Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1844)
- Date
- 1844-08-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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schen Erlaßjahres CJiBW) die Schuld sicherte. (-p>^2^ ^2 m '033 -l"2)." Er sehe, schließt hieraus Holdheim, daher keine andere Möglichkeit zu einer gründlichen und durchgreifenden Reform der Judenthums, als dadurch, daß die Gegenwart das ganze reformatorische Verfahren der Nabbinen als ein verfehltes und Verunglücktes erkennen und sich auf ihren Standpunkt nach der Zer. störung des zweiten Tempels zurückversetze, um die Bibel nach ihrem nüchternen Sinne zu erklären und daS Politische und Religiöse streng und scharf von einander zu trennen, (nemlich dasjenige im Gesetz und den Propheten, was nur unter gewissen Lebensbedingungen ausführbar, daher nur für gewisse Lebensverhältnisse gegeben, von dem zu unterscheiden, was unter allen Umständen anwendaar ist. Ersteres als ein politisches Gesetz für Volksverhältnisse muß wegfallen, letzteres als ein religiöses Gesetz für den Menschen und Israeliten beibehalten werden." Hierauf kömmt H. in dem Vorworte zu seinen gedachten Vorträgen zurück; nennt die Erklärungsweise der Nabbinen (im subjektiven Sinne) die rationalistische, durch welche der rein-biblische Offenbarungsglaube vielfach getrübt erscheine, beklagt sich über die Lehrbücher der israelitischen Religion, daß sie jenen Unterschied noch nicht mit der gehörigen wissenschaftlichen Schärfe angegeben, und wagt sogar den höchst freisinnigen Ausspruch, daß mit dem Opferdienste auch die aus Rücksicht auf denselben 3. B. Mos. 7, 25. 17, 11 angeordneten Speiseverbote (nemlich das des Unschlittes und des Blutes, E"]/2^rD aufhören. Ein sol- Freirnuth eines im Amte befindlichen Nabbinen verdient in der That die lauteste und dankbarste Anerkennung, und ich glaube, daß diese dem Verfasser reicht besser zu Theil werden könne, als wenn ich sie in diesem Organe des entschiedenen Fortschrittes, Namens aller unserer bessergesinnten Brüder ausspreche. In einer Beziehung möchte ich jedoch nicht mit dem würdigen Verfasser übereinstimmen: nemlich mit der Bedeutung, die auch für die heutige Fortbildung des Judenthums das System des Talmuds hat. Doch ich sehe wol, daß ich die Grenzen einer Correspondenz bereits überschritten, und behalte mir daher die Ausführung hiervon für mein nächstes Schreiben vor. Inzwischen Gott befohlen! Frankfurt a. M. Am Abend des 19. Juli wurden in der hiesigen Synagoge 16 Artikel verkündet, welche einstweilen den Weg zu weiteren Reformen unseres öffentlichen Kultus anbahnen sollen. Es sind darunter: Umänderung des na in ^2” Wtf' Abschaffung des ’OT , Umänderung des nach Maßgabe der Hold he im schen Synagogenordnung, Ersetzung des jp-ß op-» und des -pci? D durch ein deutsches Gebet, Ersetzung des naana )2^> und des NN durch eine deutsche Cantate. Es soll demnächst eia nach Maßgabe dieser provisorischen Synagogenordnung eia neues Gebetbuch unter dem Titel: „p"p jfüoa nbsn bei Lehrberger u. Comp, in Rödelheim er« scheinen. In seiner Predigt vom 20. Juli rechtfertigte Herr Stein diese vorläufigen Neuerungen von der Kanzel herab, in» dem er darauf hinwies, daß die neue Ordnung mit der in der sog. portugiesischen Synagoge längst bestehenden vollkommen überstimme. Am 25. Juli wird 2"n noch ganz nach dem alten Herkommen begangen werden, und diese werden dann die Schwanenlirder des alten Herkommens sein; denn mit dem Abend des 26. wird der Choralgesang und mit ihm die provisorische Synagogenordnung eingeführt werden. Eine definitive Synagogenordnung dürfte vor Vollendung der neuen Synagoge in »pv schwerlich zu Stande kommen. Kassel im Juli. (D. A. Z.) Neben dem Vereine der Gustav-Adelph-Stiftung, der die Förderung des Heils der evangelischen Gesammtkirche, vornemlich im Ausland, überall, wo die evangelischen Glaubensgenossen einer Unterstützung für ihre kirchlichen Einrichtungen bedürftig sind, sich zum Zwecke seiner Bestrebungen gesetzt hat, ist hier ein anderer Verein, ebenfalls von religiöser Tendenz, entstanden, der seine Wirksamkeit aufdasInland beschränkt, indem er sich die Bekehrung der Juden in Kurhessen zum Christenthume zur Ausgabe gemacht hat. Er ist von den hiesigen orthodoxen Frommen gestiftet und ihm auch die höhere Genehmigung für seinen Bestand und für die Entwickelung seiner Thätigkeit zu Theil geworden. Dieser Verein hat bereits mehrere Agenten in der Eigenschaft von Missionären angenommen. Man glaubt indessen im Publikum schon im Voraus nicht, daß Erfolg von den Bemühungen dieses Vereins zu erwarten sein wird. Höchstens daß einige Betteljuden sich zeitlicher Vortheile wegen überreden lassen dürften, den Glauben ihrer Väter zu wechseln und sich durch Annahme der Taufe im Aeußern zum Christenthume zu bekennen. Aus Galizien. (Corresp.) Nehmen Sie heute mir einigen kurzen Notizen vorlieb! Kohn lebt in Lemberg in vollster Ruhe; allein sein Umgang besteht doch vorläufig noch blos in dem Vorstande, der ihn nach Gebühr ehrt und hört, die Masse hält sich noch fern von ihm und fürchtet sich, einem Mann zu nahen, der deutsch gekleidet ist. Seine Stellung ist insofern, daß es ihm gelingen wird, einen Einfluß auf die Gesammtheit zu üben, eine sehr schwierig«. Seine Predigten find, ihrem Inhalt nach, sehr gediegen; an seinem Vortrage jedoch wird der singende Ton getadelt. — In Brody beginnt wieder ein Streit über die Tvdten, und Sie wissen ja, daß die Orthodoxie in dem Tod ih»