Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1844)
- Date
- 1844-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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SSI und gibt dem Vater, dem Gevatter und der Gevatterin (kann die Wöchnerin zugegen sein, auch dieser, die dann auch die Segensprüche des Vaters mitzusprechen hätte) davon zu trinken; dann beginnt er mit lauter Stimme: (Folgt der gewöhnliche Segensspruch nur mit Weglassung der auf die Beschneidung bezüglichen Stelle). Der Gevatter entnimmt das Kind den Händen des Geistlichen und gibr es dem Vater zurück, worauf dieser den Segenspruch ((selielreelriami) spricht. Gehen wir nun zu der Schrift von Bergson über; sie bespricht den Gegenstand weit umfassender und gründlicher und verdient daher auch weit mehr die Beachtung aller derjenigen, welche sich mit diesem Gegenstände nach seiner religiösen wie nach seiner politischen und medicinischen Seite bekannt machen wollen *). Wir müssen jedoch für unseren Zweck nur auf einige Hauptpunkte derselben uns beschränken, und namentlch das sanitätspolizeiliche Kapitel, so zweckmäßige Vorschläge es auch in Beziehung auf die bisher mit so manchen Gefahren begleitete Operation der Beschneidung enthält, ganz übergehen. Herr B. behandelt zuvörderst die Geschichte der Beschneidung, und legt mit Recht auf die Stelle Ezech. 30, 18. Werth, da sie die einzige in der Bibel selbst sei, in welcher von der Beschneidung, wenn nicht des ganzen egyptischen Volkes, so doch wenigstens seines Königs gehandelt werde. Im zweiten §. wird nun zu den profanen Schriftstellern übergegangen und da zunächst die Aeußerung Herodots hervorgehoben, daß die Egypter das älteste Volk sei, welches die Beschneidung bei sich eingeführt, und von welchem sie zu allen andern Völkern des Orients übergegangen. Es wird dann auf Josephus aufmerksam gemacht, der mit der Behauptung Herodots übereinstimme und folgender Fall aus seinem Leben erzählt: Er hatte auf einem Streifzuge zwei arabische Häuptlinge gefangen. Die israelitischen Krieger, die unter seinem Befehle standen, wollten die Gefangenen zur Annahme ihrer Religion und vor Allem zur Befchneidung zwingen. Josephus gab dieses nicht zu, stellte die Krieger zur Rede, und bewies ihnen, daß man in der Religion keinem einen Zwang anthun dürfe und es sei jedem überlassen, wie er Gott dienen w o l lte, ob beschnitten oder unbeschnitten. Aus der römischen Gesetzgebung weist der Verfasser nach, daß die Beschneidung damals allgemein bei Aufnahme eines Proselyten eingeführt gewesen, und aus *) Dieses können wir aus unserer eignen Bekanntschaft mit der fragt. Schrift bezeugen. Redaktion. der talmudischen Bestimmungen während des Mittelalter-, daß seit dem fünften Jahrhundert ein neuer Akt in der Beschneidungsoperation hinzugetreten, nemlich der dequeren Schnittes und der Aufschneidung Olims). Im zweiten Kapitel bespricht der Verfasser die verschiedenen Erklärungsweisen der Beschneidung, und stellt oben an die religiöse, wornach sie eine göttliche Uebereinkunft mit den Abrahamiten sei, um sie dadurch zu einem eigenen von den andern Völkern im Alterthume isolierten Stamme zu erheben, (dagegen spricht jedoch die Thatsache, daß dieselbe auch bei anderen Völkern eingeführt gewesen); sie sei aber nach der Ansicht des Talmuds und der Synagogenlebrer selbst, weder als ein Zeichen ausschließender Nationalität (dieses scheint jedoch der eben gegebenen Erklärung zu widersprechen) zu betrachten, da ja auch heidnische Sklaven beschnitten wurden, damit sie Opfer und Gabe genießen durften, noch in dem Sinne als eine sakramentale Handlung zu betrachten, daß durch sie der Israelit in den Verein seiner Glaubensgenossen eintrete, da ein solches schon durch die Geburt geschehe, und wenn eine solche Handlung nöthig wäre, sie auch für das weibliche Geschlecht bestehen müßte. Trotz dem habe sich im Laufe der Zeiten die Ansicht bei den Israeliten herausgestellt, daß die Beschneidung als ein Grundpfeiler des rituellen Judcnthums mehr denn alle anderen Gesetze eine Bevorzugung verdiene. Vermöge ihres Characters sei sie auch am meisten geeignet, ein allgemeines Kennzeichen religiöser Abstammung und Verbindung zu bilden, und mir dem Aufheben der Beschneidung würde sonach für den modernen Israeliten jedes Band, das ihn an die Religion seiner Väter erinnert, aufgelöst werden, und er keinem Glaubensbekenntniß mehr angehöcen. — (Diese letzte Behauptung ist aber eine sehr gewagte; da man einem Glaubensbekenntniß mit voller Innigkeit angehören kann, ohne dieses gerade durch ein bestimmtes äußeres Zeichen zu erkennen zu geben, womit auch die oben angeführte Aeußerung von Josephus vollkommen übereinstimmt.) Zur zweiten Auffassung der symbolischen übergehend, findet der Verf. schon die erste Andeutung im neuen Testamente; denn obgleich Barnabas, der Gefährte des Apostel Paulus, nicht einmal gelten lasse, daß die Beschneidung ein Bundes siege! und Zeichen gewesen sei, indem er behauptet, daß man auch bei den Arabern, Syrern und Götzenpriestern in Egypten die Bescheidung finde, so sage doch Paulus an verschiedenen Stelle»