Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1844)
- Date
- 1844-08-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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SS» in unsrer Zeit dem Judenthume anderes Roth thut, als hohle Aeußerlichkekten, Gesang und Gefasel, und daß Anmaßung und Dünkel der Persönlichkeit, nicht der Stellung eigenthümlich ist. Hier in Frankfurt, wo Herr Mannheimer vor längerer Zeit einmal sich kurz aufhielt, wollte es ihm gar nicht gefallen; da er nicht predigte, konnte man an ihm nichts ausgezeichnetes finden; doch nein, er zeichnete sich dadurch aus, daß er die Stiefel über die Beinkleider trug. Ueberhaupt sollte man nicht mehr Rabbinen, Prediger rc. vom Auslande nehmen, insbesondre sollten es die deutschen Juden nicht, weil die ausländischen jüdischen Theologen in Wissen und Einsicht weit hinter den deutschen zurückstehn. Nun haben aber nicht nur die Wiener einen Dänen zum Prediger, sondern die Berliner haben sich nach einander zwei Böhmen zu dem Ende verschrieben, die Herren Frankel und Sachs (Sachs ist ein Glogauer; doch kömmt darauf nicht viel an. Red.); dagegen hat wieder Prag einen Polen zum Rabbinen, den in seiner Art gelehrten Rapaport, und Eopenhagen einen Darm stä dt er, den in keiner Art gelehrten vr. Wolf; der Prophet gilt nicht in seinem Vaterlande! Es hat nun ein weiterer Rabbine, Hr. vr. Herzseld in Braunschweig, wegen Nichtabdrucks eines von ihm eingesandten BeschneidungsgutachtenS öffentlich Beschwerde geführt, was zur Rechtfertigung unsrer geäußerten Vermuthung (Nr. 28) dient, und wir wollen sehen, wie Herr Kirchheim diese neue Unterlassungssünde des Wohlfahrtsausschusses, dessen Mitglied er war, erklären wird. Vielleicht kann er sich auch gelegentlich darüber äußern, wie er in einem in der Zeit. f. d. I. abgedruckten schiefen Berichte über die diesjährige Confirmation einiger Schüler und Schülerinnen der hiesigen Realschule das ravbinische Judenthum als eine Religion der That im Gegensätze zu einer Religion des Gedankens bezeichnen mag. Gedankenlos freilich ist dieses Judenthum genug, dabei aber eine Religion nicht der That, sondern des Müssigganges, man müßte denn das Tesillinlegen, das Zizisbenschen, das Lulabschütteln, das Gebeteplapprrn, das Mischnaislernen, das Smr'ressagen, das Haftolemachen, das Chumezbadlen, etwa gar das Nätzen für Thaten ausgeben. Hamburg. (Correspondenz.) Die Rabbinenversammlung zu Braunschweig, der beide Tempelprediger beiwohnten, war Veranlassung einen jungenEandidaten, Namens Schwabacher, Landsmann des vr. Frankfurther, zu hören, der sich der verwaisten Kanzel annahm. Derselbe hält sich seit längerer Zeit schon hier auf, um theologischer Studien, namentlich wol practischer Homiletik willen. Ein einmaliges Auftreten, so ex abrupto zu predigen, ohne allen Eonnex mit der Gemeinde, ist immer ein gewisse- Wag stück, hei dem Nichts zu gewinnen, oft aber viel zu verlieren ist, besonderaber bei der hiesigen Tempelgemeinde, die von jeher mehr eine kritisirende und daher eine kritische, als eine religiös empfängliche genannt werden konnte. Nichts destoweniger hat Hr. Schwabacher seine Aufgabe auf die befriedigendste Weise gelöst. An den vorgelesenen Schriftabschnitt sich haltend, und aus demselben seinen Text 5. B. M. 8, 2 nehmend, verbreitete er sich über die Führung Gottes auf dem Lebenswege jedes Einzelnen, und führte in blühender, wahrhaft poetischer Sprache das Bild aller vier menschlichen Lebensalter von der Wiege bis zur Gruft seinen Zuhörern vor die Seele, an welches lebendige Bild sich dann im zweiten kürzeren Theil die fruchtbarsten Nutzanwendungen knüpften. Legt man einige störende Aeußerlichkeiten, wohin vor allen der hier so fremdartige südländische Dialekt gezählt werden muß, nicht mit aus die Waage, so muß diese, nach dem Urtheil der Kenner, entschieden zu seinen Gunsten sich neigen und für eine recht tüchtige Befähigung den Ausschlag geben. Möchte er bald wieder und oft noch Gelegenheit haben, solche probehaltige Zeugnisse abzulegen. Für jetzt hieß eS: Einmal und nicht wieder! denn schon am nächsten Sabbat war der ordk'nirte Prediger zurückgekehrt, der in seinem Vorträge der Gemeinde einen Bericht über die Versammlung, der er beigewohnt, ablegte, wozu er, als deren Secretär,^ wol am besten ausgerüstet war. Der Vortrag handelte von dem „Segen degemeinschaftlichen Wirkens" mit dem Motto (Text wäre für eine solche Berichtpredigt nicht der passende homiletische Ausdruck) aus Koheleth: „Besser sind Zwei denn Einer, denn sie haben einen guten Lohn bei ihrem Bemühen". Dieser Segen ward denn auch näher auseinander gelegt in der dreifachen Beziehung: 1) der gemeinschaftlichen Erfahrungen, die auögetauscht wurden, 2) des gemeinschaftlichen Bestrebens, zu welchem man sich gegenseitig ermunterte, und 3) der gemeinschaftlichen Mittel, die man zwar noch nicht erkannte und aussprach, der man sich aber bedienen wolle, mit welchem Segen man sich freilich vorläufig begnügen, dessen ganze Fülle aber in fernere gewisse Aussicht gestellt werden müsse. Die Erwartungen der meisten Hörer werden wol nicht sehr befriedigt worden sein, zumal da die wunderlichsten Vorstellungen und die possierlichsten Gerüchte über das Treiben der Versammlung sich gebildet hatten. Preußen. Breslau im August. (Corresp.) Mau hat sich hier über den Artikel, welchen die neueste Nummer des »Orient" über den hiesigen Straßenjungen-Auflauf bringt, gar sehr gewundert. Mittelalterliche Aengstlichkeit in modernen Phrasen zittert durch den Artikel, ohne daß irgend ein Grund dazu vorhanden ist: denn diese kleinlichen Unruhen haben wol einigen Juden ihre Fenster