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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-08-18 · Heft 33 (18.8.1844) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 33 (18.8.1844)
Date
1844-08-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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SSL Rabbinenversammlung hat er keinen Theil genommen, kurz, er scheint das bequeme: bene yixit qui bene latuit zu seiner Devise gewählt zu haben. Wo aber, wie bei der Besprechung der Tagesbegebenheiten im vierten Hefte der Zeitschrift, sein innerer verhaltner Groll, seine grämliche, herbe Laune hervorbricht, da läßt er leider keinen Zweifel mehr darüber, ob er Hammer oder Ambos ist, ob er rückwärts oder vorwärts schaut. Seiner Stellung nach scheint Hr. Frankel die Vermittelung der extremen Seiten im jüdischen Leben und in der Wissenschaft zu wollen; aber ihm fehlt das Sanfte, Liebreiche, Hingebende, wodurch allein ein Werk der Versöhnung vollendet wird: sein schroffes Wesen stößt nach beiden Seiten hin ab, statt einen Punkt für die friedliche Verschmelzung abzugeben. Hr. Frankel sieht alles durch die Brille des Mißtrauens; was Wunder, wenn sich ihm die geistigen Züge der Zeit verkehrt und verzerrt abspkegeln. Man wird es kaum glauben, Herr Frankel spricht über die Emancipationsbestrebungen so wegwerfend, so oberflächlich, so lieblos, wie man nur je einen incarnirten Judenfeind sprechen hörte. Er beklagt die in letzter Zeit an vielen Stellen Deutschlands sich wiederholenden Ausbrüche des Pobelübermuthes gegen die Juden, und sieht in ihnen mehr als eine bloße momentane Gereiztheit; er sieht in ihnen eine tiefere, versteckt liegende Meinung, die in allen Confessionen, in allen Richtungen der deutschen Philosophie und Wissenschaft ihre Propaganda haben soll. Und was soll der Jude dagegen thun? »er möge endlich einsehen, daß die Zeit der Kratzfüße vorüber sei, oder nie hätte sein sollen: der deutsche Jude, der nicht satt werden kann mit Versicherungen seiner Ergebenheit und wie er sich und jede Selbstständigkeit gern zum Opfer bringen will, wenn ihm nur das Prädikat der Aufklärung zugcstanden, oder ein Tktelchen oder eine Unterofficjerstelle. oder was noch mehr! eine kleine Professur oder ein Referendariat eingeräumt wird, möge er einsehen, daß auf diesem Wege nichts erlangt, aber sehr viel verloren wird." — »Vielleicht haben diese Vorfälle das Gute, daß der Jude nun auch einen Blick nach innen werfe und einsehe, wie sein in das Gewand der Aufklärung sich hüllendes Kriechen und Annähern ihn verächtlich mache, und das Sichselbstaufgeben die gehoffte Aussöhnung nicht zu Stande bringe; eine innere Selbstständig, keit, eine Charakterstärke muß er erlangen, dann wird er wenigstens in sich ausgesöhnt sein und einen Ersatz gegen äußere Unbill finden.« — So spricht ein wissenschaftlicher Rabbine von den Emancipationsbestrebungen unserer Tage. Wahrlich, traurigeres kann uns nicht begegnen, als wenn die geistlichen Lenker des Volkes, die Vertreter der Wissenschaftlichkeit in dem erwachten Judenthumeganz im Sinne der alten bornirten Ignoranz in dem Kampf unk das Lebensprincip der bürgerlichen Freiheit nichts als ein ehr- und eigensüchtiges Haschen nach Stellen und Pfründen, in der ungetheilten Hingebung an die Interessen des Vaterlandes nichts als ein heuchlerisches Kriechen sehen, und so unser heiligste- Streben in den Augen unserer Gegner zu Schanden bringen; wahrlich, wir wollten leichten Muthes noch zehn Pöbelaufstände ertragen, als solchen Verrath und Verdächtigung aus dem Munde eines Dieners des Herrn; denn jene materielle Gewalt läßt sich durch Gewalt Niederdrücken, aber solche moralische Beschuldigung nistet sich wie ein Wurm in die schönsten Früchte unsrer Arbeit ein. Herr Frankel hat für den Zustand der fortgeschrittenen Intelligenz und der religiösen Freiheit, den summarischen anrüchige« Ausdruck »Aufklärung" bei der Hand; während er die von ihm ersehnte stumpfe Abgeschlossenheit und den starren Hochmuth, der alles außer ihm mit apathischem Achselzucken betrachtet, mit dem schönen Euphemismus der »inneren Selbstständigkeit" und der »Charakterstärke" aufputzt. Was ist das für eine »innere Selbstständigkeit" die Hr. Frankel dem Staate gegenüber predigt? doch nicht etwa die korporative Abschlicßung, deren bloße Vermuthung ihn selbst zur Ablehnung des Berliner Rabbinats veranlaßte? Also die gänzliche Abwendung vom politischen Ringen der Gegenwart, die Vertiefung und Jsolirung in alte verschüttete Zustände, wo man von den Schmerzen und Wehen des Lebens nicht berührt wird — und in sich und seinem Götzen, dem tobten sinnlosen Buchstaben, selig ist, — das nennt man, in sich ausgesöhnt sein, das heißt ein Ersatz gegen äußere Unbill! Und was hat denn alle äußere Unbill, alle Schmach und alles Elend Jahrhunderte lang über unfern Häuptern erhalten, als eben jene scheue feige Flucht vor dem Lichte des Tages, und die daraus entstandne Verblendung der Völker über den Kern unserer religiösen Ueberzeugung, und das dadurch, wenn nicht erzeugte, so doch genährte und großgezogene Vorurtheil gegen uns! Diese Zeit aber wünscht uns Hr. Fr. im Grunde zurück: diese Zeit mit ihrer Aengstlichkeit und ihrer Heimlichkeit, da kein Einziger ein lautes Wort zrr sprechen wagte, um die Gesammtheit nicht verantwortlich zu machen, da man in den faulen Zuständen lieber erstickte, als daß man das Licht der Oeffentlichkeit hineindringen ließ. Man lese nur was Hr. Fr. eine Seite weiter über die Angelegenheit de- Herrn H. Lehren sagt, den er gar sehr lobt, daß er gegen seine deutschen Feinde »in hebräischer Sprache schrieb, deren Hyperbeln uns verständlich", und man urtheile ob wir übertreibe«. Und mit dieser Zeit der Sklaverei und der Demuth als Ideal! im Herzen, nennt man die unsere eine Zeit der »Kratzfüße", und> schilt das von der geschichtlichen Nothwendigkeit gebotene Aufg»»

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