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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-08-18 · Heft 33 (18.8.1844) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 33 (18.8.1844)
Date
1844-08-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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S6S rakteristik vor. Der Verfasser erklärt die verschiedenartige Form und Farbe jener Blätter nach dem eigenthümlichen religiösen Charakter des Landes, dem sie entsprossen, und «ach diesem Maaßstabe werden die periodischen Erscheinungen: Archive« israelites v- Cohen, the voice of Jacob v. Francis, the Occident von Leeser, die re: vue orientale v. Carmoly, Kerem Chemed v. Goldenthal, Pirke Zaphon von Hurwitz und Piun der Reihe «ach gewürdigt. Am schlimmsten kommt bei dieser Rundschau Herr Carmoly weg, dessen literarhistorische Wirksamkeit die Bibliographen so oft indignirt hat. Es Zehören freilich die tüchtigen Kenntnisse Geiger's dazu «m die Charlatanerien eines Mannes aufzudecken, der Lei seinen allerdings schätzbaren Kenntnissen, wenn diese redlich im Dienste der wahren Wissenschaft verwandt würden, manches Rühmliche leisten könnte. Wir können es freilich nicht verhehlen, daß Carmoly nicht wenig irre geleitet wurde von unfern kritischen Journalen, die statt ihn über feine Jrrthümer zu belehren, in ihrer Unschuld ihn nur dar darin bestärkten, indem sie ganz unbefangen ihm nachschrieben, ganz ähnlich wie in neuester Zeit dem Hrn. Professor Frank wegen seines schlechten Machwerks 5,1a Cabbale“ (von dem, wie wir hören, leider eine deutsche Uebersetzung in Leipzig vorbereitet wird) gelobhudelt wird. — Ueber die Gesammtrichtung des Kerem-Chemed und über die charakterische Verschiedenheit ihrer italienischen und polnischen Träger spricht G. sehr treffend: „Die italienische Gelehrsamkeit liebt ein breites, solides und Nüchternes Wissen, vertieft sich jedoch keineswegs in philosophische Speculation, dringt nicht gern kritisch ein in die vor Alter unwegsamen Gänge, wo man ohne sichern Führer sich überall den Pfad selbst erst durchhauen muß, hält sich vielmehr lieber an die Wege, welche über die verschütteten Gänge gewöhnlich worden sind; — die sinnliche Glut, welche den Italiener umfängt, wandelt einen jeden philosophischen Anflug in mystische Schwärmerei um, und die Sehnsucht nach der sinnlichen Form läßt ihn am Aberglauben haften. Luzatto steht in seiner Bildung hoch über diesem gewöhnlichen Niveau, er hat einen gesunden kritischen Sinn, wenn seine Kritik auch wehr eine philologische ist, er ist der Kabbala und dem Aberglauben von Herzen gram; aber dennoch ist ihm die Kritik sehr bald verdächtig als ein Rütteln an der Grundlage, er hat eine wahre Scheu vor der Philosophie, selbst in den Alten, einem E. E., einem Maimonides, ist sie ihm widerwärtig.-Sehr verschieden ausgeprägt ist der polnische Charakter. Eitelkeit ist der hervorstechendste Zug; ein reiches Wissen wird angestrebt, und man fühlt sich eben so verletzt und beschämt durch das Eingeftändniß von einem Andern zu lernen, wie durch den Nachweis, daß man diese oder jene Stelle übersehen habe, hingegen ist das gerade die größte Freude des Gegners, diese beschämende Thatsaibe an's Licht zu bringen. Doch kann das Wissen an sich nicht genügen, denn dieses steht einem Jeden durch den Fleiß offen, und das auszeichnende Eigenthum kann bloß die geistige Kraft sein, die sich daran übt, gleichviel wie, wenn nur die Kraft sich zeigt; also der Scharfsinn, der umherwirst, Knoten schürzt und löst, durch eine chaotische Masse sich durchwindet und nun durch seine Kunst, die Ueberraschungen, die er erzeugt, das bewundernde Ah! des erstaunten Zuhörers oder Lesers abnötigt, — das ist der höchste Triumph! Daher das unselige Pilpul- oder richtigen Bilbulwesen, das ekelhafte mv&, daher die widerwärtige Halagah mit ihrem frivolen: „wenn es auch nicht wahr ist, so ist es doch gleich" und alle jene Verirrungen des Geistes, die wir Gottlob in Deutschland so ziemlich hinausgefegt haben. Daß Rapaport nicht in diese Kategorie gehört, dafür bedarf es keiner Versicherung; er hat wirklich eine reine Liebe zum Wissen, als solchem, er hat einen höchst glücklichen Tief- und Scharfsinn, der zu graben, zu lösen und zu verbinden weiß, und dennoch naturam si expellas furca, tarnen usque recurret. Sein Scharfsinn leuchtet, schießt gleich Raketen empor und er erhellt auch wirklich manches Gebiet, aber doch wird dann oft das Pünktchen, das er überschaut, zu einem breiten Gebäude umgearbeitet, und die Hypothese mit einer großen innern Zuversicht ausgeführt. Freilich verdanken wir diesem Verfahren treffliche Untersuchungen, seiner Capacitat Vermuthungen, die sich dann glänzend bewährt haben, und selbst Jrrthümer auf solch dunkeln Gebieten bleiben auch werthvoll durch ihre anregende Kraft. Aber da tritt dann auch wieder eine andere Eigenthümlichkeit ein, daß Rap. nicht leicht zugeben kann, er habe geirrt, und mit einer Kunst auch schwache Seiten zu verhüllen weiß, daß man bei solchen Vertheidigungen sehr auf seiner Hut sein muß, nicht so rasch wieder von ihm eingenommen zu werden." — Nachdem G. diese Richtungen an den genannten Heften deS Kerem-Chemed nachgewiesen und auch die Pirke Zaphon beleuchtet hat, schließt er die Abhandlung mit den Wor, ten: „von andern Ländern haben wir nichts zu berichten, gönnen wir den Todten die Ruhe und erfreuen wir uns an dem Leben, das rings um uns erblüht!"

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