Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1844)
- Date
- 1844-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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280 nicht gehalten batte." Und doch wird er, wie wir oben gesehen, von den frommsten Rabbinen ein PN8, ein "NON ,*TBM genannt, weil der promissorische Eid ihm gelöst wurde. Bei Gelegenheit des Kol-Nidre wird S. 64 ^mf den Ausdruck: „wodurch wir uns etwas versagen oder verbieten, mögen ungültig sein", als wenn alles darauf sich bezöge, als wenn nicht dem by fcO'lDtm .fürtPBJ die selbstständigen Artikel , iOjJznifc'K-il, «mn •WD^njm „so wir gelobt, geschworen, verkannt oder" rc. Vorangiengen. Wozu solche Selbsttäuschungen? Die Religion, in deren Interesse er zu handeln glaubt, wird ihm schlechten Dank dafür wissen. Das Kol-Nidre ist so allgemein gehalten wie nur möglich: alle Gelübde rc. Schwüre rc. Ob auch solche Eide und Gelübde dadurch aufgelöst werden, welche auf das Verhältniß der Menschen sich beziehen oder vor Gericht geleistet werden, hängt lediglich von dem Umstande ab, ob auch solche Eide auflösbar sind. Da dies nach den überwiegenden Ansichten im rabbinischen Judenthum der Fall ist, so ist das Kol-Nidre nicht zu vertheidigen und nicht zu retten, aber auch unsere Ehre kann nicht durch Abschaffung des Kol-Nidre, sondern nur durch Lossagung von der Theorie, welche dem Kol-Nidre zu Grunde liegt, gerettet werden. Dr. S. Holdheim. Mit Freuden haben wir diesem Aufsatze unseres freimütigen, tiefforschenden Holdheim die Spalten unseres Blattes geöffnet; obgleich die Herren Frankel, Sachs, Mannheimer und wie sonst noch unsere rabbinischen Romantiker und Apologeten heißen mögen, über Verrath — und um es nur mit ihrem Wort zu nennen — über eine riTDD schreien werden. Aber ihr Herren! könnet ihr denn wirklich leugnen, daß dieses und noch so vieles andere Unsittliche im Talmud geschrieben ist? oder könnet ihr es verhindern, daß es nicht an das Tageslicht trete, daß nicht irgend ein sachkundiger Proselyt, ein Caul, ein Fränkel, ein Barry u. a. es dem Publikum verrathen? „Aber", antwortet ihr, „was geht das uns an, was geht es die jetzige jüdische Religionsgemeinde an, wenn sich in ihren alten Schriften dergleichen Lehrsätze finden, da auch der Orthodoxeste unter ihnen nicht mehr daran glaubt, so wenig irgend ein Katholik glaubt, daß man dem Nichtkatholischen den Eid nicht zu halten brauche, obgleich es auch einmal von einem kirchlichen Oberhaupte soll gebilligt worden sein." Ganz gut! Wir sind da vollkommen eurer Meinung. Wir wissen mit euch, daß auch der starrste Rabbanite unter unfern Glaubensbrüdern vor einer solchen frivolen Ansicht zurückschrecken würde. Aber weiß das auch der Christ? Ist es diesem wol zu verdenken, wenn er bei eurer fortwährenden Bertheidigung und Verdeckung all' des Unlautern, welches sich im Talmud findet, und bei der Verehrung, welche ihr „diesem großen Fundament des uns mit der heiligen Schrift verbindenden historischen Baues!" *) zollet, es nicht glauben mag, daß ein jeder von uns, die schöne Lehre vom Eide, welche jenes heilig erklärte Buch aufstellt und heiligt, verwerfe und verdamme? Nein! es ist und bleibt wahr! Unser nichtisraelitischer Bruder kann uns nur dann erst achten, nur dann erst für innerlich - frei und sittlich - lauter erklären, wenn wir uns selbst sammt und sonders gegen jede bindende Kraft des Talmuds erklären; wenn wir nichts von dem verdecken und verhehlen, was er Schlechtes und Verwerfliches enthalt, wenn wir vielmehr vor aller Welt unsere Verachtung dagegen aussprechen und damit es wirklich beweisen, daß keinerlei Band an jenes Werk asiatischer Finsterniß uns knüpfet, sondern europäische Gesittung und die sittlich-reine Anschauung des mosaischen und prophetischen Judenthums, unser eigenstes und innerstes Leben geworden. Die Redaction. *) Worte des Hrn. vr. Zunz in seinem Gutachten über die Beschneidung. Geschichte des Tages. Deutschland. Frankfurt a. M. im August. (Corresp.) Am Sabbat CpnnN‘1 ’D) fand zum ersten Mal deutscher Gesang in der hiesigen Synagoge statt. Die Gesänge waren von dem Rabbinen Stein verfaßt und bestanden Freitag Abends in einer Cantate zur Einleitung des Sabbats 0*rn und in Predkgtliedern. Wir wollen den poetischen Werth derselben keiner Kritik unterwerfen und unsere Ansprüche auf ein geringes Maaß reduciren. Was uns wichtiger erscheint, ist die Bedeutung, die Tendenz, die aus denselben spricht. Diese ist offenbar eine retrograde, ein Versuch, erstarrte Gebräuche und erstorbene Vorstellungen wieder ins Leben zu rufen. Ist es nicht die Vorstellung vom die Herr Stein wieder Hervorrufen will, wenn er in der Einleitung zum Sabbat singen läßt: „leg' sie ab die Trauerkleider"« Wo sind denn diejenigen, die mit solchen Kleidern angethan sind? Noch mehr unserem Standpunkt widerstrebend ist das Predigtlied für den Trostsabbat (12m fCttO* Hier feiert der hier, wie in vielen andern Gemeinden, längst des Todes verblichene Trauertag der Zerstörung Jerusalems GfO HJ®n) seine Auferstehung. Da „kommt nach dem Trauertag der Tröstung Sabbat", da schmückt das Wort Gottes „Jakobs Trauerthal und seine Unglückstrümmer". Wie? Sollen wir denn wirklich den blutigen Opferdienst und das Priesterthum zurückwünschen, oder um die Rückkehr nach dem gelobten Lande, um die Erscheinung des Messias flehen, dem schwerlich Jemand folgen würde? Ist ein solches