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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-22 · Heft 38 (22.9.1844) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 38 (22.9.1844)
Date
1844-09-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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vorgegangenr Demselben war auch der bekannte 0r. Jacob- (der Verfasser der vier Fragen) nach einem Aufrufe in der Königsberger Zeitung beigetreteu. Als er jedoch seinen Beitrag zahlen wollte und eine Eintrittskarte für die nächste Versammlung begehrte, ward jener zwar angenommen, diese aber ihm verweigert. Hierauf trat in dieser Versammlung ein Mitglied auf und las eine Eingabe des vr. Jacobvor, in welcher er sich über feine Ausschließung beschwette und u. A. anführte, daß er in dem Verein nur ein Mittel zum Schutze der Glaubensfreiheit gegen Glaubensdruck, zur Forderung religiöser Duldung der katholischen Unduldsamkeit gegenüber sehe. Ohne Bedenken würde er selbst zur Unterstützung bedrängter mohamedanischer Gemeinde» Mitwirken; sowie er wiederum zur Ehre der protestantischen Fristen glaube, daß auch sie nicht Zurückbleiben würden, wenn ein Verein für bedrängte israelitische Glaubensgenossen sich bildete. Diese Eingabe rief eine große Aufregung in der Versammlung hervor. Die Gegner machten geltend, daß nicht der Widerstand gegen Religionsdruck überhaupt, sondern gegen den in Beziehung auf den Protestantismus ausgeübten Religionsdruck Zweck des Vereins sei; daß es ferner bei der ganzen Stiftung auf die geistige Einheit ankomme, in welcher die Geber mit den Empfängern stehen müßten; damit dieser GUst aber in seiner Reinheit erhalten werde, müsse man alle diejenigen fern halten, denen hie innere Berufung fehle, in die geistige Gemeinschaft mit evangelischen Glaubensgenossen zu treten. Nachdem nun die Debatten hierüber noch weiter geführt worden waren, ward zur Abstimmung geschritten, wobei die Vertheidiger in der Minderzahl blieben, indem die Versammlung mit 64 gegen 42 Stimmen gegen die Aufnahme der Nichtevangelischen entschied. Eine nicht unbedeutende Anzahl der Vertheidiger erklärte darauf, daß, da sie in einer so wichtigen Prinzipienfrage entgegengesetzter Ansicht mit dem Verein sei und es nimmermehr billigen werde, daß ein gegen die Toleranz ankämpsender Verein, den Grundsatz der Intoleranz an die Spitze seines Statuts stelle, sie ferner nicht mehr dem Verein angchoren könne, und verließ den Saal. — Was sagen Sie nun zu diesem Vorgang, verehrter Herr Redakteur? Verdient eine solche schöne Gesinnungsäußerung von Seiten der überstimmten Mitglieder nicht einen Ehrenplatz in den Annalen unserer Geschichte? In der That, wenn bei den Gebildeten unseres deutschen Volkes die humane Lebensanschauung so feste Wurzel gefaßt hat, wie hier, darf man nicht daran zweifeln, daß sie endlich Gemeingut werden wird. In dieser schönen Hoffnung habe ich diese Mittheilung niedergeschrieben und verweise diejenigen Ihrer Leser, welche sich noch genauer mit diesem Ereigniß bekannt machen wollen, auf die Schrift von Jachmann »Zur Geschichte des Gustav-Adolph-Vereins in Königsberg", welche bei dem Buchhändler Voigt hier erschienen. Paris. Der „Commerce" enthält eine Kritik über eine dramatische Darstellung der Mademoiselle Rachel, der, wenn er nicht mit dem Namen Petrus Borel unterzeichnet wäre, leicht für eine Uebertragung aus dem Deutschen der Herren Menzel, Marcard und Consorten gelten könnte. Was hier der großen Mimin übelgenommen wird, ist keineswegs irgend ein Fehler in ihrem Spiele, sondern es ist gerade das Gegentheil, ihr eminentes Talent, mittelst dessen sie, die Jüdin, sich so sehr über andre französische Schauspieler emporgeschwungen, oder »vorgedrangt" hat, was ihr der Kritiker nicht verzeihen kann. Es ist in der That ein ganz besonderes Glück, nicht blos für schlechte und mittelmäßige Schauspieler, sondern auch für dergleichen Schriftsteller, Maler, Aerzte, Handwerker rc., wenn ihre von der Natur mehr begünstigten Rivale zufällig Juden sind, oder mindestens dafür ausgegeben werden können. Da kann man sich doch wenigstens damit trösten, daß der Nebenbuhler doch nur ein Jude, und daß es diesem Volke ganz eigen sei. »sich überall hervorzudrängen". Wer es z. B. denn Herren Menzel und Ghillany, verargt, daß sie den jungem, aber ihnen eben doch einmal weit überlegenen Gutzkow für einen Juden auSgeben, der ist entweder ein fühlloser Mensch oder er hat keinen Begriff von den Leiden eines vom Neid geplagten Autorenherzens. Auch der französische Kritiker hatte seinen triftigen Grund, gegen die Rachel ungehalten zu sein; sein Unmuth entsprang aus der Verweigerung eines FreibilletS für die Loge, und so mag eS ihm hingehn, wenn er jammert: »Der Jude wird stets anmaßender, in der Kunst wie im bürgerlichen Leben; die Zeit ist nicht mehr fern, wo diese noch kürzlich der Acht und dein Scheiterhaufen verfallene Mcnschenklasse uns dergestalt vermindert (decime) und unterworfen haben wird, daß unsere Städte (hört! hört, wie schauerlich!) nur noch in irgend einem Winkel ihrer Vorstädte eine Christen«asse für die dahin verwiesenen Trümmer der letzten Christen haben wird, wie sie im Mittelalter ihre Judengassen hatten, wo die letzten Trümmer Jndäa's verfaulten". — Hierzu müßten nun freilich die Juden nicht allein die übergroße Mehrzahl und die Herrschaft der Welt, sondern auch noch dazu die Gesinnungen und Denkungsweise des Hrn. Borel erlangen. Die Christenheit mag sich also vorerst noch beruhigen. — In gleicher Weise zankte jüngst ein Correspondent des »Morgenblattes" mit der Rachel darüber, daß sie die Phädra so vortrefflich dargestellt, daß der Res. vor diesem Uebermaaß von Abscheulichkeit (im Character Phädra's) schauderte und empört ausrief: »Ein solches Spiel konnte nur einer Jüdin möglich sein!" Merkts euch ihr jüdischen Schauspieler, und werdet künftighin — Stümper! Welcher Unsinn ist nun kolossaler,, der französische oder der deutsche? Hierzu tim Beilage.

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