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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-08-18 · Heft 33 (18.8.1844) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 33 (18.8.1844)
Date
1844-08-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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26? det, daß die Juden noch immer Stoff zu einer Speckalgefchichte bieten, während sie die Schicksale der Völker, denen sie angehö« ren, im Allgemeinen theilen. In dieser Beziehung bringen die Arbeiter-Aufstände in Schlesien und Böhmen auf ernste und trübe Betrachtungen. In Schlesien waren die Fabrikanten Christen; die mit denselben unzufriedenen Arbeiter richteten ihre Angriffe allein gegen sie, die übrige Bevölkerung blieb dabei unbetheiligt. In Prag waren die Fabrikanten Juden, und dieser Umstand gab der Sache eine andere Wendung. Einerseits schloß sich den unzufriedenen Arbeitern ein Theil der Bevölkerung an. und anderseits waren die Angriffe nicht mehr gegen die Fabrikanten gerichtet, sondern gegen die jüdischen Einwohner im Allgemeinen. Wahrscheinlich würde, wenn die Gesetzgebung des Kaiser Josephs H. befolgt und in demselben Geiste vervollkommnet worden wäre, so etwas dort in unserer Zeit wol nicht mehr vorgesallen sein. Denn es würden dann nicht blos die Christen, sondern auch die Juden mit andern Ansichten erzogen und herangewachsen sein, und Predigten über die Weisheit der talmudisch - rabbinischen Satzungen, wie Hr. Sachs heute noch deren halten soll, nur von einem Tollhäusler angehört haben. *) Frankfurt im Juli. (Corresp.) Bor allem unfern Dank für die in Nr. 28 uns gewordene Belehrung, daß das Hüpfen zu den religiösen Gegenständen gehört;**) wir bekennen, daß wir der Ansicht waren, es habe damit nicht viel aus sich, und es sei nach dem Sprüchworte „gehüpft wie gesprungen". Doch Sie als wolbestallter Rabbine müssen das besser wissen, und so mag den fortgehüpst werden in alle Ewigkeit. Inzwischen sind hier liturgische Neuerungen vvrgenommen worden, und einige Gebete oder wie man sie sonst nennen will, sind ganz verabschiedet, wie p-ß cp\ n02 / lang mm JsTll, *) Unser Correspondent ist gewiß mit uns weit entfernt, den Predigten des vr. Sachs einen directen Antheil an jenen Pöbelexcessen gegen die Juden zuzuschreiben; aber gewiß ist es, — und die israelitischen Blätter müssen das auch unverhohlen ihren Lesern sagen — daß durch den talmudischen Absonderungsgeist, wie er namentlich bei den Speisegesetzen hervortritt, auch in dem gemeinen Volke die auf Fanatismus gegründete Abneigung gegen den Juden vermehrt wird, und daß die Predigten des vr. Sachs nicht geeignet waren, jenem unglückseligen Geiste entgegenzuwirken. Red. **) Unsere Leser sind wol schwerlich aus unserer Anmerkung in Nr. 28 zu dem Glauben gebracht worden, daß wir das jpyp- Hüpfen zu den religiösen Gegenständen zählen wollen, und nehmen die Entgegnung unseres launigen Correspondenten, nur als einen gut angebrachten Scherz auf, als welchen wir sie auch dem verehrlichen Publicum nicht vorenthalten wollten. andere abgeändert worden, wie , ferner spricht der pf das tPHp und sämmtliche sprechen gleichzein'g von ihren Plätzen aus mit. Am nächsten Freitag Abend, DM rGtP, kommt eine Cantate in unserer Synagoge zur Aufführung, Worte von Hrn. Stein, Musik von Hrn. Wilhelm Speyer, einem bekannten Liedercomponisten; ein Chor ist bereits eingeübt, nnd soll, si fabula vera, von einigen Instrumenten begleitet werden; immerhin ein Anfang und als solcher anerkennungswerth. Am 2JC njran hingegen wird eS in der Synagoge noch in alter Weise hergehn, hoffentlich zum letzten Male, da den zkitungemäßen mp wol auch das letzte Stündlein geschlagen haben dürste. Freilich versehen jene als unbrauchbar in den Ruhestand versetzte» Veterane fortwährend den Dienst in den sogenannten Nebenschulen, wo sie dann zwischen Spinngewebe und Moder weiter Hausen, und die Gemüther der Frommen erheben mögen, wie bis z« diesem Tage, Amen! — In Nr. 29 finden Sie, daß wir in unfern Behauptungen hinsichtlich der Beschneidung zu weit gehn wir aber glauben seitdem etwas ähnliches in Holdheims Schrift über diesen Gegenstand oder sonstwo gefunden zu haben, daß nemlich, wenn man die Obrigkeit angeht, in der Beziehung einen Zwang auszuüben, man ihr folgerecht die Befugniß einräumt, ein Verbot in entgegengesetzter Richtung zu erlassen: daö ist aber alles, was wir gesagt haben, *) und Sie müssen bei unsere» Mittheilungen weniger auf die Einkleidung, als auf den Inhalt sehen, da wir uns mit diesen Dingen nicht ex prokeaso beschäftigen, sie auch uns unmöglich so wichtig scheinen können als Ihnen; genug, wir meinen es immer gut, und eines schickt sich nicht für alle. So müssen wir auch den ersten Artikel in der Erklärung des Reformvereins gegen Holdheims Einwürfe im Vorwort zu seinen Vorträgen über die mosaische Religion in Schutz nehmen. Ihm ist wie uns „die Lehre von dem einig-einzigen Gotte und der heiligen Sittlichkeit" der Kern des Glaubens, „dem Individuum genügend", wenn auch nicht ausreichend „für eine Religionsgesellschast", ganz so wie ein concreter Staat anders organisirt sein muß, als die abstracte bürgerliche Gesellschaft, ohne deshalb aufzuhören, denselben Zweck zu verfolgen, das allgemeine Wohl. Diese Zuthaten, Verzierungen, Aeußerlichkeiten des Glaubens nun halten wir für wandelbar, sie gehören der Geschichte an, und dahinein schlägt in richtiger Würdigung die Theologie als Wissenschaft. Man kann dem Talmud jede Autorität ab- *) ES ist uns lieb, daß unser Correspondent diese authenti. sche Interpretation von seiner Behauptung gibt, denn nach dem. wie er dieselbe ausgesprochen, mußte allerdings die MeiLum; entstehen, als billigte er an sich ein polizeiliches Einschreiten gegen die Ausübung der Beschneiduug. Red.

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