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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-08-04 · Heft 31 (4.8.1844) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 31 (4.8.1844)
Date
1844-08-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SS« gelange«; dem Jude« selbst aber ist es heilsam, wie ste solchen Gewerben entrissen und durch die Nothwendigkeit andern nützlicher» zngeführt werden. Ueberhaupt ist Schlesien, trotz seiner ungünstigen Lage und seinem dadurch etwas zurückstehenden Bil- ^ungSstande, nicht mehr geeignet, ein fruchtbarer Boden für Judenverfolgung zu werden. Als das Interesse für die verarmten Weber geweckt wurde, glaubte ein Literat, der Gemeinsinn mit gemeinem Sinne verwechselt, auch die Juden zur Zielscheibe nehmen zu können, obgleich die Fabrikanten im Gebirge, welche den Haß auf sich luden, gut christlichen Geblüts sind, und fingirte, Mische' Müller reisten nun herum, um Flachs, den man den Webern unentgeltlich zukommen lassen wolle, aufzubeuten, und selbst die dramatische Muse begeisterte ihn, indem er ein Gespräch zwischen zwei solchen Müllern erdichtete, das würdig gewesen, in »unserm Verehr" zu stehn. Doch wieder eitle Mühe! Als hier ein Gassenjungrnlärm den Verdruß über einen vereitelten Zapfenstreich in zertrümmerten Fenstern kund geben wollte, da suchte man die jüdischen Besitzer von Kleidermagazinen zum Ziele zu machen; allein die Steine fanden seltsamer Weise ihre Richtung nach der reformirten Kirche, den Häusern christlicher Commerzienräthe u. dgl. Solche Lappalien können daher ruhig übergangen «erden, wenn nur der Aufschwung im Innern recht kräftig sich zeigt. Freilich daran fehlt cs noch ziemlich in Oberschlesien. Giebt es auch mehrere wackre Männer, die mit ernster Theilnahme auf alle Fortschritte der Zeit Hinblicken, so kann doch Nichts durchdrkngeu, und die Zunft der Maz und Schaz, welche mit dem Titel der Rabbinen dort prangen, klebt noch an ihrer alten Zunft» Verfassung, die freilich auch ihr einziger Halt ist. Nur soviel find sic erwacht, daß sie sich gerne eine Geltung verschaffen möchten. Geigers Auftreten und Wirken hat sie aufgerüttelt, und ängstlich blicken sie umher und suchen sich in die Brust zu werfen, allein mit tödtlicher Angst im Herzen. Als das Projekt der Rabbinenversammluvg bis in ihre Schluchten drang, da mochten sie gern auch dort reprasentirt sein; es ward dafür geworben, daß die Gemeinden die Kosten zusammen aufbringen und zwei aus ihrer Mitte absenden möchten. Plötzlich ward's davon wieder still, und ein neuer Plan tauchte auf; Oberschlesien und Posen sollten sich zu einer besvndern Rabbinenversammlung vereinixen. Der Großmufti in Posen war nicht abgeneigt, die Zeit sollte noch vor dem 12. Juni, dem Zusammentritte der andern, fein, feste Bollwerke sollten errichtet werde«, aber auch die Zeitbedürfnisse nicht leer ausgehn, man wollte sogar so weit gehn, — das Haartragen der Frauen im Hause und Hofe zu gestatten i Und a«S dieser Versammlung, die zu so großartigen Erwartungen berechtigte, ward auch Nichts! Daß doch das Große in der Welt so oft in seiner Ausfiihrung zerschellt; der Rhein, nachdem er Hüter deutscher Gränze gewesen, verinnt.tat Sand, und die oberschlesisch - posensche Rabbinenversammlung wird zu Wasser! Trauriges Geschick irdischer Unvollkommenheit! Schließlich vergönnen Sie mir noch einige Worte über den Reformvcrein! Er ist hier nicht ohne alle Sympathien, drum staunte man über dessen Schweigsamkeit und freute sich, daß endlich ein Hauptvcrtreter desselben mit seinem Namen in Ihrem Blatte auftrat. Allein der Ton, welchen dieser sich sonst eines so ehrenvollen Rufes erfreuende Mann anfchlägt, mißfällt. Der »Leviathan, der blos ein großer Stockfisch ist», und die »Beleuchtung, wie sie in Burgkundstadt sein mag, wenn Mondschein im Kalender steht, oder der Himmel mit Wolken umzogen ist», kann nicht munden und nicht erhellen. Solche Witze schaden einer hohen ernsten Angelegenheit sehr, die auch mit Ernst behandelt sein will. — Indem ich meinen heutigen Artikel nochmals durchlese, freue ich mich über die vielen Ueberschriften, die Sie in der Jnhaltsanzeige wegen seiner machen müssen; die Leser versprechen sich viel und — sind hinter's Licht geführt. Berlin, (D. A. Z.) Die Erklärung eines, sogenannten oder vielmehr sich selbst so nennenden »Oberrabbinens» mit Namen Borchardt rücksichtlich der Braunschweiger Rabbinensynode hat in mehreren und auch in dieser Zeitung *) Eingang gefunden, weswegen es nöthkg erscheint, den Sachverhalt, wie er von den der Verhalnisse ganz Kundigen dargestellt wird, mitzutheilen. Zuvörderst existirt ein Oberkreisrabbine zu Friedland in der Lausitz schon um deßwillen gar nicht, weil Friedland keine Kreisstadt ist, dann auch nur eine geringe Anzahl von Juden zählt, denen die Besetzung einer Nabbinatsstelle unmöglich sein würde. Ferner aber lebt dieser sogenannte Rabbine Borchardt hier in Berlin, hat die Stadt noch gar nicht verlassen und ist wahrscheinlich mit seiner neuen Stelle ebenso mistificirt worden, wie früher einmal, als mehrere seiner Bekannten ihm erzählten, er sei Oberrabbine von London, ja von ganz Altengland geworden; sie trieben ihre Scherzrsäußerungrn damals so weit, daß sie »eingesandte» Artikel (für Geld also) in die hiesigen Zeitungen rücke» ließen, worin der bevorstehenden Berufung nach großen, wirklich komisch übertriebenen Lobeserhebungen, erzählt wurde. Dieser Herr Borchardt nun, welcher sich in Folge dieser und anderer Scherze, in seinen Gedanken wirklich für einen Oberrabbinen, dann aber wol nur tapsrtibua, halten mag, hat bereits vor 20 Jahre» es einmal mit dem Studium der Medkrin und dann mit de« *) S. Nr. 29 unserer Zeitschrift» (Red» heS Israelit.)

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