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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-08-18 · Heft 33 (18.8.1844) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 33 (18.8.1844)
Date
1844-08-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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268 sprechen, und eS scheint unS fast lächerlich, an eine solche heute »och zu denken, das aber läßt sich nicht hinwegleugnen, daß er «uf die jüdische Religion im oben angegebenen Sinn, auf das, was wir als Zuthat und Aeußerlichkeit betrachten und bezeichnen, mächtig eingewirkt, und daß er sie auf seine Weise fortgebildet hat. ES läßt sich daher sehr wol auf den Talmud, als geschichtlichen Moment, Hinweisen, ohne seinem Inhalte eiue Autorität zuzugestchen, wie man sich ja nicht zum Christenthume zu beken- «ea braucht, um in demselben eine Fortentwickelung der mosaischen Religion, gleichviel nach welcher Richtung, zu erblicken. Der Artikel, welchen Holdheim an die Stelle jenes ersten Ar- LikelS gesetzt wissen möchte, und der dahin lautet: „Wir erkennen in der mosaischen Religion, wie sic in den Büchern Mose und Len Propheten gelehrt wird, mit Weglassung alles dessen, was auf die mosaische Verfassung und die abgesonderten Volksverhältnisse Israels nebst allen mit diesen im Zusammenhang stehenden Gesetzen und Riten Bezug hat, die fortdauernde Religion des Judenthums", würde zu noch weit mehr gegründeten oder ««gegründeten Ausstellungen Veranlassung gegeben haben, und Holdheim verfällt hier in den Fehler der Philosophen, welche alles nach ihren Systemen geregelt sehen möchten, was man ihnen hingehn lassen könnte, wenn sie nicht zugleich jede abweichende Ansicht als irrig und verwerflich bezeichneten. Mag Hold he im suchen, seiner Ansicht Eingang zu verschaffen und das Judcnthum darnach zu fixireu; wir haben nichts dagegen, uns würde cs gerade als Beleg für die Nichtigkeit der Fassung jenes Artikels erscheinen; so weit sind wir aber noch nicht, und selbst wenn dem so wäre, könnte die Fassung keine andere sein, wenn sie, w>. «verläßlich, auch anderen Ueberzeugungen Raum lassen sollte *). vorüber wir auf das zweite Rundschreiben des Vereins (Nr. 2j »erweisen. Frankfurt a. M. im August. (Corresp.) Vor mehreren Jahren starb dahier Hr. L. Zunz, ein braver und rechtschaffener Mann, aber unwissend und fanatisch, ein Mann auS der guten alten Zeit und Schule, und von dem Holze, aus welchem die Lehren, die Borchardt, die Hamburger rc. geschnitten werden. Man muß vermuthen, daß sich unter dessen nachgelassenen Papieren das Gutachten über die Beschneidung gefunden, und aus dem jüdischen Jargon ins Deutsche übersetzt worden ist, welches dem Hrn. vr. L. Zunz in Berlin zugeschrieben wird; man *) Es liegt uns über diese Sache, die wol eine weitere Erwägung verdient, eine besondere Mittheilung vor, welche wir demnächst unfern Lesern bringen werden. Red. müßte sich sonst wundern, wie sich im übrigen so ungleiche Männer nicht bloS im Namen, sondern auch in der Gesinnung so nahe verwandt gewesen. — Herr Stein hat neuerdings wieder gepredigt, und zwar über den Glaubenseifer mit Hinweisung auf PinhaS, versteht sich den in der heiligen Schrift, nicht den in Hessen-Cassel. Er findet immer noch zahlreiche Zuhörer und vielen Beifall, nur fängt man an üher Breite zu klagen, und er wird gut daran thun, sich etwas kürzer zu fassen. Den Alteu k-nn er übrigens nichts recht machen. So starb dieser Tage einer von ihnen, noch dazu einer der ärgsten Widersacher des Herrn Stein. Die Familie hatte diesen nicht zur Leichenbegleitung einladen lassen, und er sich bei dem Leichenzuge nicht eingcfundcn. Daran fanden sie nun etwas zu mäkeln und auszusetzen, als ob es einem Rabbinen alten Schlags jemals eingefallen wäre, sich bei dem Leichenbegängnisse eines sogenannten Neumodischen einzufinden. Wohl aber haben es die Mitglieder der Begräber- Gesellschaften häufig an Beschimpfungen des Tobten in ihrer Weise bei solchen Gelegenheiten nicht fehlen lassen, indem sie sich deutscher statt hebräischer Redensarten bedienten rc. Von dieser Seite hat Hr. Stein nichts zu hoffen, aber auch nichts zu fürchten. Bekanntmachung. So eben ist erschienen und durch jede Buchhandlung zu bcziehen, Wien bei Fr. Edl. v. Schmid u. Busch, Leipzig bei Ed. Kummer, Hersfcld u. Homberg bei F. Schuster: Kalender ». Jahrbuch f. Israelit«» auf das Schaltjahr 5605 (1645) dritter Jahrgang, herausgegrben von Isidor Busch, mit Beiträgen von M. Barach, Pr. L. A. Frankel, Abr. Kohn, vr. M. Lettens, Dr. Ludwig Philippson, S. L. Rapoport, vr. M. Sachs, vr. G. Salomon, Leop. Stein, M. E. Stern, Jos. Wertheimcr, vr. W. Wessely, vr. L. Zunz. " Jede Anpreisung erachten wir für überflüssig. Der Preis für Kalender und Jahrbuch, 21 Bogen in 8vo, elegant cartonnirt 1 Fl. Conv.-M. oder 20 Sgr. Der orthodore Rabbi W. zu G. scheint ein neues, Evangelium in der Person des dortigen Kaufmanns M. erfunden zu haben; weil Letzterer gewöhnlich zum Texte der Predigten des Erstem herhalten muß. Da gcht'S vom Rasircn, entblößtem Haupte u. s. w., kurz man sollte glauben, als gäbe es nichts Wichtigers um eine Gemeinde zu fesseln. Mit welcher Gewandtheit er denn nun diese Themata auSschmückt! Lauter Absurditäten bezüglich auf M.; für diesen u. dgl. sei z.B. das Himmelreich verschlossen; hieran knüpft W. noch einige Verdammungsurthekle auf jüd. Ketzer; tröstet zum Beschlüsse seine Zuhörer: daß wer es auf Erden gut habe, keine himmlische Freuden zu erwarten habe und — so geht es Jahr ein, Jahr auS. Doch möchte ich Herrn M. noch ein langes glückliches Leben wünschen, vorzüglich um noch viele Jahre Text-Lieferant bei Rabbi W. zu bleiben. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld,

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