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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-06-30 · Heft 26 (30.6.1844) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 26 (30.6.1844)
Date
1844-06-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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209 des JesaiaS und mehr als einmal gelesen, bilde mir sogar ein, so viel Hebräisch zu verstehen, als manches Mitglied des fortschreitenden Rabbinismus, und Sie werden mir daher bis auf Weiteres, dem schlichten Wortsinne gemäß, erlauben, es nicht anders zu verstehen, als es alle neueren Erklärer von Bedeutung verstanden haben. Sie werden mir erlauben, anzunehmen, daß der hoch^iegende Geist des Propheten bereits den Gedanken überwunden hatte, als könne man sich, durch Entbehrung sinnlicher Genüsse und Kasteiungen, der Allmacht wolgefallig erzeigen, ein Gedanke, der nur auf einer niederen Bildungsstufe Geltung haben kann. Und was nun gar die Opfer betrifft, so glauben Sie wirklich, daß die Propheten noch nicht auf dem Standpunkte waren, auf welchem jetzt jeder Fleischersknecht steht? in Gottes Namen! Sie hatten sich doch wenigstens erinnern sollen, daß selbst sehr orthodoxe Autoritäten die Opfer nur als Nothbehelf dem Götzendienst gegenüber betrachtet haben. Und der fortschreitende Rabbinismus — mit dem Sie ganz besonderes Unglück haben — meint, die Propheten wären ebenso wie gegen thörichten Götzendienst, mit demselben Feuereifer gegen Ceremonien zu Felde gezogen, welche verknöchert waren und ihrem Zwecke nicht mehr entsprachen, wie gegen Opfer, Fasten u. dgl. (Wissenschaft!. Zeitschrift für die jüdische Theologie, Bd. 4, S. 11). Gegen wen und was Sie eigentlich rücksichtlich der Ceremonialgesetze zu Felde ziehen, weiß ich wirklich nicht; daß viele, aus welchen der Geist geflohen ist, fallen müssen, hat schon, wie ich früher angeführt habe, der fortschreitende Rabbinismus erklärt. Uebrigcns werde ich mir erlauben, wenn unsere bis jetzt einseitige Corrcspondenz weitere Folge haben sollte, auch einmal ausführlich mit Ihnen über die Feier des Versöhnungsfestes zu sprechen, neben dessen „heiligenden Einfluß" mir Manches herzulaufen scheint, was, um es vorläufig mit einem Worte zu sagen, einer Blasphemie so ähnlich sicht, wie ein Ei dem andern. Was nun die Verlegung des Ruhetages betrifft, so weiß ich nicht, wie Sie dazu kommen, einen besonderen Accent hierauf zu legen. Es ist mir nicht bekannt, daß bei Berathungen des Reformvereins je die Rede von so etwas gewesen wäre. Ob aber nicht der alte Jesaias, wenn ein dringender Grund dazu vorhanden wäre, für die Verlegung stimmen würde, muß ich unentschieden lassen; wenigstens werden Sie nicht bezweifeln, daß er es thun würde, sobald die Sabbatfeier mit der Bürgerpflicht in Collisston käme. (Ueber die Autonomie der Rabbinen S. 45, ». und S. 103, ».) Ihre übrigen Bemerkungen kann ich übergehen, theils habe ich sie bereits besprochen, theils scheinen sie mir mehr in die Klasse der Ehicanen zu gehören und ich will es den Frankfurter Reformfreunden selbst überlassen, darauf zu antworten, wenn sie es für nöthig halten, zum Theil haben sie es bereits gethan. Nur will ich noch bemerken, daß es mir sehr auffallend war, von Ihnen die Ansicht ausgesprochen zu sehen, daß, keine Secte bilden wollen und keinen eigenen Gottesdienst haben, einerlei sei (S. 766), eine Ansicht, die zwar von Judenfeinden, aber schwerlich schon von einem fortschrei» tenden Rabbinen geäußert worden ist; es war mir dies um so auffallender, da Rießer bereits gegen diesen Wahn mit aller Kraft seines Talents angekampfl hat. Ich darf jedoch, um der Wahrheit die Ehre zu geben, nicht verschweigen, daß ich in einem Punkte, aber auch nur in diesem einzigen, wenigstens theilweise mit Ihnen einverstanden bin. Auch ich habe die auf die Beschneidung bezügliche Stelle des Programms nicht gebilligt und würde, wenn ich sie vor dem Drucke ge. kannt hatte, entschieden dagegen protestirt haben. Nicht etwa, als ob ich gegen die Behauptung selbst viel einzuwenden hätte, auch nicht aus besonderer Zärtlichkeit für die liebenswürdige Ceremonie, sondern weil ich eS für unstatthaft halte, wenn einzelne Reformfreunde die Beschneidungfrage und die Reformangelegenheit durch, einander manschen, was dem Reformverein als solchen durchaus fremd ist. So unbedeutend ist denn doch am Ende diese Frage nicht, daß sie sich nur nebenbei abthun ließe, wenn ich auch anderer Seits glaube, daß alles, was die Orthodoxie bis jetzt darüber vorgebracht hat, sehr nichtssagend und zum größten Theile noch obendrein sehr albern ist. Da der Reformverein sich gegen kein einzelnes biblisches Gesetz aussprechen wollte, so hatten allerdings einzelne Reformfreunde sich hüten sollen, ihn in den von Ihnen ausgesprochenen Verdacht zu bringen, als hätte man nicht den Muth gehabt, etwas, das man anstrebte, frei zu bekennen. Mir wenigstens werden Sie den Vorwurf nicht machen, als wäre ich der Frage, was ich denn eigentlich für positive Grundlehren des Judenthums hielte, ausgewichen; es wird nun, wenn Eie nicht demselben Vorwurfe unterliegen wollen, an Ihnen die Reihe sein, deutlich anzugeben, was Sie dafür halten. Aber das Wort Muth! hatten Sie auch ein Recht

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