Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1844)
- Date
- 1844-09-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2566911-2566950--1138-2568884- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
309 -er behandelnde Arzt, nicht eingeladen worden, wollten, auf Veranlassung des Vaters des Umgekommenen, einige Freunde desselben, unter denen auch die Mitglieder des israelitischen Vorstandes, zugegen sein; allein der Zutritt in das Sterbehaus wurde allen Israeliten während der Obduktionshandlung von Amtswegen untersagt, und erst nach vollbrachter Sektion sagte der Phtzstkus zu einigen vor der Thüre stehenden Israeliten, sie mochten jetzt herein kommen und sich durch den Augenschein überzeugen, daß das Herz des Verstorbenen zwei Schleimpolypen gehabt, mithin Maas auch ohne die Mißhandlung hätte sterben müssen*)rc. Die Israeliten verlangten nichts zu sehen; sie hatten genug gehört und erfahren und wußten mehr als ihnen lieb war. An demselben Tage (14. Juni) wurde mit den beiden Brüdern Bogt ein Verhör vorgcuommen, und seither erging weder Vorladung noch, so viel den MaaS'schen Eheleuten bekannt geworden, irgend eine sonstige Verfügung in dieser Sache. Die unglückliche Mutter hat sich am 25. Juli persönlich an die oberste Sanitätscommission in Karlsruhe gewendet, und wir behalten uns vor, das Ergcbniß der nunmehr eingeleiteten Untersuchung seiner Zeit in diesen Blättern zu berichten. — Es geschah im vorigen Jahre, daß es den Anschein hatte, als ob im Großherzogthum Baden Aufruhr, sofern er zum Nachtheile eines Juden stattsand, geduldet würde; hoffen wir, daß cs sich ein Jahr später hinsichtlich des culposen TodtschlagS anders verhält.' Vom Rhein. (Corrcsp.) „Gott bewahre uns vor unseren Freunden«! — so sollten jetzt fast mehr, denn jemals, alle ehrlichen, dem wahren religiösen Fortschritte huldigenden Rabbinen von ganzem Herzen beten. Ja! sie sollten niemals vergehen, dieses Gebet in den CV EIT pTl Tr einznschaltrn! — Sie werden vielleicht staunen, solche Expektorationen von mir zu hören, da sie mich bisher als den größten Feind solcher und ähnlicher Klagen kannten, indem ich stets auf den bessern Zeitgeist, daß er sich wol Bahn durch die vielen Unebenen brechen und die dunkeln Wolken mit seinem hellen Sonnenlichte verscheuchen würde — innigst vertraute. — Ja, es war also, und Gottlob! daß ich auch jetzt noch in diesem Glauben nicht wankend geworden bin. Aber gerade deshalb muß ich die bessern und aufrichtigen Rabbinen warnen, „sich zu hüten vor ihren Freunden«, d. h. vor solchen, die da stets von Fortschritt sprechen und auch wirklich in ihrem Leben und durch ihre Handlungen schon weir, ja vielleicht schon zu weit, fortgeschritten sind, vorgebend, daß sie den wahren Geist der Religion ausgefaßt *) Es ist zu bemerken, daß Simon Maas vor der an ihm begangenen Mißhandlung niemals krank gewesen.. hätten und als» auch nur nach diesem ihre religiösen Handlungen einrichten könnten, — die aber, so bald sie zur Verwirklichung dieses wahren Geistes beitragen sollen und auch es konnten, aus verschiedenen einseitigen Rücksichten, entweder sich zurückziehen, oder gerade dagegen ihren Einfluß geltend machen. — Solcher gibt es jetzt — und ich möchte kühn behaupten, mehr denn je — eine Menge, und wir erkennen sie recht deutlich bei fast jeder Besetzung einer Rabbinenstelle. Da können die aufrichtigen Rabbinen die traurige Erfahrung machen, wie eben ihre vermeinten „Freunde« den freien wissenschaftlichen Geist fürchten, den nahen Fortschritt scheuen und nur Flachheit, Halbheit und Unentschiedenheit lieben und diese auch auf den Thron erheben. AuS Rheinbaiern. (Corresp.) In Nr. 32 Ihres geschätzten, sich immer mehr Anerkennung verschaffenden, Blattes drückt rin Correspondent aus Frankfurt seine Verwunderung darüber aus, daß so viele Rabbinen, die ihre Zusage zur Theilnahme an der Versammlung in Braunschweig eingesandt hatten, dennoch weggeblieben seien. Die baierschen Rabbinen werden zwar durch die materiellen Hindernisse, die ihnen im Wege gestanden haben sollen, entschuldigt; da aber diese Entschuldigung für die rheinbaierschen Rabbinen nicht ausreicht, indem diese nicht auf Urlaub eingekommen waren, dieser ihnen also nicht versagt werden konnte: so möchte eine Erklärung ihres Nichterscheinens im Interesse ihrer Ehre hier am Platze sein. Die Hauptursache liegt nun allerdings in der allzuspäten Anzeige des Termins der Versammlung von Seiten des Hrn. vr. Philippson. Erst am 24. Mai traf nemlich die Aufforderung ein, daß am 12. Juni die Versammlung stattfinden sollte. Da waren aber für diese Zeit bereits andere, nicht leicht mehr abzuändernde, Angelegenheiten bestimmt, wie auch dem Hrn. vr. Philippson brieflich zur Anzeige gebracht ward, mit dem Ersuchen, den Termin hinauszurücken. Da man nun überdies schon vorher in Krnntniß davon war, daß auch Geiger zur festgesetzten Zeit in Braunschwcig nicht eintreffen werde, und cs kaum mehr möglich war, die Vorbereitungen zu der langen Reise zu treffen, den Urlaub noch zu erlangen, die Angelegenheiten des RabbinatS für die Dauer der Abwesenheit zu ordnen, so hatte man nm so mehr Ursache um Aufschub des Versammlungstermins zu bitten, was auch, wie gesagt, und zwar durch den Rabbinen vr. Grünbaum vo« Landau geschah, vr. Philippson antwortete nicht und in Erwartung dieser Antwort unterblieb die Sache, oder vielmehr das Urlaubsgesuch, das schwerlich von unserer pfälzischen Regierung zurückgewieseu worden wäre. Königsberg im Sept. (Corresp.) Lassen Sie sich einmal erzählen, was hier bei der Stiftung des Gustav-Adolph. Vereins