Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1844)
- Date
- 1844-10-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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331 bewirkt, daß die früher fast leere Synagoge gewöhnlich überfüllt ist, allein blos mit Gottlosen,' die Gottesfürchtigen haben sich in die Nebenschulen zurückgezogen, wo vorerst noch alles beim Alten geblieben ist. Ob es noch lange dabei bleiben wird, ist sehr die Frage, da ein und derselbe Ort auch eine und dieselbe Lithurgie durchweg haben muß. Hr. Stein hatte für Reformen im Gottesdienst vorgeschlagen, welche der Gemeinde-Vorstand nicht durchgängig genehmigte. Es sehn nemlich auch hier wie allenthalben die Gemeinde - Vorstände mehr auf Aeußerlichkeiten, und haben nicht den Muth sich für gründlichere Reformen auszusprechen, um es nicht gradezu mit einem Theile der Gemeinde zu verderben. Man sollte freilich denken, ein Vorstand brauche nicht altgläubiger zu sein als der Rabbine, allein wenn man sonst zu sagen pflegte, wem Gott ein Amt giebt, dem giebt er auch Verstand, so heißt cs jetzt, wem Gott ein Amt giebt, aus dem macht er gleich einen Diplomaten. — Herr vr. Zunz, welcher auf einer Vergnügungsreise, unsre Stadt beehrte, hatte sich einer besonders freundlichen Ausnahme von Seiten des alten Rothschild zu erfreuen, welcher geäußert haben soll, eS sei noch etwas aus ihm zu machen. Sonst gieng er nur mit älteren Bekannten, insbesondre mit Hrn. vr. Jost, um. Die hiesigeAtmosphäre scheint ihm nicht zuzusagen, sie enthält zu viel Reformstoff. Großherzogthum Oldenburg. Von der untern Weser. (Schluß von Nr. 40.) Gegen diese schroffe und unmotivirte Inkonsequenz erhob sich nun eine andere Stimme in den daselbst erscheinenden «,Blätter für Stadt und Land". Eswurde zu erweisen gesucht, daß wenn schon bestehende Ehen zwischen Juden und Christen Gültigkeit haben, dem Staate kein Recht zukomme, d e Eingehung solcher Ehen durchaus zu verbieten, daß es wiederum nach Proselytenmacherei rieche, wenn man behauptet, wo ein Jude eine Christin, oder ein Christ eine Jüdin heirathen wolle, da sei ein Verbot kein Zwang, weil — der jüdische Theil sich taufen lassen könne. Es wurden überhaupt solche, durch äußere Mittel und Umstände erzielten Taufen auf ihren wahren Werth reducirt und daher verlangt, daß der Staat seine Hand entweder ganz aus dem Spiele lasse, oder doch höchstens das Eingehen solcher Ehen überwache und an gewisse Formen binde, nicht aber ganz verbiete und auch uicht die Erziehung der Kinder in jüdischer Religion untersage. Eine Entgegnung ist bis jetzt uicht erfolgt. Sie sehen übrigens aus diesem Streite wieder, wie weit in der Anerkennung des Judenthums der Weg von einer aufgeklärten, vorurtheilSlosen Theorie zu einer, derselben adäquaten Praxis ist. Gesteht man uns auch alle Gründe der Anerkennung zu, läßt man uns in nnserm Glauben auch gläubig und selig und — vernünftig werden, so heißt es dann doch zum Schluffe wieder; aber bürgerlich frei und gleichberechtigt nicht. Wir aber wollen nicht aufhören, nach dieser Krone des irdischen Seins z» ringen und darum nicht ermüden, hinwegzuräumen, was die freie Entfaltung des Judenthums auf seinem eigenen religiösen Gebiete bisher aufgehalten hat. — Preußen. Berlin, im September. (Corresp.) Karl Streckfuß ist nun todt, und die Sache der Juden hat einen jener Wenigen verloren, die mit männlicher Redlichkeit ihre Ueberzeugungen und Ansichten über eine große Zeitfrage von den Ereignissen berichtigen und verbessern lassen, und die ihre alten Vorurtheile wie ein durchlöchertes Gewand von sich abwersen, sobald man ihnen die Blößen ihres Geistes in denselben aufgedeckt hat. Rieß er war einer derjenigen gewesen, die den ersten Streckfuß gewissermaßen todtgeschlagen, aus dessen Asche sich der Zweite belehrt und veredelt erhob; und der Emancipationskampf, dessen Feldherr seitdem Rießer geworden, ist ihm ein so heiliger, das politische Resultat, welches er erstrebt, ist für ihn von der sittlichen Idee so sehr überragt, daß eS ihm nicht genügt einen Gegner besiegt und zum Bundesgenossen gemacht zu haben, sondern daß er den Motiven dieses Uebertritts mit Schärfe nachspürt und das günstige Votum nicht annimmt, ohne das Princip, von dem es getragen erscheint, in seinen einzelnen Momenten zu prüfen und zu berichtigen. Wir haben bei dem hier Gesagten die neue Brochüre von Rießer, betitelt: »Bemerkungen über die zweite Schrift des Hrn. Geheimen Ober-Negierungsrath Streckfuß über das Verhältuiß der Juden zu den christlichen Staaten", vor Augen, auf deren Inhalt wir nicht näher eingehen, weil wir hier nur auf dieselbe aufmerksam machen, und den Eindruck des Ganze» nicht durch ein dürftiges Referat zerstückeln wollen. Man wird hier nicht bloß die neuen Gesichtspunkte, aus denen die Judenfrage besprochen wird, bewundern, sondern vielmehr noch die Art wie die alten erweitert werden und das schon so oft Dagewesene in eine neue glänzende Beleuchtung gestellt wird. Rießer hat alle jene Eigenschaften, die man als Rüstungen im Kamps gegen ein eingewurzeltes Uebel unerläßlich nothwendig braucht. Er hat die Unermüdlichkeit und den Muth, eine Wahrheit, und wäre sie schon tausendmal bewiesen, doch noch einmal zu beweisen wen» sie bezweifelt wird-; ein Vorurtheil, und wäre es tausendmal widerlegt, doch noch einmal zu widerlegen, wenn es wieder auftaucht; er hat aber auch das große Talent, dies stets eigenthümlich ynd mit neuem Feuer der Begeisterung zu thun, und so einer Frage, die wegen ihrer Langwierigkeit, Vielen auch wobl langwt''!?2 erscheinen mag. rin stets lebendiges n'-d wn-r.rs