Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-22 · Heft 38 (22.9.1844) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 38 (22.9.1844)
Date
1844-09-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2566751-2566911-2566950--1137-2568883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

btt geistig groß, aber schlaue Priester, dessen Könige Despoten, Richter, Abenteurer, und dessen Propheten — Demagogen' waren." Zukunft und Messia-S sind „die einstige Vergeistigung der Menschheit, die Verwesung des NationalgefäßcS der Idee" (des Judenthums), was «bie Propheten, an den Namen Sohn Davids bindend, national individualisirten — in der Person eines Messias." Die Tradition ist dem Verfasser eine Geburt des Menschengeistes, der Reflexion; sie ist ihm gleichbedeutend mit «Novelle", ja sie, die min» und die Schrift, 2TDDi^/ haben «den Pharisäismus in die Bundeslade gebracht, spater aber gar dem Egoismus die Apotheose errungen." Der Talmud «ein encpplopädisches Aggregat alles jüdischen Wissens, sowol pharisäischen als essäisch-cthischen, sank" nach dem Verfasser «in der pvlnisch-jüdischen Schule zur tödtenden Erstiüungsbullc aller geistigen Regung herab, und der Jude welkte so entgeistigt und idiotisch dahin, daß seine Schöngeister noch heute den eleganten Schüler der Lcibnitz-Wolsischen Philosophie (Mendelssohn) als Restaurator anbeten"; dies die Gegenwart des Judenthums. Also Hr. Bernays weist die unbeschränkte Fortbildung des JudenthumS nachher verwirft den leiblichen Messias, er schreibt dem Talmud die Ertödtung aller geistigen Regung im Judenthum zu, und findet in ihm den Grund, daß der heutige Jude entgeistigt und idiotisch hinwclkt. Was kann er den hiesigen Rcformfreundcn verwerfen, was ihnen Nachweisen, das er nicht bereits vor mehr als zwanzig Jahren weit stärker gesagt und selbst wissenschaftlich zu begründen versucht? Oder findet er cs vielleicht nicht recht, daß sie nicht, wie der biblische Orient sich ausdrückt, auf dem von Christus neu gelegten, von den neuen Bauleuten (Consilien) aber verschmähten Stein — an das einstige Himmelreich fortbauten? ££ Mosbach. (Corresp.) Ein scandalöses Ereignis empört alle rechtlichen Bewohner der hiesigen Gegend. Am 5. Juni sandte in dem benachbarten Dorfe Stein der Israelit Hirsch Maas seinen 14 jährigen Sohn Simon zu einem dortigen Taglöhner, um diesen zu sich zu bestellen. Der Weg führte vor der Wohnung des Schmieds Melchior Vogt vorüber, wo der zwölfjährige Sohn des Letzter« herauskam und den Maas in der Absicht augriff, ihm die Knöpfe vom Rocke abzuschneiden, um solche beim Spielen zu gebrauchen. Als Maas sich zur Wehre setzte, so ergriff Vogt einen «Weißdornprügel" und hieb den Maas dergestalt auf den Kopf, daß der unglückliche Knabe in Folge der dadurch verursachten Hirnerschüttcrung, nach 8 tägigen unsäglichen Schmerzen, den Geist aufgab. Der 17 jährige Bruder des Mörders hatte die Mißhandlung mit angesehen und dabei mehrmals mit Schmikdkschlackeu aus deu MaaS'schen Knaben geworfen, wobei daS arme Kind mittels eines Wurfes an der Kniescheibe so verletzt ward, daß die so verursachte Wunde bis zum Tode des Mißhandelten eiterte und deu tödtlichen Schmerz am Kopse noch vermehrte. Ja, der 17 jährige Bursche hatte die Rohheit, seinem jünger» Bruder zuzurufen: «Philipp, zieh' ihn in die Schmied' herein! ich hab'S Messer gewetzt, ich will ihm die Ohren abschneiden!" In der That versuchte cs der Mörder, sein Opfer zu weitern Mißhandlungen in die Schmiede hineinzuschlcppen, und nur das mittlerweile erfolgte heftige Erbrechen des Verletzten bewog endlich den Vogt, von dem Opfer abzulassen. Doch nicht dieses ist cs, was die Entrüstung aller Gutgesinnten erzeugen muß; die Frcvelthat zweier einzelnen Minderjährigen — deren That freilich von ihrer Mutter, der Frau Vogt, zum Fenster hinaus ruhig mit angesehen worden sein soll — kommt kaum in Betracht im Vergleich mit dem wahrhaft unbegreiflichen Betragen, zu welchem sich bei dieser Veranlassung einige Beamten herbeiließcn, deren Pflicht es erheischte, hier in Erfüllung ihres amtlichen Berufs die öffentliche Gerechtigkeit zu vertreten. Ter meiste Tadel trifft das Physik at des Amtes Neudenau zu Mosbach, dessen uns vorliegender Bericht nur in Stellung der Fragen, keineswegs aber in deren Beantwortung einem gerichtsärztlichen Befundberichte gleicht, vielmehr nichts anders als eine im Advokatenstyl abgefaßte Schutzredc für den Thäter enthält und, vom Gebiete der amtlichen Aufgabe gänzlich abschweifcnd, sich in die terra incognita der Ju rispruden; hinein verliert. Alö der Vater des Mißhandelten am 8. Juni zweimal vor dem Bürgermeister des Ortes erschien, um die Anzeige von dem Geschehenen zu machen, wurde er nicht gehört, und seinen Angaben die Aufnahme zu Protocoll unter dem Vorwände verweigert, cs sei dies Sache des behandelnden Arztes! Als am 10. Juni der AmtsphpsikuS vor dem Bette des todrkranken Knaben erschien und dieser in seinem Schmerze laut jammerte und wimmerte, fuhr ihn der Herr Amtsphysikuö rauh und barsch an, er solle schweigen, cö fei dies alles nur «gestellt" (Verstellung). I>r. Gucrdan aus Neudenau, der behandelnde Arzt, widerrieth cS (am 12. Juni) dem Vater, eine amtliche Anzeige zu machen, «indem dies eine Criminaluntcrsuchung geben könne!!" Maas jedoch, in seinem Schmerz, ließ sich durch diese Vorstellung nicht cinschüchtern und eilte abermals hierher, um den Physikus aufzufuchrn. Dieser erwiderte auf die Frage, ob er die Anzeige bei Amt gemacht habe, bejahend; als jedoch Maas unmittelbar darauf vor Amt erschien, da wollte hier Niemand noch von einer geschehenen Anzeige etwas wissen. — TagS daraus verschied der Knabe. Bei der nunmehr veranstalteten Obduktion, zu welcher seltsamerweise Hr. vr. Guerdan,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.