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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-10-06 · Heft 40 (6.10.1844) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 40 (6.10.1844)
Date
1844-10-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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uvd Prmcipien der Regierung läßt sich für die Entwickelung der religiösen Verhältnisse, trotz der sich geltend machenden Reaktionen, nur Gedeihliches hoffen.. X. Beschichte -es Tages. (Perfonalzeichnuugen aus der Brauuschweiger Rabbineu- Versammlung.) (Fortsetzung von Nr. 39.) Den Laudrabbinen Wechsler aus Oldenburg konnte ich nicht genügend beobachten, da er wegen Unwolsriv erst spat angekommeu war. Er sah »och leidend aus, nahm aber gleich durch die Würde, Ruhe und Besonnenheit, die sein äußeres Wesen verrieth, für sich ein, und diese Eigenschaften zeigte er auch in der Versammlung. Für sich ganz der fortschreitenden Richtung angehöread, protestirte er doch gegen die Ausführung solcher Anträge, die ihm noch nicht zeitgemäß erschienen, wiewol er in dieser Beziehuug mir allzubedenklich erschien. Einen Gegensatz von Wechsler bildete der Oberrabbine Cahn auS Trier. Das ist ganz eine süddeutsche Natur, voll Wahrheit und Biederkeit, immer frisch heraus mit dem, was ihm auf dem Herze» liegt. Er stieß Anfangs durch einige nicht zart genug gehaltene Angriffe auf unzeitgemäße Einrichtungen an, ja mochte bei Mauchen den Verdacht einer an Frivolität grenzenden GemüchSrichtung erwecken; doch versöhnte er Alle bald mit sich wieder, alS er länger sprach, und ein tiefer Ernst und eine lebendige Begeisterung für das Judenthum aus seiner Rede leuchteten. Zwischen diesen beiden Herren möchte ich den Landrabbinen Herzfeld in Braunschweig stellen. Mit norddeutscher Ruhe, Abgemeffenheit und Courtoisie verband er doch Entschiedenheit und eine gewisse Wärme, wenn es der Sache des Fortschritts galt. Er hat sich in der Versammlung viel freisinniger geäußert, als ich »ach seiner veröffentlichten Ein!"]'von ihm erwartet hatte. Hie und da tauchte aber doch einmal eine rabbinisch-verschrobene Ansicht auf. Ich sagte mir, der Rabbinismus kann »nn einmal zu spuken nicht aufhören; und wer einmal in früher Jugend sich ihm ergeben, der wird ihn auch später, trotz aller philosophischen Bildung, nicht los. — Ich habe das auch an einem andern Mitgliede, an dem Prediger Jolowitz aus Marienwerder bemerkt. Der trat nun zwar ganz frei, ganz entfesselt non der verschrobeuen rabbipischen Anschauung auf. Aber mich ärgerte doch ungemein seine kecke Manier und sein ewiges selbstgefälliges Lächeln. Ich entschuldigte ihn jedoch, als ich hörte, daß er, ei» Pole von Geburt, ftüher ein sehr eifrig Beflissener des Talmudpudiums gewesen. Entweder, sagte ich mir alsdann, rührt fei» selbstgefälliges Lächeln und feine unerquickliche Ironie von dem Rabbinenchum her, das eineu hohen Grad von Selbstgefälligkeit haben mußte, weil es sonst schwerlich den besseren Ideen der Zeit Jahrhunderte lang hätte widerstreben können; oder sie rührt von seiner späteren Aufklärung her, die keinen Augenblick sich deS Lächelns über ftühere Thorheiten enthalten kann. Die beiden Brüder Adler, der eine Rabbine in Alzei, und der andere Prediger in Worms, waren interessant durch ihr tragisches Wesen; sie müssen nemlich bei dem Standpunkt ihrer Gemeinden am öftersten und am schmerzlichsten in Eollision mit ihren bessern Ansichten, eine Fatalität für alle höher strebende Rabbinen der Gegenwart, gerathen, und stellten diese auch bei mehreren Gelegenheiten in der Versammlung mit tief ergreifenden Worten dar. — Aehnliches leistete ei» sonst wenig regsames Mitglied, der Landrabbine Herxheimer aus Bernburg; er machte nemlich, was ihm als denkenden und praktischen Schulmann am öftersten Vorkommen mußte, aus die vielen Collisionen aufmerksam, die der Rabbinismus mit der fortgeschrittenen Erziehung und Bildung der Jugend hervorrief. — Regsamer war der Prediger vr. Klein aus Stolpe, aber er schien in seinen Ansichten hin nnd her zu schwanken, und wirkte daher nur wenig. — Zu den sehr schweigsamen Mitgliedern der Versammlung, über die sich daher auch eine Charakteristik nicht wol geben läßt, gehörten aber der Rabbine Sobernheim und die Prediger Ben Israel, Edler und Heidenheim. Letzterer zeigte sich noch in dem Wenigen, was er sprach, als ein sehr gläubiger Jünger von Philippson, und errinnerte mich an jenen Deputirten, der da immer sagte: ich stimme ganz wie der Hr. Präsident, auch zu der Zeit, wo der Präsident gar nicht anwesend war. — Damit auch ein anderes geistliches, wenn auch in der Rabbinenwelt nur selten vorkommendes Element, das feiste und behagliche, der Braunschweiger Versammlung nicht fehle, hattm der vr. Sachs aus Glogau und der herzoglich meiningsche Landrabbine Hofmann sich eingefunden. Ersterer schien wirklich sich nie sehr im Denken angestrengt zu haben, ja soll, wie der Orient meldet, weder Prediger noch Rabbine sein; von dem Letzteren aber, dem man nachsagt, er habe nicht weiter etwas von sich hören lassen, als daß er einmal *3a* gesagt, that mir dieses leid, da ich ihn als einen recht wissenschaftlich gebildeten und klaren Kopf kenne, und das orthodoxe Publikum, mit welchem er wegen jener Schreibgeschichte es verdorben, seine Freude darüber zu haben schien, daß er in der Versammlung sich so schweigsam bewies. (Schluß folgt.) Von der untern Weser, den 7. Sept. Es gehört einiger Muth dazu, von den jüdisch-religiösen Verhältnissen der hiesigen Gegend etwas berichten zu wollen, und erst jetzt, nachdem ich

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