Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1844)
- Date
- 1844-07-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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220 fittt, vom Chtistrnthum gar verlangen, es müsse dem Judenthum etwas abbitten; fünftens gegen diejenigen, welche gleichsam in einer Noah-Arche der Erwartung sitzen und von Jahr zu Jahr das Fenster öffnen und fragen: Sind wir schon emancipirt? die daun, wenn die Gewässer noch nicht verzogen sind, das Fenster wieder schließen und sich, ohne Interesse für die übrige Welt, von den Wellen wieder forttrciben lassen; die da gänzlich vergessen, daß sie sich selbst darauf berufen, sie wären Deutsche, und doch nur die Geschichte des Vaterlandes darnach beurtheilen, daß sie unter Napoleon, den sie darum verehren, frei waren, und in den jetzigen Zeiten, die sie darum hassen, gedrückl sind« Es sind nicht die Interessen des Judenthums, die ich beeinträchtigen will; nur find' ich, daß gerade die, welche die Gebildetsten an der Spitze des Judenthums sind, viel zu sehr an einer gefährlichen Trennung arbeiten, den Zwiespalt übertreiben, die Leidenschaften schüren, die Aussöhnung durch ihren Groll nur erschweren, die Gleichstellung nicht immer richtig und für das christliche Gefühl zart genug motivircn, den Einfluß der gebildeten Christen aus die Ungebildeten überschätzen, die historischen Entwickelungen übers Knie brechen und so lange, bis ihnen die Emanzipation geworden ist, ordentlich ein Neutralitätsverhältniß zu ihrem Vaterlande beobachten. Ich brauche nur an vr. Phi. lippson zu erinnern, der eine Zeitung nicht für die Sache der Emanzipation (denn das hätte Grund), sondern für das Judenthum im Allgemeinen herausgiebt, eine Zeitung, die sich ein Geschäft daraus macht, aus allem, was in der Welt vergeht, den jüdischen Antheil daran einzuregistriren und nicht aufhöt., Onslow, Moscheles, Kalkbrennrr, Roscnhain, Meyerbeer, Halevy hervorzuheben, gleichsam als wenn Meyerbeer seine Kunst nicht dem Abt Vogler, sondern dem Talmud verdankte! Diese Betrachtungen waren es, die mich die Sage vom Ahasver auf eine Weise auffassen ließen, welche die aufrichtigste Theilnahme an der bürgerlichen Frage des Judenthums und meinen innigsten Wunsch, die Gesetzgebung möchte endlich zu diesem Behuf an weise, duldsame und auf der Höhe unserer Zeit stehende Gemüther kommen, nicht ausschließt. (Gutzkow verbreitet sich nun über die Ausstellungen, welche seinem Ahasver in einigen Blättern widerfahren und fährt dann fort:) Der Verfasser der erwähnten Entgegnung sagt, die Lösung der Emanzipationsfrage läge über das Christenthum hinaus. Ich glaube dies eben so wenig, wie ich nicht weiß, was andres für eine Beziehung das Christenthum zu jener Frage haben kann, als die, daß wir friedfertig und duldsam die Sache einer Gemeinden entscheiden mögen, die mit uns aufgewachsen ist und durch ihr Glaubensbekenntniß nicht sollte gehindert werden, an irdischen Dingen, nach denen ohnehin des Christen Sinn nicht trachten dürste, Theil zu nehmen, so wie wir. Ich gestehe sogar, daß ich recht gut weiß, wir leben in einem Zeitalter der religiösen und politischen Gährung, wir haben eine spekulative Richtung, die über dem Positiven schwebt, wir haben Strauß, wir haben, um mit dem obigen Vers, zu reden, «tausend flammende und rauchende Zeichen", aber praktisch, verständig die Dinge angesehen, hängt die Frage des Judenthums wol nur vom endlichen Siege jener Aufklärung auch bei uns ab, die in Holland und Frankreich die Emanzipation längst zugelassen hat. Was da von den jungen jüdischen Dichtern, den Sängern des Judenschmerzes u. s. w. in die Frage hineingetragen wird, kann nur dazu dienen, sie zu verwirren und ihr eine Opposition bei solchen christlichen Gemüthern zu schaffen, die nicht Lust haben, dem Judenthum eine Mission, dem Ashaver eine Zukunft und dergleichen einzuräumen. So wenig durch das Alles, was jetzt im Schooß des Christenthums vorgeht, etwas anderes erzielt wird, als ein freiere Auffassung desselben, so wenig können wir glauben, daß wir frei geworden im Sinne unserer Zeit, das Christenthum und Judenthum sich noch einmal an einander indifferenziiren sehen sollten. Die Emanzipationsfrage ist eine der Politik und der Sitte, keine Frage der Metaphysik und der Religionsgeschichte. Wer unter den Juden sie zu letzterer macht, wird erleben, daß er Vielen eine Angelegenheit verleidet, der sie sonst mit Rath und That so herzlich und innigst geneigt sind. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.