Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1844)
- Date
- 1844-10-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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des Gotteshauses verbreitete, und in ergreifenden Worten das edle, durch Kindesliebe hervorgerufrne Werk der hochherzigen Md als Muster des WolthätigkeitSsinneS allbekannten Erbauer der Synagoge, ohne deren Bescheidenheit zu nahe zu treten, hervorhob. Wir werden den erhebenden Eindruck nie vergessen, den diese solenne Feier augenscheinlich auf alle Anwesenden hervorgebracht, und MM, außer der Predigt, besonders der deutsche, von Musik begleitete Gesang dazu bcigetragen, so haben wir, wie schon öfters bei ähnlichen Gelegenheiten, hier wiederum die Erfahrung gauacht, daß, mag auch die im vorigen Jahre eingeführte, Allerhöchst genehmigte ,/Synagogen-Ordnung« die äußere Ordnung beim Gottesdienste noch so dringend zur Pflicht gemacht und emen großen Theil des Störenden, die Andacht Tödtenden und die Würde des Gotteshauses Verletzenden entfernt haben, — der heilige Zweck der öffentlichen Gottesverehrung durchaus nicht erreicht werden kann, so lange die fast Allen unverständliche hebräische Sprache beibehalten wird und Gebete vorgetragen werden, die, einer untcrgegangenen, trüben Zeit angehörend, mit dem religiösen Bewußtsein und der Bildungsstufe der heutigen Israeliten im grellsten Widerspruche stehen. Wir werden dem Oberrathe die Nichtbeachtung dieser wichtigen Punkte nimmer verzeihen, und gestehen offenherzig, daß wir von einem Vereine wissenschaftlich gebildeter und mit den Bedürfnissen der Gegenwart vertrauter Männer eine ganz andere Synagogen-Ordnung erwartet und nicht geglaubt hätten, daß man sich von dem Einrede blinder Zeloten irre machen lassen würde, die, um den Schein der Frömmigkeit zu retten, kein Jota von dem Alten, sich längst Ueberlebten und sogar den Principien der mosaischen Religion Widersprechenden fahren lassen wollen und, um der Erreichung ihres Zweckes gewiß zu sein, ihre Opposition gegen das Bessere in den Mantel der Gewissensunruhe hüllen. Roch ist eS Zeit, das Versäumte nachzuholen. (Ist eS auch nicht zu bezweifeln, daß die gottesdienstliche Reform in dem Umfange, wie sie der Corresp. des Schweriner Abendblattes will, zur Zeit im Großherzogthume Schwerin nicht ausführbar ist, so gibt doch die Aeußerung desselben den evidentesten Beweis ab, daß Holdheim in seinen Reformen mit wahrer Milde und Schonung der Gewissen zu Werke gegangen, und daß die sehr geringe Opposition nur eine vom Auslande angestachelte ist. Red. des Israeliten.) Frankfurt a. M. (Corresp.) Was Sie über das Pri. vilegium hinsichtlich der Annahme und Unterzeichnung der Wechsel am Sabbat gesagt, ist hier verschieden beurtheilt worden. — Sie dürfen sich darüber nicht wundern, wenn Sie bedenken, daß unsere Zeit, mit einer fast jungfräulichen Schaam alle Frage» die nur im Entferntesten die Gewissensfreiheit berühren, behandelt. Und doch kann hier vernünftiger Weise von einem Eingriffe in eine solche keine Rede sein. Es soll ja den Starrorthodoxe» nicht angesonnen werden, am Samstag zu zahlen, oder zu schreiben, sondern ihrem frommen Sinn nur zugemuthet werden, sich die Opfer, oder vielmehr die xene, welche für sie aus der Nichtacceptation, oder Nichtzahlung entstehen, gefallen zu lassen; und wenn sie wirklich ernstlich fromm wären, so ernstlich fromm, als die früheren Alten, so schlügen sie auch keinen Lärm darüber, sondern ließen sich gern einen etwaigen Verlust zur Wahrung ihres Glaubens, zur Ehre Gottes gefallen. Allein sie sind nicht ernstlich fromm, die Frömmigkeit ist bei ihnen mehr nur Partheigeschrei und darum ertönt cs so laut, so unbescheiden. — Meinem Bischen Menschenverstand will es auch gar nicht einleuchten, warum der Staat immer nur auf die Genirtheit der Rabbaniten Rücksicht nehmen soll, und nicht auch auf das Interesse der Aufgeklärten, warum er jener scrupulöses Gewissen respectieren soll, und nicht auch das Gewissen, das sittliche Interesse, die heilige Ehrensache der Vernünftigen. Das Beste, was er allenfalls hier thun könnte, wäre, wenn er jenes Privilegium so faßte: Es sollen diejenigen, welche die Annahme und Zahlung der Wechsel am Sabbat und den Festen mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, davon verschont bleiben. *) Hierdurch wird doch wenigstens nicht der Schein von Separatismus und religiöser Engherzigkeit aus die Gemeinde geworfen. ££ Frankfurt a. M. (Corresp.) Es erweist sich als eine gutmüthige Erfindung, daß die HH. v. Rothschild die früher zum hiesigen Spnagogenbau vertragsmäßig versprochene und alsdann zurückgenommene Summe von 150,000 Fl. zu einem anderweitigen wollhätigen Zwecke zu verwenden beabsichtigen. Das Geld wird nicht aufhören, dem großen Banquierhause gute Zinsen zu tragen. Crefeld. (Corresp.) Mit der Berufung des Rabbinen Bodenheimer freuen sich auch die wenigen Aufgeklärten in unferm Kreise. Ein entschiedener Anhänger des Fortschrittes paßt nun einmal nicht in die hiesige Atmosphäre und da ist es immer ein Glück, daß man einen Ehrenmann, einen Rabbinen von Gesinnung und Charakter gewählt, der zwar nur in einem beschränkten Kreise den Fortschritt will, aber ihn doch will, ihn mit Ernst und Energie erstreben wird, und darum auch mit göttlicher Hülfe die noch so tief stehenden Gemeinden unseres Bezirkes weiter bringen wird. *) Dieser Vorschlag hat auch ganz unseren Beifall. Red. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.