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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-22 · Heft 38 (22.9.1844) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 38 (22.9.1844)
Date
1844-09-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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LOS Ihren Aeußeruvgen über den Talmud zufolge, gewiß nicht minder für einen Laugner der göttlichen Offenbarung erklären werden. Auf diesem Wege ist kein Weiterkommen. Im Christenthume, das kein geringeres Interesse am Offenbarungsbegriffe bat als wir, sind die tiefsten und frömmsten Geister seit Jahrhunderten bemüht, diesen Begriff von allen Seiten zu beleuchten, man ist zu den verschiedensten Resultaten gelangt und die Akten sind nicht geschlossen. Unsere gebildeten Rabbinen dagegen sprechen so harmlos von positiver Offenbarung, als ob dieser Begriff ein ganz einfacher mit Händen zu greifender wäre, bei dem jede weitere Erläuterung purer Luxus sei. Die einzige ausführliche Untersuchung darüber, welche in neuerer Zeit aus dem Judenthume hervorgegangen ist, verdanken wir einem geistreichen Nichttheologen. Es wäre endlich Zeit merken zu lassen, daß die sveculative Theologie noch nicht mit Maimonides geschlossen ist, es wäre endlich Zeit, daß man aufhörte, das Wort positive Offenbarung, wie eine unverstandene Zauberformel zu murmeln, welche die bösen Geister des Zweifels verscheuchen soll. Wenn dieses Wort der Leuchtthurm ist, nach welchem jeder Jude seinen Lebenslauf zu richten hat, so kann man ihn nicht genug erhellen. Zwei Stellen des Programms sind es, auf welche Sie Ihre Anklage gründen, zwei Zeugen, deren Aussage noch näher zu prüfen ist. Was die zweite betrifft, so haben Sie den einfachen Sinn so auffallend mißverstanden, daß ich mich, bei einer geringeren Meinung von Ihrer Wahrheitsliebe, des Verdachtes einer absichtlichen Verdrehung nicht enthalten könnte. Die Resormfreunde beklagen, daß die gegenwärtige äußere Erscheinung des Zudenthums viele Juden ihm ganz entfremdet hat, welche sich eben deßwegen ganz von ihm weggewendet haben, und sich nur an die Schätze der Weisheit halten, die so viele große Geister gewonnen haben. Ich denke, das ist eine Thatsache, die Sie nicht ablaugnen werden. Diesem Zustande will man aber gerade ein Ende machen; durch eine Erhebung des Judenthums will man ihm wieder die Entfremdeten zuführen, man will den geistigen Standpunkt mit dem Bekenntnisse in Einklang bringen. Was die Reform freunde beklagen, das geben Sie für deren Gesinnung aus, in der That unbegreiflich. In der ersten Stelle sagen die Reformfreunde, der Mosaismus habe die höchsten Wahrheiten in ihre Rechte eingesetzt, indem er ihnen einen göttlichen Ursprung zusprach, d. h. indem er aussprach, daß sie ihren Ursprung in Gott haben. Statt dessen machen Sie hieraus die Andeutung eines frommen Betrugs. Es verlohnt sich in der That nicht der Mühe, sich hierüber zu rechtfertigen. Denn so etwas kömmt jetzt auch dem freiesten Kritiker nicht in den Sinn, dazu muß man auf dem Standpunkte des schalen Spottes stehen, wie er wok im vorigen Jahrhundert hin und wieder Mode war. Die Resormfreunde sagen, der Mosaismus sei das höchste gewesen, wozu sich der denkende Geist bei jenen Urvölkern empor schwingen konnte. Ich sollte meinen, das sei eine ganz einfache Wahrheit; hätte sich der denkende Geist zu einem noch Höheren empor schwingen können, so wäre der Mosaismus nicht das Höchste gewesen. Die Resormfreunde sagen ferner, der Mosaismus sei eine höhere Offenbarung des denkendes Geistes selbst gewesen; das Wort höhere, welches sich wenigstens in meinem gedruckten Exemplare findet, haben Sie weggelassen. Auf diese Stelle wird wol das Hauptgewicht Ihrer Anklage fallen, in dieser Stelle sollen die Resormfreunde erklärt haben, daß nicht eine göttliche Offenbarung, sondern der denkende Geist die Quelle des Mosaismus sei. Es wird hierbei, wie schon gesagt, nur darauf ankommen, was man unter einer göttlichen Offenbarung versteht. Es giebt, wie ich schon früher in diesen Blattern angedeutct habe (Nr. 26), eine Auffassung der Offenbarung, die mit ihrem Ursprünge im denkenden Geiste durchaus nicht im Widerspruche steht. Der Ausspruch eines Gedankens über göttliche Dinge, der an keinen vorhandenen anknüpft, aber in allen spateren Zeiten fortlebt, ist eine göttliche Offenbarung. So waren die ersten geschaffenen Pflanzenkeime eine göttliche Offenbarung. Und, kann man hinzufetzen, wie aus diesen eine herrliche Pflanzenwelt entsprang, so konnten aus jenem ersten Gedanken eine Menge anderer herrlicher Gedanken entspringen, ohne daß dieser, als der erste, hierdurch das Mindeste von seinem Character als unmittelbare göttliche Offenbarung verlor. Wie, kann man Ihnen sagen, wenn sich das Lastthier des Propheten Bilearn beklagt, so halten Sie das für eine übernatürliche Erscheinung, dazu ist Ihnen die Allmacht nicht zu erhaben, um eine Eselin beredt zu machen, und wenn ein Moses erhabene Gedanken ausspricht, da sollte die Gottheit gar keinen unmittelbaren Antheil habend Wenn ein Fels Wasser gibt und ein durstendes Volk trankt, das halten Sie für ein Wunder, und wenn dem Munde Mosis eine Lehre entströmt, an der alle kommenden Geschlechter ihren Glau-

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