Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1844)
- Date
- 1844-08-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2566911-2566943--1075-2568814- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
251 Unterrichte versucht, ist aber noch nirgends als Rabbine angestellk. Was daher von seinen in dieser Eigenschaft erlassenen Gutachten zu halten, ist leicht und ebenso zu ermessen, warum von hier aus keine Gegenerklärung erschienen. Man hält das Ganze für zu komisch, um eine ernste Abwehr für nöthig zu erachten; da aber die Sache dadurch, daß man außerwärtS Gewicht darauf zu legen scheint; eine andere Gestalt annimmt; so war eine Darstellung des Sachverhältnisses wol am Orte. Frankfurt a. M. im Juli. (Corresp.) Die Nachricht, welche von hier aus der Leipziger allgemeinen Zeitung mitgetheilt worden, und aus derselben in dieses Blatt (Nr. 25) übergegangen ist, als beabsichtige die Familie Rothschild die für den Synagogenbau bestimmt gewesenen 150,000 Fl. auf eine andere wolthätige Anstalt zu verwenden, ist eine bloße Erdichtung, in die Welt geschickt, um den fatalen Eindruck zu schwächen, welchen die Rücknahme des Geschenkes im Auslande und bei unsren hiesigen christlichen Mitbürgern allgemein machte, denn, wie wir schon im Mai (Nr. 23) berichteten, in der israelitischen Gemrinde ward es als ein frohes Ereizniß betrachtet. Freilich war für Rothschild kein Grund zum Rücktritte vorhanden, wie man sich leicht überzeugen kann, wenn man dem inzwischen veröffentlichten Vertrage zwischen ihm und dem Gemeinde-Vorstände einige Aufmerksamkeit schenkt, und nur ein Rabbine, Namens Levy, in Gießen, soll ihm in einem kriechenden Bettelbriefe, der uns nicht zu Gesicht gekommen, seinen Beifall zu erkennen gegeben haben. Von dem älteren Rothschild ist übrigens in dieser Beziehung nicht viel zu erwarten, vielleicht daß etwas geschieht, wenn sein Bruder aus Wien wieder einmal hierher kommt. Während der Synagogenbau solchergestalt in die Ferne gerückt ist, schreitet der Schulbau rasch vorwärts, und die hiesige Gemeinde wird bald ein ihrer trefflichen, mit den ausgezeichnetesten Lehrern besetzten Schule würdiges Schulgebäude besitzen. Wir halten davon mehr als von dem Bau einer Judenschnle, wie ihn Rothschild beabsichtigte. Warten wir erst die Liturgie ab, welche die Rabbinenversammlung in Braunschweig beschlossen und deren Ausarbeitung sie an eine Commission verwiesen, ehe wir an eine veränderte innere Einrichtung der Synagoge oder gar an die Construction einer neuen gehn; wir leben in einer UebergangSperiode, in welcher es unverständig wäre bauen zu wollen, wo! aber alles gewonnen ist, wenn Zeit gewonnen. Unser Rabbine, Hr. Stein, ist inzwischen dem Vernehmen nach bemüht, mit Hülfe eines GesangleheerS einen Knabenchor einzurichten, welcher am fDIP dcbütiren soll; möge er bei Stimme sein! — Man erzählt hier von einem Hirtenbriefe, welchen Nasi Hirsche! I. an seine Getreuen erlassen, in welchem er gegen die Rabbinenversammlung zu Feld ziehen soll. Dieser närrische Kauz glaubt wirklich eine Rolle in Israel zu spielen, weil es ihm bisher gelungen, über ihm anvertraute hunderttausrnde die Rechnungsablage vorzuenthalten, wiewol nichts leichter sein dürste, als ihn aus dem Wege Rechtens dazu zu zwingen. Es wäre schön, wenn man seinen Hirtenbrief der Publirität übergäbe, die Sprache mag eine gewählte, Hirschel Effeudi aber immer noch ein besserer Briefals Rechnungssteller sein. Derselbe soll übrigens in eifriger Korrespondenz mit seinem präsumtiven Nachfolger, dem jungm Rothschild, dem unglücklichen jungen Menschen, von welchem wir im Mai (Nr. 23) berichteten, stehn. Ob in Folge dieses Briefwechsels oder aus welcher sonstigen Veranlassung, — Thatsache ist, daß dieser Nasi in »pe seinen Oheim, der Andere, welche dessen orthodoxe Ansichten nicht theilen, in Verruf gethan, nun selbst in Verruf grthan, in so fern nemlich als er keine in dessen Küche zubereitete Speise mehr berührt; dies der Lohn, dies die Früchte der zum Fanatismus gesteigerten Bigoterie! Lemberg, im Juli. (Corresp.) Schon seit einigen Jahren ist unsere jüdische Gemeinde durch die Bemühungen unseres würdigen Vorstandes in den Kreis der lebensvollen und thatkräftigen getreten, und die Augen Polens, aber auch des gebildeten Deutschlands sind auf uns gerichtet. Seit der Anstellung unseres wackern Abraham Kohn, eines wahren Priesters, im Mai d. I., besitzen wir auch ein geistliches Oberhaupt, auf dawir die schönsten Hoffnungen mit Recht setzen dürfen. Ich gebe Ihnen hier blos einige kurze Notizen über seine Stellung und die hiesigen Gemeindcverhältnisse, das bereits Bekannte übergehend. Neben dem Kreisrabbknen, dessen Stelle seit einigen Jahren vacant ist, haben schon früher zwei Localrabbinen bestanden, bei den Juden D’T’jC» bei den Behörden Religionsweiser genannt, der eine für die Stadt und der andere für die Vorstadt, von denen ein jeder wieder zwei hat. Als nun Kohn im vorigen Jahre hier war, wollte,ihm der Vorstand das Rabbinat überlassen, obschon seine Absicht blos^dahin^ging, einen Prediger für den Tempel zu gewinnen, um ihm einerseits eine bessere Existenz und andererseits entschiedeneren Einfluß auf die Gemeinde und die Gemeinde- Angelegenheiten, namentlich die in jüngster Zeit gegründeten Anstalten zu sichern. Kohn lehnte jedoch dieses Anerbieten ab, um in das Lager der Stabilen nicht neuen Schrecken und größere Verwirrung zu bringen. Cs wurde ihm daher unter dem Namen „Religionsweiser« die Seelsorge der Lemberger Israeliten - Gemeinde verliehen. Diejenigen religiösen Amtshandlungen, welche mehr das Privatleben des Einzelnen betreffen, überläßt nun Kohn den anderen Religionsweisern, über die er vertragsmäßig die