Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1844)
- Date
- 1844-08-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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SLS Aufsicht, und bei deren Anstellung er eine Stimme hat. Er ist überdieß verpflichtet, die öffentlichen Anstalten zu beaufsichtigen, und au der, bereits genehmigten, iw Herbste zu eröffnenden Volksschule den eigentlichen Religionsunterricht zu ertheilen, oder unter seiner Verantwortung ertheilen zu lassen. Er ist vom Staate Lu dieser Eigenschaft bestätigt und hat vom Landes - Gubernium die kräftigste Unterstützung iu allen Dingen zu erwarten. Mit Nächstem wird von dieser Behörde die Instruction für Kohn erlassen werde«, die ihm, wie ich höre, dennoch die Functionen des Kreisrabbinen übertragen und ihm einen sehr bedeutenden Einfluß auf die Gemeinde sichern wird. Eine solche kräftige Unterstützung ist allerdings in der hiesigen Gemeinde noch sehr nöthig, wenn die Erhebung derselben erwirkt werden soll. Der Standpunkt derselben in häuslicher, gewerblicher, bürgerlicher und socialer Beziehung ist nemlich im Allgemeinen ein ziemlich niedriger und steht noch hinter dem der Juden in Deutschland um «in halbes Jahrhundert zurück. Im religiösen Gebiete ist der Unterschied bei weitem nicht so groß, und die Masse dürfte weder intoleranter noch fanatischer, obgleich etwas ungebildeter, als in Böhmen und Mähren sein. Auf diese Masse, d. h. auf die große Mehrzahl der guten jüdisch-polnischen Mittelklasse, muß die Hauptausmerksamkcit gerichtet sein. Das Häuflein der Gebildeten, die Deutschen, wie man sie hier nennt, läßt sich doch nicht leicht zu einer selbstständigen Gemeinde bilden. Sind auch viele tüchtige Männer und Frauen darunter, geschieht auch in einem begeisterten Momente vieles, so ist doch die Erschlaffung zu sehr zu fürchten. Die Predigt soll und wird wol ihre anregende Kraft bewähren; allein bis jetzt fehlt cs noch an einem geeigneten Locale," und wenn der unter vieler Mühe erstehende Tempel eine Zeit lang bestehn und den Reiz der Neuheit verloren haben wird, so bleibt es noch zweifelhaft, ob diese AuScrwählten in ihrer Theil- «ahme nicht erkalten werden. Der bessere Theil der Masse hingegen hat Glauben und erwartet Gutes von der Zukunft und de« Neueren Bestrebungen. Möge Hr. Kehn niemals den Muth verlieren; das Feld ist groß, lag lange brach, ist aber auch sehr ergiebig, wir vertrauen, daß er der tüchtige Ackersmann sein wird, er möge kein Geschrei scheuen, die Wahrheit wird ihm Kraft verleihen, und an Unterstützung wird es ihm nicht fehlen. — Kohn's „Antrittsrede" ist hier gedruckt, und enthält auf 23 Seiten gemüthlich-warme Worte aus einem tieffühlenden Herzen. Prag im Juli. (D. A. Z.) Es eirculirt hier eine Abschrift einer von vielen Hunderten aus dem Handels- und Geperbsstande unterschriebenen, bei dem König unmittelbar eingereichten Beschwerde, in welcher die härtesten Beschuldigungen gegen die Juden vorgebracht werden, sogar die Ehre der öffentlichen Behörden auf die schonungsloseste Weise verunglimpft wird, und welche mit der Bitte schließt, die Juden in ihre ehemaligen mittelalterlichen Beschränkungen wieder zurückzuwerfen, die Einzelnen gemachten Concessionen zu widerrufen, und die Ausschließungsgesetze gegen sie strenge zu handhaben. Wie weit ist es nicht mit der Bildung unseres erleuchteten Jahrhunderts gekommen? Man will wahrscheinlich die Juden im Glauben an die historische Wahrheit grimmiger Judenverfolgungen finsterer Jahrhunderte nicht irre werden lassen. Prag im Juli. (D. A. Z.) Soeben höre ich, daß sich wieder eine Masse Pöbel auf dem Ring und Ziegenplatze (eine Straße am Eingänge der Judenstadt, wo die wolhabenden Juden wohnen, welche nicht gern in der Judenstadt selbst Logis haben wollen) versammelt, und den daselbst wohnenden Juden die Fenster eingeschlagen haben soll. Es haben viele Verhaftungen stattgesunden. In den Fabriken ist Alles beruhigt. Bekanatmachaug. So eben erschien in der C. Kürschner'fchen Buchhandlung (M. Marcus) in Schwerin in Mecklenburg, und ist durch alle Buchhandlungen, in Hersfeld und Homberg durch F. Schuster, zu beziehen: Der glaubensvolle Much des israelitischen Volkspirtcn dem Murren seiner Gemeinde gegenüber. 4» » «r r g t gehalten in der Synagoge zu Schwerin am Sabbat Gukkath (29. Juni 1844) und auf Verlangen dem Druck übergeben Dr. Samuel Holdheirn, Großherzogl. Mecklenburg-Schwerinschen Landes-Rabbinen. 1 Bogen. Preis geh. Qk Sgr. Diese Predigt bietet eine vollständige Uebersicht der gegenwärtigen religiösen Zustände des JudenthumS, und hebt mit Schärfe und Klarheit den Standpunkt hervor, welchen der gewissenhafte Rabbinc seiner Gemeinde gegenüber einnimmt. Bei der allgemeinen Theilnahme, welche die israelitischen Verhältnisse der Jetztzeit in ihrem fortschreitenden Entwickelungsgange überall finden, kann daher diese gediegene Rede den Gebildeten aller Consessionen mit Recht empfohlen werden. Berlin, im Juli 1844. Plahn'sche Buchhandlung. jC. Nitze. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.