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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-06-30 · Heft 26 (30.6.1844) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 26 (30.6.1844)
Date
1844-06-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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209 euch brauchen lasset, aber wagt es, irgendwo gegen ihren Willen zu handeln, und ihr seid verdammt. Die Orthodoxie weiß recht gut, daß sie den kleinsten Stich nicht aufgeben darf, wenn sie nicht das ganze Spiel verlieren will. Die in der Bildung Fortschreitenden werdet ihr euch immer mehr entfremden, weil ihr den Anforderungen der Bildung nicht genügen wollt, weil euere praktischen Reformen sich auf ein paar Aenderungen im Gottesdienste beschranken, die ihr dem Bestehenden unter der Flagge der rechtgläubigsten Autoritäten wegkapert. „Was ist der Gewinn eines solchen als unvermerkt bezcichneten Fortschrittes?" Ist es denn etwa das einzelne Faktum, die einzelne Einrichtung in der das Heil gefunden werden soll, oder ist es nicht vielmehr gerade das geläuterte religiöse Bewußtsein, aus dem dann nothwendig die äußeren Einrichtungen sich angemessen hervorarbeiten? (Wissensch. Ztschr. f. d. jüd. Theol. Bd. 5. S. 145). „Was nützen uns kleine Abänderungen, wenn nicht der Wille gezeigt wird, für den wahren Glauben zu wirken, was nützt z. B. ein Aufstutzett unverstandener Gebete mit Choralgesang, wenn der ganze Gottesdienst an großen Schaden leidet? was nützet Verbesserung des Gottesdienstes allein, wenn nicht in die ganze Lehre Geist einzieht und die Stagnation schwindet? Was nützen uns alle Aeußerlichkeiten, wenn der Glaube durch und durch getrübt bleibt? (Ebend. Dd. 1 S. 302). Wenn ihr keinen Muth habt, so verliert euch unter der Menge, so stellt euch nicht an die Spitze, aber am wenigsten solltet ihr euere Zaghaftigkeit als die wahre Tugend anpreiftn und den Muthigen einen Tollkühnen nennen. Wer feig ist und zaghaften Herzens, der gehe und kehre nach Hause zurück. Das Judenthum wird seine Bestimmung erfüllen, ohne euch und gegen euch, es wird ihm Hülfe und Rettung von einem anderen Orte Herkommen. — Im April 1844. Geschichte -es Tages. Don der Elbe. (Corresp.) Könnten Sie mir doch, mein bester Herr Ncdactcur! den Correspondenten aus Preußen in Nr. 14 Ihrer Blätter nennen l Ich wollte ihm warlich nichts zu Leid thun; nein, zu ihm würde ich reisen, und ihm die Hand schütteln, und ihm sagen: Ihre Ahnungen haben Sie nicht getäuscht, vortrefflicher Mann! Was Sie von der Frankelschen Zeitschrift vermutheten, ist wahr, buchstäblich wahr geworden: „Es ist eine leblose und sie wird nicht in das Leben eindringrn!" Was aber Ihr Correspondent aus Preußen mit s»inen zarten sittlichen Fühlhörnern herauSsühlte, das hatte ich auS der persönlichen Bekanntschaft deS Oberrabbinen Frankel, und dem Mittelmäßigen, dem Mangel an allem Großen, Sprudelnden, Schöpferischen, welche sie mir darbot, geschlossen: und hatte daher auch gleich im Stillen jenes Urthril unterschrieben. Es ist näm« lich gewiß, daß der, welcher eine Zeitschrift gründen, oder mit andern Worten, welcher seiner Zeit voranleuchten, das, wornach sie sich sehnt, ausdrücken, ihm Erfüllung, Erhörung verschaffen will, die sittliche Bedingung hierzu erfüllen müsse, nicht hin und her schwanken, nicht bald mit dieser,^ bald mit jener Partei liebäugeln dürfe, sondern einer festen, entschiedenen Richtung angehören, unverrückbar, auf einem selbsterrungenen, unter Schmerzen und Mühen errungenen Standpunkt stehen müsse, von dem er durch keinerlei Lockung, durch keine andere Nothigung, als die hohe, gewaltige, heilige, welche die Wahrheit selbst mit sich führt, wcgzubringen ist, daß Hr. F. dieses nicht ist, har Ihr Correspondent gezeigt, und darum auch mit Recht seinem Unternehmen! eine schlechte Boraussicht gestellt. Daß aber auch Hr. F. nicht die geistige Begabung besitze, um schassend und gestaltend in das vielbewegte Rad der Zeit einzugreifen, um sich an die Spitze eines literarischen Unternehmens zu stellen, wußte ich, der ich ihn persönlich kenne, schon längst, und sein erster Aufsatz in dem ersten Hefte seiner Zeitschrift bestätigt dieses auch vollkommen. Nichts als das Allgewöhnliche, mit hochtrabenden Phrasen auSgcschmückt, mit leerem Wortgeklingel ausposaunet, und kommen ja einmal ein Paar neue Gedanken vor, so und eö unhaltbare, Phanlasiecu, in denen keine Wahrheit, und darum auch kein Geist, kein Leben ist. Lassen Sie mich dieses nur an den hervorragenftcn Sätzen jenes Aufsatzes zeigen: „Tie Speisegesetze zielen auf Enthaltsamkeit." Ich sollt» aber meinen, daß wenn der göttliche Gesetzgeber diese beabsichtigt hätte, er sein Dolk überhaupt auf die einfachsten, nothdürftigsten Bedürfnisse beschränkt, nicht aber ihm nur einige Thiergattungen, einige Speisen versagt, andern aber erlaubt haben würde. Und in der Thal, wenn man sieht, wie selbst der heutige rabbanitische Israelit, dem doch noch viel mehr verboten ist, sich für das ihm Versagte zu entschädigen weiß; wie reich besetzt sein Tisch ist; wir er sich besonders nach den berühmten Sabbatsspeisen sehnt, und mit welcher Lust und Behäbigkeit er sie verzehrt: man wird warlich nicht mehr daran denken, dem Israeliten in Folge der Speisegesetze eine besondere Enthaltsamkeit zuzuschreiben. — „Die Idee allein verflüchtigt und verwässert sich", dir Frankelschen Ideen gewiß, da sie schon von vorn herein ziemlich 'lach und wäßrig sind; aber eine wirkliche, die Brust mit heiliger Begeisterung erfüllende Idee verflüchtigt sich nimmer, sonderu gibt GottkSkrast, Märtprennuth;

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