Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1844)
- Date
- 1844-09-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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31V hervor : »Da man jedoch den Inhalt der Predigt sowol in religiöser alS politischer Beziehung sehr aufregend fand, verweigerte man das diesseitige placet (etwa regiura?!), indem man die Gründe hiefür, wie man solche in Abschrift beiznlegen die Ehre hat, unter diese Predigt setzte. Stud. Friedländer wählte newlich zum Text seiner Predigt Jer. 46, 3, »Bereitet Schild und Tartsche und ziehet aus zum Kriege« woran er die Aufforderung knüpfte, sowol für Freiheit und Gleichstellung, als für radicale Reformen im Kirchlichen unablässig zu kämpfen, wobei er eine außerordentliche Lobrede der sogenannten Braunschweiger Rabbinenversammlung hielt, der er sich mit Leib und Seele anzuschließen gelobte und wobei er es an Seitenhieben gegen besonnene Reformen, wie solche bisher in unserem Lande gepflegt wurden, nicht fehlen ließ.« Außer der Notiz über die Rabbinenversammlung*) ist kein wahres Wort in diesem Satze. In der Weise der Delatoren verdreht der Herr Nabbine die Worte des Textes. Friedländer sagte nemlich: »Rüstet Schild und Speer und tretet hin zum Kampfe," knüpfte hieran dann eine Charakteristik der Kämpft Israels in der Gegenwart nach Außen und Innen und zeigte in glaubenskräftiger, blühender Darstellung, daß vor Allem Entschiedenheit, und nicht ein gesinnungsloses juste milieu Noth thue, besonders noch hervorhebend, daß mit dem Einreißen Nichts geschehe, wenn man nicht zuvor einen festen Boden gewänne. Diesen Aussprüchen haben bereits badische Rabbinen in Privatschreiben an den Stud. Friedländer ihre volle Zustimmung gegeben, deren Veröffentlichung seiner Zeit mit der Predigt erfolgen wird. Auch der Spnagogenrath hat in seiner desfallsigen Remonstration sich folgendermaßen dagegen vernehmen lassen: »Schließlich können wir den vom Rabbinen beliebten Ausfällen gegen die Predigt zwar nicht unsere und der gesammteu durch sie sehr erbauten Gemeinde Meinung als Autoritäten entgegensetzen, haben aber darüber das Urtheil von andern Rabbinen, denen sie später mitgetheilt worden, auf unserer Seite. Wir überlassen ihm, seine Meinung über die Rabbinenversammlung zu Braunschweig, die von allen Gebildeten als eine zeitgemäße Erscheinung betrachtet worden, gehörigen Orts auch öffentlich auszusprechen und zu vertreten, wozu ihm, als dem angeblichen »Mitarbeiter und Redakteur einer geachteten jüdischen Zeitschrift« *) Die aber in der Predigt, die wir selbst mit angehört, wörtlich nur so lautete: »Dazu (zur Wiederherstellung des wahren Judenthums) hat sich ja noch so eben eine wackere Anzahl deutscher Rabbinen versammelt! diesen würdigen Vertretern, diesen rüstigen Kämpen müssen wir uns Allesammt als treue Glieder anschließenl« hinlänglich Gelegenheit gegeben ist.« (Fürst soll sich nemlich auf NamenSgleichheit gestützt, früher für den Redakteur des Orients ausgegeben haben.) Ueber dm AuSgang dieser Sache gedenke ich nächstens referiren zu können. Bon der Elbe, im Sept. (Eorresp.) Ihre TorreSpondenten, mein werther Herr Redacteur, solltm nichts für sich behalten. sondern alles zum Gemeingut Ihrer Leser verwenden und darum ermangele ich nicht, denselben folgende Schriften zu empfehlen, welche mir in diesm Tagen zu Gesicht gekommen: 1) Moses Mendelssohns gesammelte Schriften, nach de» Orginaldrücken und Handschriften herausgegeben von Prof. vr. G. B. Mendelssohn. Leipzig 1844, F. A. Brockhaus. Eine äußerst interessante Gabe, von einem Nachkommm des edlen Weisen selbst gebracht; sie zeichnet sich durch Vollständigkeit, lichtvolle Ordnung und treffende Benutzung alles dessen, was von unserm Weisen brieflich, oder haudschristlich »och bekannt geworben, auS. 2) Almanach evangelischer Prediger. Leipzig 1844. E. Geutber. Eine Schrift auch für Mische Theologen, da sie viel allgemein Interessantes in sinniger und anmuthiger Weise bespricht. Besonders angesprochen hat mich der Aufsatz über den Rationalismus und die Gedanken und Wünsche in^BeziehunK auf Conßrmatio». Z) Cariere, der Kölner Dom. Stuttgart 1844, bei Franckh. Diesen interessanten Schriftsteller kennen gewiß schon viele Ihrer Leser. Was er aber hier bietet, wird besonders ihre Aufmerksamkeit erregen, da es eine neue Grundlage für die humane Auffassung der christlichen Religion, an welcher uns Israeliten so sehr gelegen sein muß, abgibt. 4} Die biblischen Geschichten in poetischer Bearbeitung, von den besten Dichtern unserer Zeit. Meißen 1844. bei Goedsche. Eine treffliche Auswahl desjenigen was die aus die biblischen Stoffe gerichtete Begeisterung unserer Dichter geschaffm. Scho« die schönen Bilder machen sie der jüdischen Jugend, welche in solcher Anschauung noch ziemlich zurück ist, empfehlmswerth. 5) Telle, Mlffche Alterthümer. Berlin 4844, bei Oehmigke. Ein äußerst reichhaltiges Werk, mit gewissenhafter Benutzung der Quellen und weiser Auswahl des Materials. Ich verdaute diesem Werke manche neue Auskunft über jüdische Geschichte, Re-