Gleiches auch in den Staate» außer Baiern geschehen

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