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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-07-07 · Heft 27 (7.7.1844) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 27 (7.7.1844)
Date
1844-07-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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SIS Cultministers hinreicht. Jedes Consistorium hat dem Präfecten jährlich über die Lage der milden Stiftungen, der Wolthätigkeits- und religiösen Anstalten für Israeliten Bericht zu erstatten. Der Großrabbine des Oberconsistoriums hat das Recht der Ueberwachung und Ermahnung aller Diener des israelitischen Cultus, gleichwie er in allen Synagogen Frankreichs gottesdienstliche Handlungen verrichten und predigen darf. Ohne seine Beistimmung darf das Centralconsistorium über keine religiösen Gegenstände in Berathung treten, im Fall eines Nichteinverständnisscs zwischen ihm und dem Centralconsistorium wird jedoch der Großrabbine des pariser Departementalconsistoriums beigezogen, und wenn die beiden Rabbinen verschiedener Meinung sind, der ältest ernannte der Großrabbine» der Consistorieen, zum Entscheid berufen. Der Großrabbine eines Departementalconsistoriums hat das Recht in allen Synagogen seines Bezirks Gottesdienst zu halten und zu predigen, der Gemeinderabbine ist auf den Tempel seines Orts beschränkt. Andere Bestimmungen betreffen das Alter der Rabbinatscandidaten, ihre Befähigungszcugnisse, daß sie Franzosen sein müssen, kein industrielles oder mercantilisches Gewerb treiben dürfen rc. Der k. Verordnung vorausgeschickt ist ein Bericht des Siegelbewahrers Hrn. Martin über den Stand der bisherigen Gesetzgebung, die auf das Decret vom 16. März 1608 zurückgeht, durch welches Napoleon zur Rehabilitation der Israeliten (wie der Hr. Minister sich ausdrückt) den Grund gelegt hat. «IIS Gutzkow's Schriften. *) Seitdem ich an dem Kampfe der Zdeen gegen verrottetes Herkommen Theil nehme, Hab' ich meine Feder der bürgerlichen Gleichstellung der Juden gewidmet. Die Gründe, welche für diesen Act der Gesetzgebung sprechen, sind so erschöpft, daß sich ihnen zu widersetzen eben so viel Herzlosigkeit wie Mangel an politischem Verstände verriethe. Die Frage ist kaum noch die, ob die Juden gleichgestellt werden sollen (vom industriellen Egoismus oder von religiöser Intoleranz konnte sie nur noch bestrittm werden), als die, wie man den Juden die bürgerliche Freiheit, welche sie über kurz oder lang in allen deutschen Staaten erhalten werden, zu einem ihrer eigenen Gesammtheit ersprießlichen Genüsse, und die Ausgleichung mit der christlichen Gesellschaft so vollständig und beziehungsreich als möglich machen könne. *) Nachstehende Darstellung des berühmten Verfassers gibt über seine eigne Gesinnung so viel Ausschluß und enthält sonst noch so viel Beherzigungswerthes, daß wir es uns nicht versagen können, sie unseren Lesern mitzutheilen. Red. Man hat mir gesagt, daß mein Artikek über den ewigen Juden mit diesen Grundsätzen ebensowenig übereinstimme, wie mit der freien Auffassung des Christenthums, welche mein ttlU giöses Glaubensbekenntniß bildet. Ich hätte aber weder geglaubt, daß man einen aus der Natur und frühem Geschichte des Judenthums hergenommenen Commentar über eine so ziemlich in der Luft schwebende Sage, als eine Feindseligkeit gegen die bürgerliche Frage des Judenthums auslegen, noch daß man mir verdmken würde, daß ich bei aller Freiheit des Gedankens noch eine Vorliebe für das Christenthum verrathen könne! wenn ich, um einen leidigen Zwist beizulegen, der unsre Gesellschaft untergräbt, wenn ich, um dem Judenthum die Möglichkeit eines vollständigen Anschlusses an unsre Staats- und Erwerbsordnung zu sichern, immer und überall für die Emancipatian stimmen werde, so sollte man doch darum noch keine wankende Anhänglichkeit an das Christenthum oder auch nur eine mehr als zur Sache gehörige Neigung für das Judenthum selbst, voraussetzen. Die Sage vom Ahasver ist ein allgemeines Urtheil über das Judenthum; ich habe nichts versucht, als ihr aus den Auswüchsen und Gebrechen desselben eine Deutung zu geben. Ich habe endlich hier auch nicht mit der jüdischen Gesellschaft, sondern mit einigen jüdischen Dichtern, Philosophen und Schriftstellern zu thun. Statt mir Judenhaß vorzuwerfen, hätte man sich fragen sollen: Wie kommt es, daß ein Mann, der unsrer Sache zugethan ist, in eine so plötzliche Erzürnung'über uns gerathen kann? Ich würde dann haben antworten müssen: Mein Artikel ist nicht gegen die Gemeinde und deren Sache gerichtet, sondern erstens gegen einige jüngere Dichter, die, unwillig über die so lange verzögerte Befreiung, sich in den Schooß des Judenthums zurückwerfen, und eine Bildung, die sie lediglich der civilisirenden Kraft des Christenthums verdanken, zu übertriebenen und das christliche. Gefühl nur herausfordernden trauernden Rabbi- und AhaSvergrsängen verwenden; zweitens gegen jene Philosophen, die auS Bitterkeit über die noch andauernde Lage der Juden sich hinreißen lassen, sogar der Wissenschaft eine ihr noch zu gebeude jüdische Färbung zuzumuthen, und Christus, man möchte fast sagen, persönlich hassen, da sie doch einsehen könnten, daß er nächst MoseS ihr größter Held und Charakter war; drittens gegen diejenigen Juden, die da glauben, man solle ihnen die bürgerliche Freiheit aus religiösem Jndifferentismus geben; viertens gegm diejenigen, die bei den Schwierigkeiten, welche die Emaucipation, gegenüber der bigotten und dem Judenthum so feindseligeu christlichen Volksmasse hat, bei der so lästigen Verschiedenheit der das Gewöhnlichste im Leben berührenden jüdischen Gebräuche, bei historische» Entwickelungen, die in den Dingen, nicht in den Menschen lir.

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