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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-07-28 · Heft 30 (28.7.1844) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 30 (28.7.1844)
Date
1844-07-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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243 renzen zwischen Juden und Christen zu versuchen. Der Anschluß an die große Mehrheit ist ein Grunddedingniß zur Erreichung aller bürgerlichen und socialen Vortheile, deren die israelitischen Gemeinden sich würdig zu machen bestreben. Mehr, als von allen Reformbestrebungen der jüngsten Zeit, mehr als von der Abschaffung des Kol-Nidre Gebets, welches die Rabbinen in Braunschweig beschlossen, erwarten wir von der Verlegung der Sabbatsfeier auf den Sonntag; eine Frage, welche auch in Deutsch, land anzuregen an der Zeit sein dürfte und für die unsere ausgezeichneten Geister ihr Veto abgeben sollten. Wir glauben wenigstens, uneingedenk der Einwirkung auf das bürgerliche Leben, von der gemeinschaftlichen Feier deS Ruhetags der Gleichgültigkeit der größeren Masse unserer Glaubensgenossen wirksam entgegengearbeitet, und den Sinn für den Gottesdienst, der in den Herzen der jüngeren Generationen gänzlich zu erlöschen droht, neu belebt zu sehen, wenn ihnen Zeit vergönnt ist, sich wöchentlich einmal an dem Tage, wo die Gcsammtheit sich der Ausübung der Berufsgeschäfte cntschlägt, durch den Eintritt in das Gotteshaus zu erheben und nicht unaufhörlich den materiellen Bedürfnissen vbzuliegen: was bisher durch die Umstände so zu sagen bedingt worden. In den Augen unserer christlichen Brüder aber muß ein Entgegenkommen von dieser Seite um so lebhaftere Anerkennung finden; als das noch immer herrschende Borurtheil, das starre Festhalten an jedem herkömmlichen Gebrauch hemme den Fortschritt unsrer bürgerlichen Gleichstellung, dadurch beseitigt werden wird. Die Erwägung dieses Gegenstandes ist wichtig und das Bemühen unsrer Gelehrten, ein solches Ziel auch in Deutschland zu erstreben, müßte mit dem besten Erfolge gekrönt werden, besonders wenn sich, wie zu erwarten steht, die Stimmen der Freisinnigen christlichen Gelehrten diesen Aufforderungen der Zeit mit entschiedener Festigkeit anschließrn würden. Jedenfalls würde sich in der Verlegung des Sabbats auf den Sonntag ein sichtbarer Fortschritt kund geben, während die so viel besprochene Abschaffung der Beschneidung, sollte sie jemals durchgreisen, doch immer nur ein unsichtbarer Fortschritt bleiben wird. Vom Rhein. (Corresp.) Die Unredlichkeit, mit der der Herausgeber der „rabbinischen Gutachten über die Beschneidung" verfahren ist, tritt von Tag zu Tage mehr hervor. Ihr Blatt hat uns das Gutachten des Bezirksrabbinen vr. Grunbaum in Landau gebracht, das ganz ignorirt ward, das Gutachten des Oberrabbinen Kahn in Trier, welches in der Vorrede erwähnt und von dem ein ganz falscher Sinn angegeben ward, hat die Allg. Ztg. d. Jud. veröffentlicht, und nun hört man auf ganz unzweifelhafte Weise, daß auch Herr Landrabbine Dr. Herzfeld fa Braunschwrig, rin Gutachten ringesandt, das gleichfalls nicht einmal der Erwähnung gewürdigt wurde*), sowie denn Herr B. Adler sich äußerte, es lägen in feinem Pulte noch 5 bis 6 solcher Wische — so bezeichnet er nemlich die nicht seinem Geschmücke und Zelotismus zusagenden Gutachten —, die er aber ganz ignorire; ist das nicht sehr ehrlich, ist das nicht fromm d Man fragt Männer, die man hiermit als Autoritäten anerkennt; antworten sie nicht nach dem rechten Geschmacke, dann schreiben sie Wische! Wir glauben, daß die Herren, welche durch ein solches Verfahren mit empörendem Hohne behandelt werden, eS ihrer eigenen Ehre schuldig sind, ihre Gutachten zu veröffentlichen und gegen solche unwürdige Behandlung zu protestirrn. Man soll selbst gegen in orthodoxem Sinne geschriebene Gutachten sich Willkürlichkeiten erlaubt haben. So wird mir versichert, Rabbine Wechsler in Schwabach habe sich gegen die bisherige Schlaffheit der „frommen Partei" ausgesprochen und ihr zu Gemüthe geführt, daß ihre Thatlosigkeit zu solchen Resultaten führe; allein von diesen Ausbrüchen des Feuereifers, der jedenfalls ehrlich, consequent und thatkräftig ist, findet sich in dessen gedruckten Arußerungen nichts. Und dabei läßt sich doch unseren Frommen y.ax a^ox'ijv die Rührigkeit nicht absprechen. Besonders hat sie wieder die Rabbinen-Versammlung in Allarm gebracht. Wie ich höre, war der Rabbine Aub in München bereits in Frankfurt eingetroffen, um sich nach Braunschweig ^u begeben, da ward ihm von den verschiedenen Reb's hofirt, der ältere Baron v. Rothschild schickte ihm seinen Wagen zur Spazierfahrt, und — er reiste wieder ruhig nach Hause. Der junge Will Rothschild wird sich natürlich mit einem Manne, der nur daran denkt, jene Versammlung zu besuchen nicht sein; der junge Mann hat es bereits zur Virtuosität gebracht, Stein icjy nJD’ zu sagen! Um so interessanter ist es, daß die nächste Versammlung, wie wir hören, hier abgehalten werden soll. Glück zu, ihr wacker» Strebter für den Herrn I Königreich Hannover. Hildesheim (Schluß des Auszugs aus der Eingabe des- Land-Rabbknen Bodenheim.) Der §. 5. des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Ju^ den hebt das Schutzverhältniß der Juden auf, aber die daraus- *) Hr. Dr. Herzfeld hat sein Gutachten, in welchem er sich über den Reformverein, da damals noch nicht- Gründliches über ihn bekannt war, gar nicht ausspricht, und hinsichtlich der Be» schneidung sich gegen jedes Ausschließungssystem erklärt, gleichfalls in der Zeitung d. JudenthumS veröffentlicht, und zwar auf Veranlassung der von Kirchheim in Nr. 22 d. Bl. abgegebenen Erklärung, daß ihm außer den veröffentlichten und de» in de« Einleitung erwähnten Gutachten kein anderezu komme».. zv-; nf; >! tv •.; .... ' - i'- -

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