Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1844)
- Date
- 1844-08-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2566911-2566944--1081-2568821- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
256 Bestimmte». — Was sagen Sie zu der Parallele zwischen der Makkadäerzeit und der unsrigen in Frankel's neuestem (Juni.) Hefte? Der „berühmte Verfasser", wie der Herausgeber in einer Anmerkung sich ausdrückt, ist der bekannte — Stern, nicht der Göttinger, auch nicht der Herausgeber des Parchon, ebensowenig der vergeblich sich abmühende Restaurator des Neo-Hebraismus in Wien, nein, es ist der Stern des Kerem Chemed, der in neuster Zeit sich als {-p^n benimmt, kurz, es ist Rapaport. Ein Stern am lichten Tage, dessen Glanz erbleicht, KflTO &OJTI02» So lange es Nacht war, leuchtete Rapaport, nun aber der Tag immer voller hereinbricht, verschwindet er unS völlig; Hr. Rapaport aber glaubt, eS sei noch immer Nacht, weil ihn wirklich Finsterniß umgibt! Er sollte seine gesammelten Schriften unter dem Titel: „Briefe und Abhandlungen eines Verstorbenen" herausgeben. Uebrigens hat ihn vr. Berg, son im „Orient" ganz angemessen widerlegt. Hr. Rabbine Stein hat vor einiger Zeit die Eltern aufgefordert, ihre Kinder, welche dazu befähigt sind, freiwillig bei dem errichteten Chore Mitwirken zu lassen, und auch die Erwachsenen um ihre Hülfe gebeten, worauf sich eine große Anzahl gemeldet, und so haben auch die Uebungcn unter einem dazu geeigneten Gesanglehrer begonnen. Der i-fi} ^0 wird sicher abgeschafft und au dessen Stelle das früher von Stein der alten, eindringlichen Melodie angepaßte deutsche Gedicht recitirt; deßgleichen sollen dor und nach der Predigt deutsche Gesänge eingcführt werden. Don den Planen der „Orthodoxen" hört man übrigens Nichts; ich lebe auch ihren Kreisen zu fern, als daß ich von denselben Kunde erhielte. Die Zeit wird übrigens ihre mächtig siegende Kraft bewähren." Frankfurt a. M. (Corresp.) fNicht von dem vorigen Lorrespondenten.) Die Zeitungs-Nachricht, daß man in Paris daran denke, die Sabbatfeier auf den Sonntag zu verlegen, hat nun eine officielle Mitthcilung im hiesigen Journale für falsch erklärt, wiewol eine solche Maaßregel, wenn überhaupt ausführbar, in aller Beziehung wünschcnswerth wäre, und zwar weit mehr für diejvnigcn, welche diese Feier beobachten, als für die, welche sie vernachlässigen. Die unglückliche Absonderung der Israeliten tritt an ihren Feiertagen besonders grell hervor. Einzelne geschlossene Boutiquen in den belebtesten Strafe» der Städte, müßige und herausgeputzte Individuen zwischen der auf gewöhnliche Weise beschäftigten und gekleideten Bevölkerung, jede öffentliche Promenade ein „Schabbesgärtlein des nun »erschollenen Ztzig Feidel Stern." Und welche Störung im Leben und im Verkehr! Soll etwa der israelitische Handwerkslchrling am Samstag feiern, soll »S der israelitische Handwerksgeselle? Sollen die Kinder der Israeliten des Samstagdie öffentlichen Schulen nicht besuchen? Soll der israelitische Banquier an Feiertagen von der Börse wegbleiben und die ihm von seinem Correspondenten zukommenden Aufträge unausgeführt lassen? Soll er sein Comptoir verschließen und seine Wechsel in Protest gehen lassen, oder soll sich der Staat, sollen sich eure christlichen Mitbürger nach euch richten, sich euren abweichenden Sitten und Gebräuchen fügen, ihr Starrgläubigen? Ihr schwimmt nun schon seit Jahrhunderten gegen den Strom; es sei, schwimmt weiter in dieser Richtung, nur wundert euch nicht, wenn daS seine Unbequemlichkeit hat. Ihr sondert euch seit Jahrhunderten vom Volke ab; wol, bleibt weiter daS auserwählte, aber sagt nicht, daß man euch zurückstößt. Doch nein, wir hoffen und vertrauen, daß unsere Glaubensgenossen, unsere deutschen Glaubensgenossen zum wenigsten, endlich cinsehen werden, daß es an der Zeit ist, das Absperrungs-System aufzugeben und sich dem Volke möglichst anzuschließen, welchem sie angehören, was geschehen kann, ohne deshalb dem wahren Judenthume untreu zu werden. Frankfurt im Aug. (Corresp.) Möchten sich doch in Ihrem Blatte mitunter Auszüge aus den neuesten jüdischtheologischen Schriften abgedruckt finden!*) Was hilft es, daß Hold he im Barren Goldes bringt, wenn sie nicht als Münze ausgeprägt werden? Seine Schriften werden von verhältnißmäßig Wenigen gelesen, von Wenigeren gekauft, und von noch Wenigeren verstanden; sie sind den Leuten zu umfangreich, zu gelehrt, zu wenig unterhaltend, und wenn sie wollen, zu theuer. Es ist nun einmal nicht anders, gegen Tausend Juden, die Eugen Sues Geheimnisse lesen, gegen hundert, die sie kaufen, findet sich nicht einer, der Holdheims Autonomie liest unb kauft. Geben Sie solche Auszüge als stehenden Artikel, geben Sie die Urthcile, die Resultate, und von der Begründung erforderlichenfalls das Unentbehrliche mit Hinweglassung des Hebräischen, das nur wenige noch verstehn. Wie wahr und treffend ist nicht, was Holdheim in seiner Schrift; Ueber die Beschneidung hinsichtlich Mannheimers sagt, der zu glauben scheint, daß der Stab, mit welchem er über den Belt setzt, sich in einen Haselstock verwandelt habe. Wenn seine Gemeinde sich von ihm bisher gefallen ließ, was nicht leicht eine andre, so mag er sich dazu gratuliren, thut aber gut daran, nicht weiter von sich reden zu machen, sie könnte sonst endlich auch anfangen rinzusehn, daß *) Wir glauben diesen Wunsch schon längst berücksichtigt zu haben, namentlich haben wir die Hauptschrift von Holdheim (Autonomie der Rabbinen) ausführlich besprochen und auch seine neueste Schrift erwähnt. Red.