Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1844)
- Date
- 1844-08-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ttn tüchtigste« Bundesgenossen hat (^^ DJJ ITD WTD)# die Furcht des gemeinen Mannes ist das Polster, auf das sie ihre Vägen Glieder hinstreckt. Die Todten werden nämlich auf zwei au einander mit Stricken befestigten Brettern getragen und mit einem zerrissenen schwarzen Tuche bedeckt; die Träger, aus der Hefe des Volkes, Trunkenbolde, die einander auf dem Wege ab- Losen, rufen den ganzen Weg hindurch ihr: nOD np*lJJ/ ja, ich kann sagen: ihr, denn das Geld wird nicht für allgemeine Wohlthätigkeit gesammelt, sondern fließt in ihren Säckel, «nd dient zum Ankäufe von Branntwein. Der Skandal dabei ist Wirklich gränzenlos, und wie von diesen Menschen die ernstwürdige Todtenbegleitung entweiht wird, läßt sich nicht beschreiben. Vor Kurzem kam nun der Befehl vom Magistrate, eine anständige Leichenordnung herzustellen und die Todten auf einem Wagen zu ihrer Ruhestätte zu fahren. Da sollten Sie nun einmal das Rennen und Jntriguiren der elenden Frömmler sehen'. Täglich versammeln sie sich bei dem Rabbinen, um diesen Beschluß zu vereiteln, bald durch List, bald durch Geschrei, bald durch — Bestechung, an ihrer Spitze der unsinnige Rabbi und ein heuchlerischer Vorsteher. Da schreiten sie einher, den p^i im Arm und auf ihn hinweisend, daß, wenn Einer sich erkühne, in den Gebräuchen der Todtenbestattung etwas zu ändern, eine Pest die Welt heimsuche und die Vornehmen der Stadt in großer Gefahr sein werden; der genannte Rabbi, sein würdiger Genosse Ehajes, Kreisrabbine in Zolkiew und andere Thoren unterstützen fie mit ihren Gutachten! Die Angesehenen, welche dem ekelhaften Treiben Einhalt thun könnten, halten sich fern und sehen es gleichgültig mit an: wenn der Magistrat nicht mit Ernst auf seinem Entschlüsse beharrt, so feiert die Dummheit einen neuen Sieg. Dies der Zustand des aufgeklärten Brodp. Straßburg im August. (Corresp.) Ist Ihnen nicht die Schrift: »Zuruf eines Christen an die Schriftsteller des franzöfischen Volkes von G. de Felice;« von K. Dielitz ins Deutsche übersetzt, (Berlin, bei Oehmigke) zur Hand gekommen, mein verehrter Herr Redacteur? Sie sollten dann kein Bedenken tragen, sie recht angelegentlich den Lesern Ihres Blattes zu empfehlen. Nicht weil es Noth thäte, bei den deutschen Juden gegen den ftanzösischen Skepticismus und Materialismus zu predigen! Gottlob! diese Richtungen haben sich noch keiner Aufnahme unter ihnen zu erfreuen. Dazu haben sie doch noch zu viel Tiefe und religiösen Ernst von den Vätern her; und Hr. Weil (ich meine «icht den Frankfurter und auch nicht den Stuttgarter, sondern den Pariser, den Freund Edgar Bauers, den rüstigen Mitarbeiter am Telegraphen) wird wenig Sympathien unter seinen Glaubensgenossen finden. Aber — offen gestanden — auch das spricht mich gar nicht an, daß in neuester Zeit bei der Besprechung unserer Emancipation die materielle Seite derselben so in den Vordergrund tritt, daß es den Schein hat, als sei es uns mehr um das Aeußere zu thun, mehr um Rechte und Freiheiten, als um das Recht und die Freiheit, das heilige, göttliche Recht und die hohe, himmlische Freiheit, die darin besteht, daß der Erdensohn in der gemeinnützigen Anwendung aller der Kräfte, welche ihm von Gott gegeben, nicht gehemmt, daß der Mensch durch den Menschen nicht verhindert werde, seinen Beruf als Mensch, als Bürger und Mitglied der staatlichen Gesellschaft zum Nutzen und Frommen derselben auszuführen. Noch weniger will es mir behagen, wenn bei unserer höchsten und dringendsten Emancipation, bei unserer religiösen Fort- und Umbildung daS Gute, welches uns in bürgerlicher Beziehung daraus erwachse, allzustark zur Sprache gebracht wird. Dadurch wird offenbar die Sache, welche an sich von so heiliger Bedeutung ist, herabgewürdigt, und ich möchte daher jedem, der nicht den religiös-sittlichen Ernst unseres Nießer hat, rathen, sich mit der gedachten Schrift bekannt zu machen, die trotz ihrer einseitigen und etwas mysteriösen Anschauung doch durch den hohen religiösen Geist der in ihr weht, und den Verfasser dergestalt erfüllt, daß er nur in und an ihm alle menschlichen Bestrebungen beurtheilt wissen will, ganz geeignet ist, jedem, der einer materiellen Richtung sich zuwenden wollte, auf die rechte Bahn zurück zu lenken. — Belegen kann ich dieses freilich nicht, da ich sonst das ganze Buch abschreiben müßte; aber damit Ihre Leser wenigstens den Geist und die Darstellung des Verfassers kennen lernen, will ich das hierher setzen, waS derselbe über den Werth der Bibel sagt: »Ueberreden (so ruft er den so weltlich-gesinnten Schriftstellern seiner Nation zu) möchte ich Euch, das Buch zu öffnen, vor welchem Pascal, Newton und Leibnitz, die drei tiefsten Denker, welche seit drei Jahrhunderten aufgetreten sind, ihre hohe Intelligenz ehrfurchtsvoll beugten; das Buch, aus welchen Milton und Torquato Tasso, die beiden ersten epischen Dichter der neuern Zeit, ihre erhabenen Eingebungen schöpften; das Buch, welches uns den einzigen Redner gab, den wir denen des Alterthums entgegensetzen können; das Buch endlich, dem der berühmteste der französischen Autoren unserer Epoche *) das verdankt, was es Bestes in seinen Schriften giebt: das Buch der Bücher — die Bibel! Sie ist, und daS gesteht ein Jeder, die magna Charta der Rechte des Menschengeschlechts seit achtzehn Jahrhunderten; sollte sie nicht auch, seit derselben Zeit, die Hauptquelle aller guten Literatur sein?" *) Chateaubriand. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersseld.