Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1844)
- Date
- 1844-08-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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SSL unvernünftig, sondern eine bloße Chicane, indem selbst Maimonides die Beschneidung nicht unter den nach ihm dreizehn Wesenheiten des Judenthums begriffen wissen will. Das orthodoxeste Lehrbuch der mosaischen Religion, welches in unserer Zeit erschienen, ist das des vr. Wehr, und dieses bemerkt auf ausdrückliche Weisung des vorhinnigen Rabbinats zu Fürth, das noch niemand der Heterodoxie beschuldigt hat, wörtlich: „die Beschneidung ist keineswegs eine Bedingung zur Aufnahme in den Bund der Israeliten, sondern sie gehört unter die '2"N rMTD". Der erhebenden Synagogalgesange freilich, welche „das Symbol des Blutes von den Bildern der Leiden umringen, ■ die Israel um des Glaubens willen getragen und noch trägt", thut kein solches Lehrbuch Erwähnung. Zunz ist mit der Erziehung unserer Jugend überhaupt unzufrieden, er will, daß ihr der Talmud als „Unterrichtsmittel, Gesetzbuch, Volksschrift, Heiligthum, großes historisches Fundament" in die Hände gegeben werde; hierauf glauben wir uns der Entgegnung überhoben. Zunz bringt den Reformverein mit der Beschneidungsfrage in Zusammenhang. Das ist eine bloße Folge davon, daß er sich mit den beiden Confusionsräthen eingelassen, welche ihn um ein Gutachten angegangen, und absichtlich oder zufällig das Verhältniß unrichtig dargestellt hatten. Er hätte aber aus öffentlichen Blättern und sonst erfahren können, daß der Reformverein diese Frage bei Seite liegen ließ, und sich nur zu dem Inhalte seiner aus drei Punkten bestehenden Erklärung bekannte, und in so fern können wir Zunz höchstens von geflissentlicher Entstellung der Wahrheit, nicht aber von großer Fahrlässigkeit frei sprechen. Will endlich Zunz nicht für einen Berliner gelten, der die in unserer Zeit an Narrheit streifende Prätension hat, seine Rechenpfennige für baare Münze an den Mann zu bringen, und das vermöge einer höhern Intelligenz, die das seichte Wasser der Spree nnd der dürre Boden der Mark allein zur Reife zu bringen vermögen, so überlasse er die Sentimentalität den vielen Mau sch e Lümpchen, das Nebeln und Schwebeln aber den Romantikern und Mittelalterlichen, und gebe uns auf folgende Fragen, die wir offen und öffentlich an ihn richten, offen und öffentlich Antwort: 1) Hält sich Herr Zunz für verpflichtet, nach den Vorschriften des Talmuds zu leben, und lebt er wirklich nach diesen Vorschriften? 2) Erwartet und wünscht Herr Zunz einen leiblichen Messias, d. h., einen solchen, der die Juden nach dem Lande Palästina zurückführt? 3) Bettachtet Herr Zunz Deutschland oder Palästina als sein Bat«» land? 4) Glaubt Herr Zunz, daß Gott unmittelbar und persönlich dem Abraham für sich und seine Nach» kommen die Deschneidung geboten? Läßt Herr Zunz diese Fragen unbeantwortet, oder beantwortet er solche in umschreibenden Phrasen, so weiß man in Zukunft wenigstens, was man von ihm zu halten hat. — Ob übrigens dieses Gutachten, wie Hr. Kirchheim in seinem Schreiben (Nr. 22 d. B.) versichert, zu spät ein» getroffen, um gleichzeitig mit den übrigen veröffentlicht werden zu können, oder ob es ursprünglich das Schicksal des Grünebaum'schen hatte und unterschlagen war, weil Zunz das von Trier und Consorten eingehalteue Verfahrem denn doch mißbilligte, haben wir hier nicht zu untersuchen. Geschichte der Tage«. Freie Städte. Frankfurt a. M. (Corresp.) Sie sehen, meine Mittheilung über die zurückgehaltenen Gutachten findet bereits ihre Bestätigung durch die neueste Nummer der A. Z. d. I., welche das mit vollem Stillschweigen übergangene des Hrn. Landrabbineu vr. Herzfeld bringt. Hoffentlich werden auch die ander». Herren sich nunmehr veranlaßt fühlen, der Oeffeotlichkeit das z» übergeben, was man ihr willkürlich entzogen hat. — Man wundert sich hier sehr, daß so viele Nabbinen, welche bei der Rabbinenversammlung zu erscheinen zugesagt hatten, dennoch nicht erschienen und, wie es heißt, sogar so rücksichtslos waren, nicht einmal eine Entschuldigung an dieselbe zu richte«. Die baierischrn Rabbinrn sollen materielle Hindernisse gehabt habe»; aber Frankel, Sachs, Mannheimer u. A.? Der Gegenstand ist nu» einmal der Leffentlichkeit übergeben, die Namen sind öffentlich genannt worden; es bedarf daher auch von Seiten der Zurückgebliebenen einer öffentlichen Erklärung über ihr Nichterscheinen, wenn Wir sie nicht als Wankelmüthige betrachten sollen. Sich fern halten ist keine Kunst, wenn es wichtige Lebensinteresse» gilt; aber mit Muth seine Meinung geltend machen, das dürfe» wir von Männern fordern, die eine Bedeutung ansprechen und wirklich durch ihre Stellungen zu einer solchen gelangt sind. Hier glaubt mau allgemein, die beiden letzteren hätten gefürchtet, sich Blößen zu geben wegen ihres Mangels an talmudischer Gelehrsamkeit, der ersten sei theils aus hierarchischem Stolze, theils aus Mangel an Rednergabe zurückgeblieben. Es würde uns leid sein, wenn solche Motive de? Eitelkeit diese Männer