Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1844)
- Date
- 1844-08-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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293 welcher in 100 Ciclus 1900 Jahren schon mehr als 9 Tage betrifft." „Aus dem bis hierher Erörterten ergibt sich: s. Mofes rechnete nach Sonnenjahren, welche mit der Frühlingsnachtgleiche, als dem ersten Abib, anfingen. b. Das Osterfest, wornach sich alle Feste des Jahres richteten, müßte am 14. Tage nach dem Neulicht des Abib's gefeiert werden. Die Ostergränze konnte den Zeitraum von 29 Tagen nicht überschreiten, und fällt zu unsrer Zeit vom 21. Marz bis 19. April (nach dem bestehenden Kalender vom 24. März bis 26. April,) jedenfalls 8 Tage außerhalb des Abib's. c- Zur Zeit Samuels und des Talmuds waren die Nachtgleichen schon bedeutend vorgerückt. Rabbi Ada mit dem Stande der Wissenschaft bekannter, fand sie zu seiner Zeit um mehr als 8 Tage gegen die des Samuel vorgerückt; er entschloß sich daher, den Kalender zu verbessern. Da er aber nicht gegen die, Jahrhunderte bestandene Gewohnheit, die Jahre nach dem Monde zu berechnen, und nach Art der Griechen und Römer Monate einzuschalten, handeln konnte, und sie daher beibehielt, mußte bei weiterem Vorrücken der Nachtgleichen oft ein Schaltmonat im Abib eingeschoben werden. Die Folgen dieses Systems sind: cl. Daß die Gebote Gottes nicht befolgt, die Feiertage nicht zu den gehörigen, sondern zu ganz andern Zeiten gefeiert werden. e. Wird dadurch gegen ein ausdrückliches Gesetz *6) „du sollst nichts hinzufügen" gehandelt/ daß ganz unnützer Weise sechs Arbeitstage im Jahre zu Feiertagen umgeschaffen werden, was im Jahrhunderte der Unwissenheit entschuldiget werden konnte, bei dem jetzigen Stand der Exegese und der Wissenschaft aber ein freventliches Vergehen gegen die Gesetze Gottes ist." Der Verfasser schließt seine Betrachtung mit den beherzigenswerthen Worten: „Wenn im 8. oder 9. Jahrhunderte Rabbi Ada (oder wer es gewesen sein mag), als ihm die Wissenschaft die Ueberzeugung gab, daß die Zeitrechnung des Samuel und des Talmuds unrichtig ist, eine verbesserte Festrechnung entwarf, die von der ganzen Nation angenommen wurde; wenn selbst, wie in unfern Zeiten geschehen, 40 deutsche Rabbinen sich vereinigen konnten, ein Anathema gegen zeitgemäß anständigen Gottesdienst zu schleudern; sollten bei den jetzigen Mitteln der schnellen Verbreitung, bei der Empfänglichkeit der Menschen für Wahrheit, je mehr sie an wissenschaftlicher Bildung zunehmen, sich nicht 40 wahrheitliebende den ganzen Umfang ihrer Pflichten erkennende Rabbinen vereinigen können, um zeitgemäße Gutachten zur Erhaltung und Stärkung der väterlichen Lehre abzugeben." Wir hegen von Herzen den Wunsch, daß diese Erwartung des Verfassers in Erfüllung gehen möge, obgleich wir bei dem fraglichen Gegenstände kaum Hoffnung hierzu haben. Dazu ist er doch noch nicht genügend erörtert, und wurzelt die bisherige Einrichtung ihres mehrhundertjahrigen Alters wegen auch noch zu tief in dem Bewußtsein des Volkes, als daß eine Vereinigung von 40 Rabbinen von entschiedenem Erfolge sein könnte. Um so verdienstvoller ist es aber vom Verfasser, daß er der erste war, welcher Licht über einen Gegenstand zu verbreiten suchte, der bis jetzt in ein so tiefes Dunkel gehüllt war. Möge er auf diesem Wege fortfahren, möge er andere populäre Abhandlungen, welche er uns zu geben versprochen, recht bald der Untersuchung über diesen hochwichtigen Gegenstand folgen lassen. Der Dank aller Gutgesinnten ist ihm gewiß, und was die Gegenwart nicht ganz zu fassen und anzuerkennen vermag, wird ganz gewiß die Zukunft mit Freuden und mit Ueberzeugung aufnehmen, und segnend den Namen desjenigen nennen, der im spätesten Alter noch so frische Saat für ein kommendes und freieres Geschlecht auszustreuen suchte. — Geschichte -es Tages. Vom Rhein im Aug. (Corresp.) Die Rabbiuenversammlung ist nun seit mehreren Wochen zu Ende, und Nachrichten und Urtheile über sie sind auch schon ziemlich verbreitet, obgleich die Protokolle, denen man begierig entgegensieht, noch nicht bis zu uns gedrungen, vielleicht noch gar nicht veröffentlicht sind. Natürlich tragen diese Urtheile eine starke individuelle Färbung; eine solche zeigt sich besonders in der Kritik PhilippsonS, die eine» tiefen, wenn auch etwas verhaltnen, Ingrimm durchblicken läßt. Die Versammlung hat einen sehr richtigen Tact bei der Wahl ihrer Beamten gezeigt, und dieser Tact hat sie auch bei ihren Berathungen geleitet. PH. nennt die überwiegende Richtung die alogische« und spricht sich damit die Logik ab; seine weiteren Faseleien von Gemüthlosigkeü sind verwaschene Redensarten. Wen» man die Versammlung unpraktisch nennt, weil sie mehr Prinzipien scharf gefaßt und entwickelt hat, als vorläufig zu Resultaten für das Leben gelangt ist, so verkennt man damit die höhere Praxis, di« Uux auf lebensvollen Gesinnungen ruht und diese daher zu ihrer