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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-15 · Heft 37 (15.9.1844) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 37 (15.9.1844)
Date
1844-09-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SS8 ter. In feinem Gesichte schien sich ein gewisser Ausdruck von Falschheit und Hinterlist zu zeigen, ward aber von dem der Sanstmuth und Güte, welcher noch lebendiger daraus sprach, so überwogen, daß er gar nicht störte, vielmehr der Eindruck ein recht ftcuudlicher war. Oeffncte er aber den Mund zum Sprechen, so mußte man ganz für ihn eingenommen werden. So etwas Süßes, Wolthuendes, Einschmeichelndes in Wort und Betonung ist mir wirklich noch nicht vorgekommen. Frankfurter soll in Hamburg der Liebling der Damenwelt sein, und es wäre ein Wunder, wenn er cs nicht wäre. Seine Rede-Gabe ist. wirklich eine seltene. Mit der größten Leichtigkeit spricht er eine Stunde lang über jeden Gegenstand; es schneidet ihm dabei nur so vom Munde, und er weiß dabei für das Allgemeine und Sittliche einer Sache so stets den rechten Ausdruck zu finden und überhaupt mit so vielem Geschick rhetorische Schlagworte anzubringeu, daß er die große Mehrheit des Publikums für sich einnehmen, ja man kann wol sagen, hinreißen muß. Freilich der Tieferdenkcnde, der selbst Redner ist, oder gar die durch den Druck veröffentlichten Vorträge des vr. Frankfurter gelesen, wird jenen allgemeinen Eindruck nicht thcilen; er wird selbst dem mit so vieler Gewandtheit und Geschmeidigkeit Gesprochenen bald heraussühleu, daß das wahrhaft Rednerische mangele, daß es dazu dem Redner an Tiefe des Gedankens, an Schwung der Phantasie, an wirklicher und wahrer Begeisterung fehle; der Mangel an Ersterem soll sogar bei den Protokollen den geistreicheren Mitgliedern der Versammlung sehr fühlbar gewesen sein, (von welchen mir mehrere klagten, daß der Sekretär gerade ihre besten Gedanken gar nicht, oder nur halb und dürftig zu Papier gebracht); doch dem allergrößten Theil des Publikums und selbst einem Theilder Rabbiuen-Versammlung mußte vr. Frankfurter, wie gesagt, in hohem Grade genügen, und seiner Redegabe sind auch in Braunschwcig die Huldigungen zu Theil geworden, welche ihm bei seinem ersten Auftreten in Hamburg wiederfahren, und Ihre Leser thäten auch unrecht, wollten sie au§ dem hier Angeführten folgern, daß Frankfurter eigentlich nur ein Schönredner sei; ist er es, so ist er es doch im höheren Sinne, in einer Weise, wie sie noch selten sich findet. (Forts, folgt.) Frankfurt a. M. im August 1844. (Corrcsp.) Nachdem Herr Nabbine Stein nun bei uns eingebürgert ist und seine Ansichten verschiedentlich durch Wort und Thal zu erkennen gegeben hat, ist es möglich über sein bisheriges Wirken zu berichten und die Erwartungen, zu welchen diese Antezedentien berechtigen, an den Tag zu legen. ist nun aber nicht zu leugnen, daß Herr Stein einen grrßrn Theil der Gemeinde »Hon nach kurzer Zeit sehr unzufrieden gestellt hat, da sich derselbe mit seiner Tendenz nicht befreunden kann. Es ist hier nicht von jenem Theil der Gemeinde die Rede, welcher seit vielen Jahren Opposition bildet, welcher starr am Alten hält, und für welchen die angebliche Strenggläubigkcit den politischen Hebel bildet, um sich vermittelst derselben in den Vorstand einzudrängen. Diese Parthei könnte Herr Stein nur dann befriedigen, wenn er mit ihr bei Bekämpfung des Vorstandes gemeinschaftliche Sache machen, und dem letzteren wie der alte Trier in den letzten Jahren gethan mannichsache Hindernisse in den Weg legen wollte. Doch ist hierzu Herr Stein viel zu loyal, und er wird auch schwerlich sich jemals mit Leuten befreunden können, welche seiner Anstellung entgegen arbeiteten, und hierbei nach ihrem Brauch in der Wahl der Mittel nicht sehr ängstlich waren. Herr Nabbine Stein geht vielmehr seinen selbstständigen Weg, und wenn er auch bei seinen neuen Organisationen alle mögliche schonende Rücksicht auf die Orthodoxie genommen hat, so kann diese ihm doch nicht verzeihen, daß er die unbedeutenden und anderwärts schon langst ausgeführten Neuerungen vorgenommen hat. ohne ihre Koryphäen um ihre Meinung und ihre Zustimmung zu befragen. Wie kommt es aber, daß Herr Stein auch denjenigen Theil der Gemeinde, welcher seine Ankunft so freudig begrüßte und in ihm den Ordner unseres so zerrütteten Kirchenwesens erwartete, sich sobald entfremdete? Die Antwort liegt wie es scheint, sehr nahe; es ist die Verschiedenheit der Grundansichten, von welchen man von beiden Seiten ausgeht, die dies kaum geknüpfte Band wieder zu zerreißen droht. Das leitende Prinzip des Fortschritts im Judenlhum läßt sich mit dem Worte Entnationalisirung bezeichnen, wan will alles aufgeben, was den Glauben an die zukünftige Reconstruirung des Judenstaats sortzupflanzen geeignet ist, was uns folgeweise als Fremde im Vaterlande erscheinen läßt. Dabei soll die Religion Moses den heutigen Bedürfnissen im Staats- und Familienleben angepaßt werden, eine Fortbildung, welche schon im Wesen der die Glückseligkeit des Menschen bezweckenden Religion liegt, und welche auch aus den Schriften der mosaischen GotreSgelehrten aller Zeiten sich Nachweisen läßt. Aus diesem Grunde haben die Männer, welche im vorigen Jahr ihre religiösen Grundsätze offen darlegten, den Talmud, der einen unserer Zeit unwürdigen Geist athmct, aufgegeben, und den Messiasglauben abgeschworen. Aus diesem Grunde spricht sich die öffentliche Meinung immer lauter gegen eine barbarische Verstümmelung aus, welche sich zwar aus dem grauen Alterthume herüber vererbt hat, welche eben darum aber mit unseren Sitten und An-

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