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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-08-18 · Heft 33 (18.8.1844) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 33 (18.8.1844)
Date
1844-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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266 che« tu de» Staat eine konventionelle Heuchelei! Nun, so werdet 1» Eurem Sinne „selbstständig", zieht Euch zurück in eure Zellen, «nd verschanzt Euch mit Hyperbeln, die nur Ihr versteht; wir «vollen indeß deutsch und offen, wie wir begonnen, den Kampf »«-kämpfen; und am Tage des Sieges kommet nur hervor, wir vollen Luch brüderlich mit in die Thore der Freiheit hineinzieche«, trotz Eurem hebräischen Mummenschanz! Breslau, 19. Juli. (Corrrsp.) Die Breslauer Zeitung »om 16. d. M. enthält folgende, wie es scheint, von einem Christen ansgehende Anfrage: „Die öffentlichen Blätter haben uns «or Kurzem die Nachricht gebracht, daß von den zu Braunschweig versammelte» Rabbinrn beschlossen worden sei, daß das verrufene Gebet Kol Nid re, das den Christen einen so gerechten Anstoß giebt, bei der Eröffnung des Versöhnungstages abgeschafft werden solle. Jemand, der es gut mit den Juden meint, erlaubt sich anzufragen, ob auch in der hiesigen so zahlreichen jüdischen Gemeinde dieses Gebet, welches so großem Mißbrauche unterliegt »nd zu so vieler Verdächtigung Anlaß giebt, beseitigt-werden wird? « Eine Antwort ist bis jetzt noch nicht darauf erfolgt. — Unser Synagogenwesen scheint in einen neuen Wendepunkt zu treten. Bekanntlich haben wir hier keine Gemeindesynagoge, eine Thatsache, die-, so auffallend sie bei einer so großen Gemeinde ist, doch tief in) deren Geschichte begründet ist; die Gesellschaft der Brüder war es, welche seit einer langen Reihe von Jahren die Stellvertrcterin der Gemeinde war und stets die größte Synagoge miethweise besaß, natürlich neben einer nicht geringen Zahl von Betstuben, sie war es auch, welche dem Geiste der Zeit für ihren Gottesdienst ein kleines Zugeständniß machte. Die schöne große Synagoge, welche jetzt fast 16 Jahre besteht, wurde bis zum Oktober v. I. von ihr verwaltet, und alle löblichen Anordvungen der Gemeinde fanden in dieser ihre Verwirklichung. Allein »m jene Zeit traten Conflicte zwischen der genannten Gesellschaft und dem Eigenthümer der Synagoge ein, so daß das Miethsverhältniß zwischen ihnen aufgelöst wurde, und zwei Männer, die dem Vorstande dieser Gesellschaft angehören, traten vermittelnd ein, diese Micthe für ihre eigene Person zu übernehmen, während die Gesellschaft jedoch, wenn auch nicht bestimmt ausgesprochen, als Mietherin im Hintergründe stand. Allein Umstände veranlassen auch die Auflösung dieses Verhältnisses mit dem kommenden Oktober, und der größere Theil der Gemeinde steht daher ohne Synagoge wie die große Synagoge ohne Miether. Es muß immer zu solchen Extremen kommen, damit ein ernsterer Schritt geschehe, und so hören wir, daß es jetzt im Werke ist, eine Synagogengesellschaft zu bilden, welche die Erwerbung einer angemessenen Synagoge, mit einem den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechenden Gottesdienste bis zur etwaigen Errichtung einer Gemeindesynagoge sich zur Aufgabe stellt. Hoffentlich werde ich Ihnen bald Näheres über das Resultat dieses Unternehmens mittheilen können. — Die Nr. 26 des „Israeliten" und in ihr besonderder Schluß des Stern'schen Sendschreibens findet hier unter den wahrhaft Gebildeten einen großen Anklang; das ist eine tüchtige, durchgebildete Ansicht, eine warme und zugleich freie, aber edle und dem großen Gegenstände angemessene Sprache. Man hofft und wünscht, daß Stein antworten werde. — Interessant ist, daß der hiesige Lehr- und Leseverein bereits an mehreren Orten Anstalten ähnlicher Art hervorgerusen hat; Gleiwitz in Oberschlesien, Kempen und Rawicz in Posen haben bereits ähnliche Vereine, welche der Literatur einen Eingang ins Leben verschaffen und auf dieses veredelnd einwirken. Den 21. Die vorgestrige Zeitung enthielt eine Entgegnung auf die Anfrage über Kol-Nidre; sie sprach sich dahin aus, daß dasselbe kein Gebet, sondern eine Erklärung sei, unbesonnene Gelübde von vorn herein zu entschuldigen, diese Erklärung habe jedoch auf die Verhältnisse zu einem Dritten keinen Einfluß; einen solchen unschädlichen Gebrauch abzuschaffen, kann daher der Einsender nicht anrathen, glaubt vielmehr, der Rabbine solle immer vor Beginn des Kol-Nidre dasselbe nach Inhalt und Bedeutung erklären, um jeder Mißdeutung vorzubeugen. Der Anfrager jedoch beruhigte sich damit nicht, behauptet vielmehr in der gestrigen Zeitung, daß man das nicht einen unschädlichen Gebrauch nennen könne, bei welchem zugestandener maßen der Mißdeutung vorgebeugt werden müsse, dessen mancher Gewissenlose als Stütze, mancher Feind als Waffe sich bediene: da nun die Formel eine gehaltlose sei, so müsse sie abgeschafft werden, er fordert daher dringender eine Antwort. Wir sind auf das Resultat dieses Streites begierig. — Der Aufruf zur Bildung einer Synagogengesellschaft zählt bereits eine namhafte Anzahl von Unterschriften, und dieselbe wird sich bald eonstituiren; die Bedingung, daß der Gottesdienst dem Bedürfnisse der Gegenwart entspreche, wird, wie ich höre, stark prononcirt. Den 28. Da ich die Absendung meiner Correspondenz verschoben habe, so kann ich Ihnen sagen, daß die Synagogengesellschaft bereits etwa 250 Mitglieder zählt; es soll eine angemessene Synagogenordnung entworfen werden, die vom 1. October an in Kraft tritt. Bald Höffe ich. Ihnen Genaueres melden zu können. Vom Rhein. (Corresp.) Wie man hört, ist vr. Jost mit Ausarbeitung einer Fortsetzung seiner Geschichte der Juden beschäftigt, welche bis auf unsere Zeit fortgeführt werden soll. Es ist sehr unglücklich, aber, wie schon oft bemerkt, nicht unverschul-

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