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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-15 · Heft 37 (15.9.1844) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 37 (15.9.1844)
Date
1844-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenrttnrfs «nd Reform des ifrarlLtitehen Lebens. RedigirL und herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. 9tt* 3? Sonntag, den IS. September 1844. V Jahrgang. U e b e r b l i ck. HarrPtauffatz: Offene Briefe über den Resormverein. — Geschichte des LageS: -Personalzeichnungen aus der Braunschweiger Nabbinen-Bersammlung. Frankfurt a. M.: Rabbine Stein; das Prinzip des Fortschrittes im Judenthume; die Aufhebung des Privilegiums bei den Wechseln. Offene Briefe über den Resormverein, von M. A. Stern. (Forsetzung von Nr. 36.) Nun fand man es unumgänglich nöthig, die dogmatische und praktische Autorität des Talmuds abzulehnen, man war also von selbst an die Bibel gewiesen, das hatte der Resormverein nicht erst besonders zu erklären. Ein Judenthum, das den Talmud verwirft, geht stillschweigend auf die Bibel zurück; die Bibel ist ein Bestehendes; ein Bestehendes, das nicht negirt. wird, bleibt von selbst. Aber der Buchstabe der Bibel ist ein todter, wie jeder Buchstabe; er erhält erst Leben, wenn er in unsere Gedanken übergeht, er bedarf der lebendigen menschlichen Auffassung. Das hat man überall gefühlt, wo man von der Bibel als Basis des religiösen Bewußtseins ausgieng, im Judenthume wie im Christenthume. So lange man den Talmud als die unmittelbare Fortsetzung der Bibel ansah, stand dieser im Judenthume ungefähr in demselben Verhältnisse, wie der Ausspruch der Kirche im Katholicismus. Wie es die Synode von Trient zum Kirchengesetze erhob, daß nur die Kirche den wahren Sinn und die Bedeutung der Schrift zu bestimmen habe, so hatte im Judenthume die Schriftauslegung der Talmudisten ausschließliche praktische Geltung erlangt. Mit der Ablehnung des Talmuds steht man der Bibel gegenüber in einem ähnlichen Verhältnisse, wie der Protestantismus in seinem Ursprünge, und man durste daher die mehrhundertjährige Erfahrung, die hier vorlag, nicht übersehen. Im Prottstantismus hatten sich nach und nach und neben einander die mannigfaltigsten Ansichten vom strengsten Buchstabenglauben bis zur freiesten Forschung geltend gemacht. Durfte man auch hoffen, daß man im Judenthume diese reiche Erfahrung wol benutzen und eine Menge Jrrthümer vermeiden würde, so mußte man doch andererseits mit Gewißheit voraussehen, daß es auch hier nicht an Meinungsverschiedenheiten fehlen würde. Dem Reformverein stand es nicht zu, eine bestimmte Meinung zu vertreten, denn hierdurch hätte er wieder, seinem Zwecke entgegen, eine Menge Glaubensgenossen, die sehr wohl berufen sein konnten an der Erhebung des Judenthumcs thätigeu Arrthc

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