Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-09-01 · Heft 35 (1.9.1844) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 35 (1.9.1844)
Date
1844-09-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2566751-2566911-2566947--1110-2568853
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sie bei der so weit fortgeschrittenen religtSS-fittliche» Anschauung «ad bei der viel freieren äußeren Stellung der Israeliten die -eistige Bewegung, welche von den Talmudisten auSging, zu dem rechte» Punkte führte, die völlige Trennung des Politischen vom Religiösen im mosaischen Gesetze forderte. Wir sagen die geistige Bewegung; denn daS ist am Ende das Wesen, der Grund und der Boden aller Fortbildung, daß der Geist sich nicht de« Buchstaben unterordnete, daß er ein Hinausgehen über denselben sich gestatte; in wie weit er nun dieses thun, in welchem Umfang und mit welcher Fruchtbarkeit er über dem Buchstaben gebiete und immer neues und frischeres Leben, angeweht von dem inneren Hauche des göttlichen Wortes und genährt durch das höhere Bedürsniß der Zeit, erzeuge, daran hat freilich der Standpunkt, seiner Bildung überhaupt, seine ganze religiössittliche Lebeusauschauung einen sehr mächtigen Antheil; und darum wollen wir die Gegenwart preisen und namentlich es an Holdheim rühmen, daß er bis zu der rechten Höhe vorgedrungen, aber darum nicht weniger die Talmudisten in Ehren hatten, die, so viel Befangenes, Verkehrtes und Verwerfliches auch sonst an ihnen haftete, doch in dieser Beziehung sehr wolthätig wirkten, das Wort der Schrift vor Fäulniß und Versumpfung schützten, und durch ihre Fortbildung, durch die geistige Bewegung, welche von ihneu ausging, den Grund zu aller weiteren Bildung, ja wir dürfen wol sagen, zu dem Ausbau des heutigen geistig-freien und sittlich-starken Judenthums legten. Von der Elbe. (Corresp.) Es ist sehr schade, daß die jüdischen Blätter keine Charakteristiken berühmter Zeitgenossen liefern; ich würde sonst gleich tint solche zeichnen und zwar aus'- voller Brust, mit der ganzen Glut der Liebe, welche die erneuerte Bekanntschaft mit einem berühmten Zeitgenossen mir eingeflößt hat: Ich habe nämlich kürzlich vr. Kley in Hamburg nach vielen Jahren wieder gesprochen, und muß sagen, daß ich diese Stunde zu den glücklichsten meines Lebens zähle. Kley war mir immer eine der liebsten und achtbaren Erscheinungen am Horizonte des Judenthums. Noch zu der Zeit, wo es ganz dunkel um uns war, wo freie Aeußerungen gefährlich waren, war er es, welcher sie nicht scheute, hatte er schon in seinem CatechismuS traten schon die Schüler Mendelssohns und namentlich Peter Bär (am Ende seiner Geschichte der jüdischen Sekten) mit jenem Unterschiede hervor; auch in dem Katechismus von Kley (S. 82 bis 83) wie in diesen Blättern selbst (Jahrg. I, Nr. 7) ist neben Ludern Gründen, iusonders auch der von Holdheim angesirhrte: daß Gott ja selbst die Veränderung der Zustände und Lebens- »erhäktnisse, für welche er Gesetze gegeben, herbeigefuhrt, geltend gemacht werden. Lehren vorgetragen, auf welche erst jetzt das sich von der Schmach einer finsteren Zeit befreiende Judenthum zurückkömmt; denn in ihm war stets ein Ernst für seinen Beruf, eine Liebe zur heiligen Sache, ein Muth und ein Feuereifer, der ihn daS Wort nicht abwägen, der ihn eifern ließ, wie Pinchas für Gott und seine heilige Sache. Und so habe ich ihn noch jetzt gefunden, glühend von Liebe für die Sache des Lichtes, für daS Heil seiner Brüder, und selbst in gewöhnlicher Conversation solchen Eifer und solch inneres Feuer verrathrnd. — Die längere Beschäftigung mit diesem Manne der Wahrheit war mir ein Bedürsniß und so schaffte ich mir gleich nach meiner Zurückkunft seine neuesten Schriften an, zuerst die Geschichte der israelitischen Freischule zu Hamburg (1641); ein Monument seines eignen vieljährigen und segensreichen Wirkens; dann seine erste Morgengabe (Grünberg 1843), ein Büchlein, voll goldner Kernsprüche und Licdlekn für die ersten zarten Kinderjahre; drittens seine Blätter der Erinnerung, oder letzte Kanzelvorträge (Hamburg 1844.) die schon um eines willen, der Abschiedsrrde, im Tempel, in die Hände allerzu kommen verdient, welche Interesse an jener Gottesanstalt haben; und endlich viertens seine Prcdigt-Skizzen (Grimberg 1844), die jedem Prediger in Israel ungemein reichen Stoff zur Ausarbeitung bieten und das längst gefühlte Bedürsniß nach einem solchen Werke reichlich befriedigen. Ich lese nun, so bald mein Tagewerk beendet ist, in einer dieser Schriften und finde in allem den Mann wieder, dessen Gleichen sich mehren sollten in Israel, den Mann des lauteren, thatkräftigen Strebens, der schon in der Zeiten Dunkel es fühlte, daß anders kein Heil für uns gebe, als auf der Bahn der Wahrheit und des Lichtes und der selbst diesen Weg so ruhmvoll betrat, in seinem amtlichen Berufe sowol wie in seinem schriftstellerischen Wirken. Möge er auch daS Letztere uns noch lange widmen, er darf der Anerkennung, des Segens aller Gutgesinnten gewiß sein'. Berlin, 26. Juli. (D. A. Z.) Heute Mittag fand im Beisein von Deputieren des Magistrats und der Stadtverordneten die Einweihung eines neuen jüdischen Hospitals statt, da das alte nicht mehr ausreichte. Bei der Thronbesteigung des Königs wurde der Plan zum Baue gefaßt, die Beiträge dazu freiwillig in der Judenschaft gesammelt und die Stadt schenkte aus ihren Mitteln die Summe von 2000 Thlrn. dazu. Die Stadtverordneten hatten das Geld ohne äußern Antrieb bewilligt und der Magistrat war sofort beigetretea. Bei der heutigen Weihefeier, welche im Freien stattfand, hielt vr. Veit als Nettester der Judenschast eine sehr gediegene Rede und der Rabbine vollzog die Weihe des neuen Hauses. Geistliche Gesänge mit Pvsaunenbegleitung fehlten nicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.