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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-15 · Heft 37 (15.9.1844) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 37 (15.9.1844)
Date
1844-09-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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entgegensteht? Wenn es im Pentateuche heißt, daß Gott die Verstoßenen von allen vier Enden der Erde einsammeln und in das gelobte Land zurückführen wird, wenn Jesaias dasselbe sagt, wenn Jeremias sagt, daß Jerusalem aufgebaut und nicht wieder zerstört werden soll, wenn Ezechiel, Micha, Zacharias Aehnliches verheißen, wenn dabei von einem Schößling des Namens Jsai, von einem Könige die Rede ist, wer giebt Ihnen denn das Recht, einen Messias, der uns nach Palästina führen soll, weder zu erwarten noch zu wünschen? Wenn Daniel sagt, daß Reich, Gewalt und Macht unter dem ganzen Himmel dem heiligen Volke des Höchsten gegeben werden, wer berechtigt Sie denn anzunehmen, daß der Messias Israel nicht die Herrschaft der Welt verschaffen soll? Sollten Sie nicht, ohne es sich eingestehen zu wollen, über Moses und die Propheten hinausgeschritten sein? Und würde wol Moses Mendelsohn die von Ihnen geforderte Erklärung unterschreiben? er, der die Ansicht aussprach, daß die ewigen Relkgionswahrheiten gar nicht in den Kreis des geoffenbarten Judenthums gehören! Darum weg mit allen Erklärungen, die statt der alten Geistesfesseln nur neue einführen, danken wir Gott daß das Judenthum keine Dogmen kennt, weg mit Concordienformeln, in unserer Zeit, wo kaum zwei Menschen gleichmäßig über religiöse Dinge denken. Was wir können und sollen, das ist Hinwegräumen des Abgestorbenen, dazu sollen wir uns in Masse vereinigen, wie wir in Masse darüber einig sind — das ist der Zweck des Reformvereins. (Schluß folgt.) Geschichte -es Tage«. (.Personalzeichnungen aus der Braunschweiger Rabbinrn- Versammlung.) (Forsetzung von Nr. 29.) Ich komme nun an die wirklichen Beamten der Versammlung, an ihren Präsidenten, Kirchenrath Meyer, ihren Dicepräsidenten, Landrabbinen Holdheim und ihren Secretär, den Prediger Frankfurter. Meyer fällt durch seine ungemeine Lebhaftigkeit auf, er ist in beständiger Bewegung, die Gesichtsmuskeln stehen keinen Augenblick stille und das Auge rollt unaufhörlich in dem kurzgesetzten Kopfe umher. Klein von Statur, imponirt er doch durchI>as Ernste und Durchdringende seines Blickes, sein ganzer Ausdruck hat überhaupt etwas Feines, Weltmännisches, Edles, aber man sieht wol, daß es mehr angecignet, angebildrt, als ein natürliches Erbtheil ist. Meyer stammt nemlich von einer armen Familie, hat sich aber selbst unter unsäglichen Anstrengungen hinaufgearbeitet und endlich das Glück gehabt, an die Spitze einer israelitischen Kirchenbehörde gestellt zu werden. Gewöhnt, auf nicht vielen Widerspruch bei dieser zu stoße» und seine AmtSbrüder ihm untergeordnet zu sehen, scheint er sich daher nicht ganz ftei von einer Ueberschätzung seiner selbst und einem gewissen herrischen Wesen gehalten zu haben. Beide Züge drücken sich auch in seinem äußeren Wesen aus und traten hie und da auch in seiner sonst ganz vortrefflichen Leitung der Debatten hervor, wo er mitunter den würdigsten, begabtesten Mitgliedern auf eine Weise begegnete, die verletzend für sie selbst, wie für das Publikum war. Hingegen brachte die äußere Erscheinung Holdheim'S in jeder Beziehung einen sehr erhebenden Eindruck auf alle, welche ihn beobachteten, hervor. Wer diesen Mann nach dem reformatorischen Geiste seiner Schriften sich vorstellt, entwirft sich gewiß ein falsches Bild von ihm. Sein Gesicht verräth vielmehr eben so viel Milde, als Kraft, eben so viel ^üte und Bescheidenheit, als ein ernstes und selbstständiges Wesen. Dieses zeigte er auch in der Versammlung; er modificirte da nicht selten seine tiefdurchdachten Acußerungen, und namentlich hat es mich diesen wirklichen Heros der talmudischen Literatur doppelt schätzen gelernt, als er keinen Anstand nahm, eine Stelle, die cr in seinem Sinne deutete, wieder preis zu geben, nachdem ihm von einem Rivalen in der Bekanntschaft mit jener heiligen Gotteöstadt ein Einwurf dagegen gemacht worden war. Holdheim ist Pole von Geburt; aber er scheint nur die guten Eigenschaften seiner Landsleute behalten zu haben. Er ist wie sie, fortwährrnd im tiefsten, geistigen Denken begriffen, und ich habe ihm in dieser Beziehung mehr als einmal meine Bewunderung nicht versagen können, aber er verfällt dabei nicht in die Derbheit und den Ungestüm seiner Landsleute; er ist begeistert für seine Ideen und vertritt sie mit Wärme; aber er wird nicht heftig und hitzig, wie sie, er zeigt sich kräftig und selbstständig wie sie, ist aber dabei, wie erwähnt, nachgiebig und bescheiden, was sie wieder nicht sind. Auch die K l u g h e i t hat er mit seinen Landsleuten gemein; aber sie ist nicht mit Falschheit und Schlauheit gepaart, sondern beruht nur auf eine richtige Würdigung der Verhältnisse und eine weise Akkomodation an dieselben. So ist er in dieser gemischten, praktischen Versammlung nicht mit den energischen Ideen aufgetreten, welche er in seinen Schriften ausgesprochen; ja hat eS für klug gehalten, sich zu seiner gemäßigten Gottesdienstordnung, die bereits eingeführt ist, die Zustimmung der Versammlung zu erbitten, um dadurch dieselbe auch innerlich dem ängstlicheren Theile seiner Gemeinden zugängig zu machen. Eine eigenthümliche Erscheinung war der Prediger Frankfur-

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