Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1844)
- Date
- 1844-09-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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316 eckummg, als die, welche ihm schon geworden, bringen wird. | Seine früheren Leistungen, von welchen vorzüglich der Roman:! Spinoza mit entschiedenem Beifall ausgenommen ward, hatten uns nur theilweise befriedigt. Wenn im Allgemeinen kein Anstoß daran genommen worden, Spinoza zum Helden eines Romans gemacht zu sehn, so liegt es wol nur darin, daß derselbe mehr dem Namen nach und dieses nur oberflächlich bekannt ist. Uns erscheinen die Gestalten eines Aristoteles, eines Spinoza, eines Kant viel zu ernst, als daß wir sie in Liebeshändel verwickelt zu denken vermöchten; so etwas ließe man Dichtern und Künstlern hingehn; jene dürfen in Romanen höchstens als historische Nebenpersonen handelnd austreten. Richtiger deutet Ber- «ahs in seinem biblischen Orient die Weise an, wie Spinoza au^ufassen, wenn er sagt, daß „dessen wissenschaftlicher Einfluß auf den geistigen Gang der neuern Zeit nebst seinen jüdischen Verfolgungen eine artige Parallele mit dem religiös volkSmäßigeu Wirken und Schicksal Christi darbieten möchte. In diesem Romane gefiel dem Juden das Auffrischen und dichterische Wiedergeben von Jugenderinnerungen, dem Christen das Neue in den dargestelltcn Gebräuchen, etwa wie in einem chinesischen Romane, Allen aber die frische lebendige Darstellung. Auerbachs zweiter Roman: Dichter und Kaufmann sprach weniger an; der Held war weder das eine noch das andre, und überhaupt nicht viel; die Schlafstätte Sennon und bekannten jüdischen Witze konnten vielleicht einem Christen originell Vorkommen, einem Juden aber nicht sehr zusagrn. Einzelne Capitel bildeten gelungme Ausnahme, und die Darstellung war wieder lebenssrisch. DerVer> saffer hatte noch andre ähnliche Sitten - Schilderungen aus dem vormaligen Mischen Leben, gleichsam um es im Bilde festzuhalten. weil es sich aus der Wirklichkeit verliert, zu liefern versprochen, und wir gestehn, daß wir denselben mit Bangigkeit entgegen sahen. Auch dem Zusammenleben der Juden in den Ghetti, dem Wanderleben ihrer Bettler in früherer polizeiloser Zeit, dem Gehaben ihrer Abbes, RewweS. und Studenten, Bacherün, von vormals, läßt sich eine poetische Seite abgewinnen; es möchte aber doch dieser Geschmack an Knut »out streifen, der unsre wäre er nicht. Auf die Juden selbst können aber solche Schilderungen nur nachthrilig wirken, zumal viele selbst sogenannte Aufgeklärten unter ihnen von manchen alten Unarten und Sonderheiten nicht laßen können, und wenn sie nun dergleicheu, wie im poetischen Gewände nicht anders möglich, ea iresu gewählt finden, am Ende nur noch halsstarriger werden, und glauben, sie hätten Recht. Doppelt willkommen waren uns daher die Dorfgeschichten des Verfassers; das ist gesunde, kernhaste Nahrung; das ist ächt vaterländisches Gewächs; das ist für das Volk ganz und gar, nicht für ge- oder übeMdeke Ständeallein; wir denken, das Buch soll des Verfassers und noch viele andre beliebte Romane überleben. Es weist ihm jedenfalls einen höheren Standpunkt an als den eines Nomanschreibers; er ist nun Volksschriftsteller im edlern Sinne, und deren hat keine Nation viele aufzuweisen. Daß er sich als solchen erkennt, zeigen seine übrigen neuen Productionen, sowol seine Schrift: der gebildete Bürger, als der im Eingänge erwähnte Kalender, und wir fürchten nicht, daß er diese ehrenvolle seinem Wesen und Talente zusagende Bahn wieder verlassen werde. Daß aber den Deutschen unter Juden ein solcher Volksschriftsteller erwachsen, dessen Liebe zum Vaterlande dessen ächtdeutsche Gesinnung, Gediegenheit und Gemüthlichkeit nicht in Zweifel gezogen werden können, wäre Stoff zum Nachdenken für germanisch - christliche Weltwekse und Staatsmänner. Frankfurt a. M. im Sept. *) Die Familie von Rothschild äußert immer mehr ihren Verdruß über die vrrschrobene chasidäische Richtung, die man einem ihrer jüngeren Mitglieder, dem jungen Willi beizubringen gewußt, und man ist im Schooße dieser Familie ernstlich auf Mittel bedacht, dem bereits sehr eingerissenen Uebel durch geeignete Gegenmaßregeln zu steuern. Vorläufig ist dem, von Seiten Hirschel Lehren'S, dem jungen Baron beigegebenen Posen, außer zwei täglichen Unterrichtsstunden im Talmud, jeder weitere Umgang mit seinem Zögling von Seiten des Vaters des Letzter« untersagt worden, so daß man jetzt das Schauspiel nicht mehr hat, die beiden Herren fast täglich Arm in Arm durch die Judengasse miteinander spazieren zu sehen. Das Beziehen der Universität Marburg «nter der Leitung des Mentors Posen scheint sich sonach nicht verwirklichen zu sollen, — ein harter Schlag für die Chasidim, und vielleicht noch härter für die — Jesuiten. (Heidelberg, im Sept. (Corrrsp.) Zu welchen Mitteln der hiesige Nabbine seine Zuflucht nimmt, um seine Zwecke auszusühren, davon, als Fortsetzung meiner früheren Correspondenz (S. Nr. 36) folgende Probe: Er verklagte den Stud. Friedländer beim Universitätsamt wegen der früher erwähnten Predigt, in Folge dessen letzterem das Predigen bis zum erledigten Eompetenzstreit zwischen Nabbinat und Synagvgenrath untersagt wurde. Als nun derselbe sich hierdurch beschwert fühlend, den RecurS an die Kreisregierung ergriff, wandte sich der Rabbine, einen ungünstigen Bescheid fürchtend, mit einem nichts weniger als wahrheitgetreuen Bericht au den Oberrath der Israeliten zur Unterstützung seiner Sache. Aus demselben hebe ich folgende Stelle *) Nicht von dem vorige« Correspondenten. Red.