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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-15 · Heft 37 (15.9.1844) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 37 (15.9.1844)
Date
1844-09-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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2S4 nehmen, sicher und ganz ^ungebührlicher Weise von sich entfcmt. Der Reformverein beabsichtigte aber eine Dereinigung, nicht eine neue Spaltung, der Fortgeschrittenen. Nur einem blinden Beharren bei einem zufällig zeitlich Bestehenden glaubte er gleich von vorn herein entgegenarbeiten zu müssen, sonst aber sollte jede Ansicht ihr freies Recht haben. Und dies hoffte er dadurch zu erreichen, daß er einen Grundsatz aussprach, dessen Berechtigung er in der Geschichte des Ludenthums begründet glaubte, und mit welchem man dem positivsten, wenn nur nicht ganz gedankenlosen, Offenbarungsglauben, wie der freiesten Forschung zu genügen hoffte. Von jeher hatte man im Judenthume bei veränderten zeitlichen Bedingungen, auch Veränderungen im Gesetze vorgenommen, von jeher hatte sich das Judenthum die Resultate einer fortgeschrittenen philosophischen Einsicht angeeignet. Dazu wurde es unumgänglich gettieben, so lange es noch einen Funken Leben hatte, so lange feine Entwickelung noch nicht in den Todesschlaf der letzten Jahrhunderte versunken war. Mit dem Erwachen zu einem neuen Leben muß aber auch die Bewegung zurückkehren, da eines ohne das andere nicht möglich ist. Ich habe mich schon früher in diesen Blättern (Nr. 24) hierüber ausgesprochen, der Gegenstand ist indessen so wichtig, daß ich es nicht scheue, noch einmal mit ein paar Worten darauf einzugchcn. Man fängt in der neuesten Zeit an, der Consirmation, einer dem alteren Judenthume fremden und aus dem Christenthume entlehnten Form, einen sehr großen, vielleicht ungebührlich großen, Werth beizulegen, man bettachtet sie als den Schlußstein der religiösen Erziehung, man concentrirt hier die Hauptwahrheiten des Judenthums, die man der heranreifenden Jugend einschärst und als ein theures Gut auf ihren künftigen Lebensweg mitgibt. Wie viel von dem, was man bei solchen Gelegenheiten hervorhebt, findet sich denn in der Bibel? Man lehrt, daß Gott ein rein geistiges Wesen ist, und bettachtet diese Lehre ziemlich allgemein als einen Grundpfeiler des Judenthumes. Woher weiß man denn das so bestimmt? doch wo! nicht aus dem alten Testamente? Man lehrt, daß Gott nicht menschlichen Leidenschaften unterworfen ist, nicht zürnt und nicht eifersüchtig ist, woher hat man das, doch wol nicht aus dem Pen- -tateuch? Man lehrt, daß die menschliche Seele unsterblich ist und nach dem Tode zu Gott in das ewige Leben zurückkebrt, wo sinoet sich das denn so klar ausgesprochen, doch wol Nicht bei Moses und den Propheten? Man lehrt, daß Gott die Welt aus Wichts geschaffen steht das im alten Testamente? Man lehrt, daß im ewigen Leben die Tugend belohnt und das Laster bestraft werde, hat man das vielleicht aus dem Bibelsprüche: damit es dir wol ergehe und du lange lebest? Oder sind das nicht lauter Gedanken, die sich das Judenthum aus der fortschreitenden philosophischen Ausbildung der Menschheit angeeignet hat? Und nun sollte mit einem Male Alles geschlossen sein? Was der Tiefsi'nn zahlloser folgender Geschlechter an diesen Gedanken ändern, was er Neues Hervorbringen mag, das sollte dem Judenthume gänzlich fremd bleiben? Gerade nur das hätte es sich aneignen können und müssen, was ein paar vergangenen Jahrtausenden angehört, gegen die unbeschränkte Folgezeit sollte es sich aber hermetisch verschließen? die mosaische Religion sollte wieder zu dem Stabilismus verdammt sein, den man dem rabbinischen Judenthume so sehr zur Last legt? Das kann Niemand wollen, der es ernstlich mit der Erhaltung des Judenthums meint. . Die fortschreitende Entwickelung der Menschheit ist aber unbeschränkt, und wenn das Judenthum mit ihr Schritt halten, wenn es einer zukünftigen Gestaltung der Menschheit nicht fremd werden, d. h. nicht absterben soll, so muß es die Möglichkeit einer unbeschrankten Fortbildung in sich tragen. Dies ist der einfache Sinn des ersten Artikels unserer Erklärung, der unbegreiflicher Weise so viel Aergerniß gegeben hat. Gehen wir nun einmal genauer auf das ein, was Sie gegen diesen Artikel einzuwenden haben. Sie sagen: „Menschliche Institutionen sind einer unbeschränkten Fortbildung fähig, denn sie sind zu keiner Zeit vollkommen, also auch zu keiner Zeit abgeschlossen; das kommende Geschlecht wird immer etwas Neues, etwas Besseres erfinden, was den früheren Geschlechtern unbekannt war.. Anders aber ist es mit den göttlichen Institutionen, wozu vor allem die geoffenbarte Religion gehört, wie sie die Schriften Mosis und der Propheten enthalten. Das Göttliche ist in sich vollkommen und abgeschlossen, und es darf nicht dem wechselnden Urrheile der Menschen unterworfen werden, sondern muß vielmehr diesem zur ewigen Richtschnur und Leitung dienen. Jener Satz enthält demnach implicite die Behauptung, der Mosaismus sei keine göttliche, sondern eiue menschliche Institution, die sich nach . den jedesmaligen Begriffen und Einsichten der Zeit anders gestalten und auffassen läßt u. f. w." Fast dasselbe hat schon lange vor Ihnen Vincentius

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