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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-07-14 · Heft 28 (14.7.1844) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 28 (14.7.1844)
Date
1844-07-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sss Versöhnungstag nicht feiert, ausschließen. Sollten sie das noch nie gelhan haben? Also auch den, welcher die Beschneidung unterläßt, würde man nicht ausschließen dürfen, ohne zu freveln, wenn diese Unterlassung nur eine Sünde gegen die Religion wäre. Nur wer das moralische und historische Band, das ihn an seine Kirche knüpft, zerreißt, der darf nach, Hrn. Dr. Zunz, ausgeschlossen werden. Es scheint mir, als ob Herr Dr. Zunz sich über den eigentlichen Fragepunkt, nemlich, ob der, welcher die Beschneidung unterläßt, schon hierdurch das moralische und historische Band zerrissen habe, gar nicht deutlich ausspräche. Er spricht nur von einem Bunde gegen Talmud, Messias und Beschneidung, er scheint also nur in dem Bunde gegen diese drei Dinge den Versuch einer solchen Losreißung zu sehen. Ebenso sagt er früher (S. 12): Eine mit der Verläugnung des Talmud und des Messias, d. i. mit dem Aufgeben von Vergangenheit und Zukunft verbundene Abschaffung der Beschneidung, schneidet das Leben des Judenthums mitten entzwei, ein Selbstmord ist keine Reform. Wie ist es denn nun aber, wenn die Abschaffung der Beschneidung nicht mit dem Aufgeben von Talmud und Messias verbunden ist und umgekehrt? In diesen zwei Stellen zieht Herr Dr. Zunz offenbar gegen den Reformverein los. Wieviel Verkehrtes und Falsches in den wenigen Worten. Der Reformverein hat die praktische und dogmatische Verbindlichkeit des Talmud abgelehnt; wenn man dies ein Aufgeben der Vergangenheit nennt, so kann man eben so gut sagen, daß Jemand seine Vergangenheit aufgiebt, wenn er seine alten Hemden verschenkt. Der Reformverein hat erklärt, daß er einen Messias, der die Jsraeliren nach Palästina zurückführe, weder erwartet noch wünscht, sieht Herr Dr. Zunz wirklich in einem solchen Messias unsere Zukunft? Der Reformverein hat sich nichr gegen die Beschneidung erklärt, es wäre vielleicht besser gewesen, er hätto es gethan, aber es ist nun einmal unläugbare Thatsache, daß er es nicht gethan hat. Es ist unläugbar, daß der Vater, gegen welchen die Orthodoxie, weil er die Beschneidung seines Sohnes unterließ, den nichtigen Vernichtungskrieg führte, damals in gar keiner Verbindung mit dem Reformverein stand. Da man aber durchaus dem Reformvereine dieses Verbrechen in die Schuhe schütten wollte, sah man sich genöthigt, zu einem Briefe des Herrn Dr. Creizenach seine Zuflucht zu nehmen. Für diesen Brief ist jedenfalls nur der Letztere, nicht der Reformverein verantwortlich. Aber wenn man ihn nur richtig lesen wollte, so müßte man unstreitig gerade das Gegentheil von dem, was man darin fand, folgern. Herr Dr. Creizenach behauptet, daß die meisten frankfurter Reformfreunde ihre Kinder nicht beschneiden lassen werden. Was aber die meisten und nicht alle thun, kann doch unmöglich Zeichen des Bundes, kann doch nicht das Schiboleth des Reformvereins sein. Wenn diesen Brief nicht der Dr. Theodor Creizenach, sondern der Rabbi Theodor Hallevi, oder der Rabbi Theodor den Meschullam oder der Rabbi Theodor den Jechi geschrieben hätte, Herr Dr. Zunz hätte ihn ohne Zweifel gewissenhafter benutzt. Und so scheide ich mit Wehmuth von Herrn Dr. Zunz. Ach wie bist du gefallen, glänzender Sohn deS Morgens, wie bist du gänzlich aus der Rolle gefallen, zu welcher die Natur dich bestimmt hat, um dich in einen Brudel zu stürzen, in dessen Qualm dir nicht wohl werden kann. Möchte der Himmel dir den Seelenfrieden schenken, den du auf diesem Wege nie finden wirst. Z. R. Geschichte des Tages. Wir eröffnen die Tagesgeschichte mit einem Berichte über die Rabbinen-Versammlung in Braunschweig, wobei wir uns aber auf die einfache Mittheilung der Ergebnisse beschränken, da die Verhandlungen selbst durch den besonderen Truck der Protokolle veröffentlicht werden, und Betrachtungen über den Geist, den Standpunkt und die Wirksamkeit jener Versammlung später einen Platz in diesen Blättern finden sollen: Ihren auf den Fortschritt gerichteten Geist gab die Versammlung schon durch ihre Wahl des Rabbinen und Kirchenrath Meyer in Stuttgart zum Präsidenten zu ^erkennen, der auch in seiner Eröffnungsrede den heutigen Zustand des Judenthumö als einen krankhaften, in einer Krisis sich befindlichen, bezeichnete, auS welcher es heraus- und zu einem gesunden Leben zu führen das Hauptstreben der Versammlung sein müsse. Hierauf ging man an die Brrathung und re»p. Redaction der von vr. Philippson entworfenen Statuten, aus welchen hervorgehoben zu werden verdient, daß man den Zweck der Versammlung in die Erhaltung und Fortbildung des Judenthums setzte, und ihr durchaus keine normirende, synodale, sondern nur eine moralische Macht zuschrieb. Bei der hierauf erfolgten Brrathung über die Synagogenordnung in Mecklenburg-Schwerin (im Wesentlichen mit de» im Königreich Würtemberg gleichlautend) ward dieselbe den strengorthodoxen Forderungen angemessen erklärt. Ein Antrag wrr

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