Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1844)
- Date
- 1844-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2566751-2566911-2566947--1111-2568854- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
283 Großherzogthum Luxemburg. Luxemburg im Juli. (D. A. Z.) Der König der Niederlande empfing bei seiner jüngsten Anwesenheit daselbst unter andern Deputationen auch den Vorstand der israelitischen Gemeinde, deren Repräsentant, der Oberrabbine vr. Samuel Hirsch, ihn folgendermaßen anredeter „Die Verwaltung der israelitischen Gemeinde wagt es, Ew. Mas. ihren tiefgefühlten Dank zu Füßen zu legen für die vielen Wolthaten, die Ew. Maj. Regierung uns in neuester Zeit wieder erwiesen. Es ist von Seiten des Staats für uns, für unfern Cultus und unser Schulwesen nunmehr Alles geschehen, was wir wünschen können. An uns liegt es nun, uns dieser Wolthaten würdig zu erweisen, und es wird unser ernstes Bestreben bleiben, uns als treue Unterthanen und tüchtige Staatsbürger zu bewähren. Majestät! Ich komme soeben von einer Versammlung deutscher Rabbinen zurück; dort wurde die Frage aufgeworfen: inwiefern der Jude sein Geburtsland als sein Vaterland zu betrachten habe. Und es wurde nachgewiesen, daß der Jude selbst dem Staate, der ihn als Stiefkind betrachtet, mit allen Kräften dienen müsse; denn das Judenthum verlange Wirklichkeit, des Rechts und des Gesetzes auf Erden; was nur im Staatslcben zu erreichen sei. Wie viel mehr müssen wir für einen Staat begeistert sein, der uns nicht als Stiefkinder, sondern als echte Kinder betrachtet; für einen König, der unsere Religion gleich jeder andern schätzt und liebt; für ein königliches Haus, das in den finstersten Zeiten dem Juden Zuflucht und Schutz gewährte. Gott erhalte Ew. Majestät!" Der König erwiderte hierauf: „Sie wissen, daß nicht bloö hier, daß auch in meinen Niederlanden viele Juden im Staatsdienste find, und ich kann mich deßhalb nur freuen. Sie haben sich immer als treue und bewährte Unterthancn und von je her als die besten Freunde meines Hauses gezeigt. Meine Staaten waren ihnen immer eine offene Zufluchtsstätte, und sie haben sich aufs rühmlichste dieser Wolthat dankbar erwiesen." Portugal. Erora, im Juli. (D. A. Z.) Die osficielle Zeitung publicirt folgenden curiosen Artikel. „Ein bekehrter Jude, David Sabatta, ist ein Marokkaner von Geburt, und ein Jude von Religion. Er diente in der marokanischen Miliz, und da er einrn Bruder in Portugal hat, so kam er hierher, um ihn zu erfragen. Er schiffte sich in Algarbien aus, und kam mit dem g&> hörigen und legalen Passe versehen, am 29. Juni in Erora an. Hier gab er seinen Entschluß kund, sich zum Christenthumr bekennst zu wollen, wozu er, wie er sagte, durch zwei Visionen bewogen worden, worin er uusern Herrn Jesus Christus gesehen, welcher ihm in der zweiten sagte, indem er ihm auf die Schulter klopfter „David, laß dich taufen, denn ich will dich erlösen.» Der Generalvicar, welcher unser Erzbisthnm verwaltet, befahl einem unterrichteten Priester ihn zu catechistren, und wendete als kluger und vorsichtiger Man» Alles an, um die Auftichtigkeit dieser wunderbaren Bekehrung zu erforschen, ließ auch von Algarbien Auskunft über den neuen Catechumeneu kommen. Dieser seinerseits kleidet sich auf portugiesische Art und spricht ein wenig portugiesisch. Er schreibt arabisch, aber es hat sich ergeben, daß er selbst in der Religion, in welcher er erzogen wurde, ziemlich unwissend ist. Die Zeit wird dieses wichtige Ereigniß mehr aus^ klaren und seinen Absichten Gerechtigkeit widerfahren lassen.» Sollte besagter Renegat vielleicht ein Spion des Kaisers vou Marokko sein? Italien. Rom im Juli. (D. A. Z.) Die letzte Anwesenheit des Barons v. Rothschild in Neapel soll die Präliminarien zu einer freien socialen Stellung der hier ansässigen Israeliten vermittelt haben. Wir zweifeln daran, denn Rothschilds Finanzpolitik ist bekanntlich zu exclusiv, und andererseits leben die Juden in Rom nicht eben in unangenehmeren Civilverhältnisseu als anders»» in Italien, Frankreich und manchen katholischen Theilen Deutschlands. Davon zeugt der alljährliche Wachsthum ihrer Gemeinde, deren Seelsorge durch fünf Synagogen gehandhabt wird. Allerdings wohnen auch hier die Juden in einem besonderen Quartiere, dem Ghetto, gegenüber Trastevere, und dieser Ghetto ist zur Nachtzeit verschlossen. Auch sind sämmtliche Gemeindeglieder zu wiederholten Malen jährlich eingeladen, in der katholischen Kil^^St. Angelo in PeScheria, der Predigt eines gelehrten Dominikaners beizuwohnen. Doch ist auch da dem freien Willen kein Zwangsgesetz vorgeschrieben. Fremden erzählen die Lecandieri viel von der auch durch Görhe bekannt gewordenen Carnevalscerrmvnien der Hebräer aus dem Capitole im Saale des Senators. Eine Deputation aus ihrer Mitte ist gehalten, jährlich dort durch einen öffentlichen Akt dem Oberhaupte des Kirchenstaates Respect und Gehorsam zu geloben. Jedermann kann die Ceremonie mit ansrhen. Sie ist nur eine formale und »nr der Mißverstand (?) wird sie odiös finden. Ungarn. Pesth im August. (Corresp.) Mit Freuden werden Ihre Leser vernehme», daß nun auch Ungar» an der geistigen Bewegung, welche die deutsche» Juden schon seit einen: halben Jahrhundert fortgeriffeu, Antheil nehmen will. Davon geben die eben herausgekommenen „Blätter für israelitische ungarische Angelegenheiten" redigirt von einem unserer Gelehrten und verlegt von Otto Wigand in Leipzig, einen rühmlichen Beweis; sie sind