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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-10-06 · Heft 40 (6.10.1844) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 40 (6.10.1844)
Date
1844-10-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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hm ist es also doch durch die Influenz der Wissenschaft gekommen, daß man nicht von Seite der Rationalisten, zu welchen vr. Böckel zu zählen ist, wie früherhiu unsere Bekenntnißschristcn der Kritik unbedenklich Preis gibt, daß man endlich merkt, das Damoklesschwert sei, einmal aus der Scheide, über beide gezückt —Er räumt noch mehr ein. Er spricht nicht nur das Judenthum von aller Tendenz zur Proselytenmachern frei, sondern gesteht auch zu, daß die Propheten, «rbie Gotteslehre und Gottesverehrung rein theokratisch und messianisch aufgefaßt hätten.« »Wären die Christen christlicher — schließt er — so gäbe es vielleicht keine auf das alte Testament beschränkten Juden mehr« (sic.). Dennoch protestirt der hochgestellte Mann — und vielleicht weil als solcher — am Ende gegen die Folgerung, die man aus seinen Ansichten herleiten möchte, daß vom Staate christlichen und jüdischen Unterthanen erlaubt werden solle, sich untereinander zu verheirathen. (Schluß folgt.) Prag im September. Von Arad angekommene Briefe bringen folgende Trauer-Botschaft: »Entrissen durch den Tod wurde dem trauernden Israel das letzte Glied der segensreichen Mendelsohnschen Schule. Mit acht patriarchalischer Ergebung in den göttlichen Willen, und mit zufriedenem Rückblick auf sein zmückgelegteS tugendhaftes Leben verschied am 24. August nach einem Monate langen schmerzhaftem Krankenlager, Herr Ahrou Chorin, Oberrabbine in Arad, beweint von seiner Gemeinde, für die er so viel Gutes bewirkte, geliebt und bedauert von allen, die ihn gekannt haben. Bei Beerdigung seiner Leiche am 26. folgten der Bahre, außer seiner Gemeinde, die Geistlichkeit aller Consessionen und Hunderte von Honoratioren der Umgegend. Seinen Eifer für Wahrheit und für das Wohl seiner Glaubensgenossen, denen er eine opfervolle 55 jährige Thätigkeit widmete, und wovon er ein schwaches Bild in seinem E^lpi m\{y> entwarf, beschloß er mit dem nachstehenden Bekenntniß: Oeffentliche Erklärung und Aufforderung. Leider hindert mich ein mehrwöchentliches schmerzliches Krankenlager an den Interessen meiner Glaubensgenossen thätigen Antheil zu nehmen, und meinem Berufe gemäß, die Fragen der Zeit, soweit sie unsere Religion angehen, nach Pflicht und Gewissen zu beantworten. Das Einzige waS in meinen Schmerz lindernden Balsam träufelt und mich in meinen schweren Leiden tröstet, ist, daß Israel an meinen jüngern Amtsbrüdern fowvl nach Außen kräftige Vertheidiger, als nach Innen begeisterte Lehrer findet, die unsere heilige Religion mit dem düsteren Stempel des starren Stabilismus nicht brandmarken, sondern vielmehr in der Idee des Talmuds, folgend dm weisen Grundsätzen eines MaimonideS den Möglr'chkeitSgmud eines immerwährende» Fortschreitms und FortbildenS finden wollen und finden müssen. Ich sehe in ihre» Lehren Grundsätze ausgesprochen, die ich während meiner 55 jährigen Amtsführung in Wort und Schrift stets vertheidiget und ich preise die Gnade Gottes die mich es hat erleben lassm, hier die Resultate theologischer Forschungm einer auS 24 geistlichen Autoritäten bestehende» Rabbinenversammlung der Oeffentlichkett mittheilen, und dazu meine Beistimmung, die als der Ausspruch eines 79 jährige» bereits am Rande des Grabes stehmden Greises, doch keine geheuchelte sein wird, feierlich geben zu können. Eine genauere AuSeinandersezzung einiger zeitgemäßen theologischen Fragen, vorzüglich aber über die Zulässigkeit von Reformen in Cultus und in Ceremonialen, und die Unstatthaftigkeit des Glaubens an die Gründung eines israelitischen Reiches, habe ich in meinem der Königlichen Censur gerade vorliegenden Werkchen Schaar« Zedek bereits unternommen. Neukalden im August. Das Schweriner Abendblatt be richtes Folgendes: »Am 7. August beging die jüdische Gemeinde aus eine wahrhaft erhebende Weise die Einweihungsseier ihrer neuen Synagoge, welche, verbunden mit vier Wohnungen für jüdische und christliche Arme, die hier geborenen und jetzt in Hamburg und Altona wohnenden Gebrüder Saalfeld ihren verstorbenen Eltern zu Ehren erbauen ließen, und dies führte nicht nur aus den nahe-, sondern selbst fünf bis sechs Meilen fernliegenden Oertern so viele Fremde herbei, wie unser Städtchen zu einer Zeit gewiß noch nie in seinen Mauern gesehen hat. Vormittags 40 Uhr begab sich die Menge nach dem, in edlem Styl erbauten, geschmackvoll ausgestatteten und äußerst zweckmäßig eingerichteten neuen Gotteshause. Hier harrte sie des aus dem Landesrabbinen Herrn vr. Holdheim, den Gründern der Synagoge, den Magistratspersonen der Stadt und dem Herrn vr. Kley ans Hamburg bestehenden Zuges, der, aus der alten Synagoge die heiligen Gesetzrollcn (Pentateuch) holend, um 10^ Uhr eintraf. Kaum hatte derselbe die Vestibüle des neuen Tempels betreten, so begann eine Vocalmusik mit den Versen Jes. 26, 2 und Ps. 5, 8; alsdann folgte, unter Absingung des hierzu catechetifch mitgetheilten 15. Pfalmes, der siebenmalige Umzug mit den Gesetzrollen und demnächst ein deutsches Lied, das von einem Männerchore, unter Begleitung von BlaS- und Saiteninstrumenten, trefflich ausgcführt wurde. Hierauf hielt Hr. vr. Holdheim eine, wie wir von demselben nicht anders zu erwarten berechtigt sind, sehr passende und gediegene Rede über Ps. 84, 2 — 4, die sich über die hohe Bedeutting und den Segen

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